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Straßenumfrage

Corona-Müdigkeit in Achern: Die Maske ist für die Bürger nicht das Problem

Maske tragen ist nicht das Problem. Die geschlossenen Geschäfte und vor allem die verminderten Sozialkontakte führen in Achern zu einer Corona-Müdigkeit, gerade bei den frühlingshaften Temperaturen.

Die Sonne lockt ins Freie: Reger Betrieb herrschte auf dem Spielplatz im Acherner Stadtgarten. Vielen fällt es bei dem schönen Wetter schwer, sich an die Kontaktbeschränkungen zu halten. Foto: Andreas Bühler

Der Frühling rückt unaufhaltsam näher, und die steigenden Temperaturen ziehen die Menschen an die frische Luft. Ob Schlange vor der Eisdiele oder Eltern auf dem Spielplatz im Stadtzentrum: Auffällig ist, wie viele Bürger sich bereits auf Lockerungen eingestellt haben und teilweise ohne Maske unterwegs sind. Allerdings werden die Corona-Vorgaben an Stellen wie dem Rathausplatz eingehalten.

In den vergangenen Tagen gab es zwar Verstöße, die Oberbürgermeister Klaus Muttach bereits öffentlich kritisierte. Eine klare Haltung für die Maske ergab sich bei einer Umfrage des ABB. Allerdings drängen die Bürger jetzt auf Öffnung der Geschäfte. Die Stadtpolizei bemerkt vor allem bei den Jugendlichen eine Corona-Müdigkeit – sie wollen sich wieder in Gruppen treffen.

„Wir wollen endlich wieder unbeschwert Leute treffen. Ich kann zum Beispiel ein befreundetes Paar, das ein Kind bekommen hat, immer noch nicht zusammen besuchen. Das ist schade“, beklagt Max, der mit seinem Freund Sebastian grundsätzlich Wert auf Abstand und Maske legt. „Wir wissen bald nicht mehr, wie wir uns bei diesem schönen Wetter verhalten sollen. Man hat ständig Angst etwas falsch zu machen“, ergänzt Sebastian. Die Isolation gehe auf die Nerven, beklagen die jungen Leute.

Probleme häufen sich

„Es hat eine gewisse Corona-Müdigkeit eingesetzt. Die Menschen haben Probleme, da durch Corona alles unübersichtlich geworden ist und vieles leider nicht mehr nachvollziehbar“, stellt Hans Heizmann, stellvertretender Leiter des Fachgebietes Sicherheit und Ordnung in Achern, auf Anfrage des ABB fest.

Auf dem Spielplatz direkt im Stadtzentrum toben die Kinder. Endlich wieder Bewegen und Spielen nach den vielen nassen Tagen. Ein Blick zu den dabei sitzenden Müttern zeigt bis auf wenige Ausnahmen ein einheitliches Maskenbild. „Es fällt mir schon schwer, hier mit der Maske zu sitzen, weil es ja an der frischen Luft ist. Aber die Gefahr, sich etwa mit einer dieser gefährlichen Viren-Mutationen anzustecken, ist mir einfach zu groß“, sagt eine 23-jährige Mutter aus Achern. Gleichwohl habe sie Verständnis gegenüber Mitbürgern, die sich ohne Maske frei bewegen wollen.

Das Treffen mehrerer Personen geht leider nicht.
Hans Heizmann, Sicherheit und Ordnung

Dies geht auch einer Passantin so: „Wir alle haben uns sehr lange an die Regeln angepasst und sind brav zu Hause geblieben. Aber bei den wärmeren Temperaturen sehen viele die Trendwende und lassen schon mal locker.“

Die Polizei ist präsent

Die Acherner Stadtpolizei ist ständig präsent. „Ja, die Kollegen merken das vor allem bei den jungen Leuten, die sich jetzt unbedingt wieder ungezwungen treffen möchten. Das ist zwar mehr als verständlich, geht aber nicht“, stellt Hans Heizmann fest. „Die Menschen sind unterschiedlich. Und deshalb sind auch die Reaktionen auf die sich ändernden Corona-Regeln verschieden. Das müssen die Männer im Blick behalten“, geht Heizmann auf das Verhalten der Polizisten ein.

„Die Maske ist okay, aber ich verstehe nicht, warum wir nicht in die Geschäfte können, wenn die Supermärkte offen haben“, stellt Annika fest, die mit ihrer Tochter und ihrem Mann Ralf aus Sasbach kommt und in Achern die warme Sonne genießt. Beim Einkaufen am Samstag sei zwischen den Regalen oft weniger Platz als in einem normalen Geschäft, wenn die Hygienevorschriften eingehalten werden.

„Das Problem ist oft der Platz. Ich kann als Friseurin nicht arbeiten, weil unser Salon zu und sowieso für mehrere Kunden zu klein ist. Gott sei Dank arbeitet mein Mann. Aber in der Automobilindustrie ist momentan auch nichts mehr sicher“, schildert die junge Frau die Situation der Familie mit drei Kindern. Und wenn sie ab diesem Montag wieder arbeiten darf, „habe ich das Problem mit der Kinderbetreuung an der Backe.“

Mein Mann hat Gott sei Dank Arbeit
Eine junge Mutter

Irgendwie werde die Situation mit der Dauer der Pandemie immer undurchsichtiger. „Was ist mit der Schule. Was macht die ständige Isolation mit unseren Kindern. Und wie sollen die Lerndefizite aufgeholt werden“, äußert sich die junge Mutter besorgt. Die Aussichten seien trotz der sich abzeichnenden Lockerungen nicht gut, sagt ihr Mann. „Die Corona-Viren sind nicht aus der Welt. Im Gegenteil, jetzt kündigt sich durch die Mutationen schon eine dritte Welle an. Wie lange soll das mit den Einschränkungen weitergehen?“ Er vermisst einen Plan B bei den Politikern. „Wir müssen mit dem Virus leben lernen.“

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