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Weihnachtsfeiern brechen weg

Corona-Ungewissheit zehrt an Nerven der Küchenchefs in Achern und der Ortenau

Das Spätjahr ist eigentlich die Zeit der Weihnachtsfeiern. Ohne eine frühe Reservierung war es meist nichts mit dem Lokal der Wahl. Doch die Corona-Pandemie sorgt für deutliche Einschnitte. Die Ungewissheit zehrt an den Nerven der kulinarischen Gastgeber.

Mit Herzblut am Herd: Bernhard Kininger, Chef von Kininger’s Hirsch und Ardrian Cirstea (rechts). Durch die Corona-Pandemie ist auch in dem Oberacherner Traditionsbetrieb einiges anders. Foto: Roland Spether

Wie war das doch in den vergangenen Jahren? Für Weihnachtsfeiern immer zeitig reservieren, sonst wird es schwierig mit dem Lokal der Wahl. In Zeiten der Corona-Pandemie ist alles anders. Im badischen Ländle, das weit über seinen Grenzen hinaus für den wunderbaren Zweiklang aus gastronomischer Klasse und landschaftlicher Schönheit bekannt, haben viele Betriebe deutlich weniger Buchungen. „Momentan ist es sehr verhalten“, sagt Herbert Decker vom „Engel“ in Sasbachwalden.

Thorsten Ahleit, Chef des „Roten Ochsen“ in Rheinau-Freistett, zieht ebenfalls eine ernüchternde Bilanz. Weihnachtsfeiern? Fehlanzeige - ganz im Gegensatz zu den vergangenen Jahren, konstatiert Ahleit. Dazu zeichne sich ab, dass das Geschäft über die Weihnachtsfeiertage vermutlich deutlich schwächer sein wird. „Früher hatten wir über diese Tage um die 300 Reservierungen, jetzt sind es bestimmt 50 Prozent weniger“, berichtet der Freistetter Gastronom.

Immer wieder neue Corona-Auflagen

Das Schlimme sei die Ungewissheit, so Decker weiter. „Ich bin ja ein relativ gelassener Mensch“, sagt Vorsitzende des Kreises Achern der Dehoga, er berichtet aber von Kollegen, bei denen die Nerven inzwischen blank lägen. Da gehe es um Betriebsausfälle von 90 Prozent. Die Situation für die kulinarischen Gastgeber, sie gestaltet sich also äußerst schwierig. Nicht nur, dass die betrieblichen oder privaten Weihnachtsfeiern storniert oder gar nicht erst gebucht werden, es ist die Flut an Corona-Auflagen, die immer wieder angepasst werden und die die Gastronomen damit immer von Neuem beschäftigten.

„Es stand ja auch schon ein Beherbergungsverbot im Raum, das ist aber glücklicherweise vom Gericht gekippt worden“, so Decker, nach dessen Ansicht diese Auflage unverhältnismäßig gewesen wäre. Wenn zum Beispiel ein Gast aus einem so genannten Corona-Hotspot komme, hätte er ihn zwar bewirten aber nicht beherbergen dürfen.

Auch Bernhard Kininger erlebt gerade Zeiten, wie sie so nicht da gewesen sind. Der Chef von „Kininger’s Hirsch“ in Oberachern, auch ein Altgedienter am Herd, berichtet von einer „sehr guten Nachfrage“ für die Weihnachtsfeiertage und für Silvester sei das Restaurant bereit zu 50 Prozent gebucht. Doch in Bezug auf Weihnachtsfeiern macht die Erfahrungen wie die meisten seiner Kollegen in der Gastronomie. „Viele Weihnachtsfeiern wurden abgesagt.“ Es sind viele Faktoren, die den ambitionierten Küchenchefs und ihren Teams das Leben derzeit schwer machen. Kininger verweist ebenfalls auf die die Corona-Verordnungen, die in in regelmäßigen Abständen in Neuauflage ins Haus kommen. Um keine Fehler zu machen, muss das Regelwerk dann von vorn bis hinten studiert werden. „Da hätte ich mir mehr Information von der Stadt gewünscht“, sagt Kininger.

Ungewissheit macht der Branche zu schaffen

Dann kommt wieder die Ungewissheit mit ins Spiel. Wenn ein Restaurant oder Gasthaus in diesen Tagen eine Buchung für eine Feier entgegen nimmt, die Anfang Dezember stattfinden soll, gelten dann am Termin noch dieselben Regelungen oder wurde die Verordnung schon wieder modifiziert?

Und es sind noch andere Dinge, die die Gastronomen beschäftigen. Gerade bei Feiern. Da werden zwölf Personen angemeldet, vier melden sich dann wieder ab, auf zwei weitere wartet die Gesellschaft vergeblich, berichtet Kininger. Damit sei die gesamte Planung im Restaurant über den Haufen geworfen, je nachdem hatte man anderen Gästen noch abgesagt. „Ich habe ja auch meine Fixkosten, die muss ich decken“, so der Chef. Kurzfristige Absagen ganzer Feiern stellen die Gastronomen ebenso vor Probleme, diese „No-Show-Geschichten“ können zur Existenzbedrohung werden. „Dieses Bewusstsein sollte sich in den Köpfen festsetzen.“

Kininger, seines Zeichens auch Vize-Vorsitzender der Acherner Dehoga, denkt schon über Strategien nach, wie sich gerade kleinere Restaurants in den nächsten Monaten aufstellen können, ein so genannter Schichtbetrieb - in den USA, auf Kreuzfahrtschiffen oder in Urlaubshotels gang und gäbe - wäre da durchaus eine Möglichkeit: Zum Beispiel mit Zeiten von 17.30 bis 20 Uhr und dann bis zum Schluss. Das ermögliche eine höhere Flexibilität. Denn eines sei sicher, „den Winter über hat uns Corona schon im Griff.“

Es seien „schwierige Zeiten“, aber solange es keinen Lockdown, sprich den verordneten Stillstand gebe, „versuchen wir das Beste daraus zu machen. Herbert Decker sieht es als Vorteil an, dass Mittelbaden eine Tourismusregion ist. „Da haben wir Glück“. Umsatzeinbußen verhindere das nicht. Er äußert einen eindringlichen Appell der Gastronomie: „Wir brauchen keinen Steuergelder. Lasst uns einfach schaffen.“

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