Skip to main content

Läden geschlossen

Corona-Verordnung: Einzelhändler in Achern setzen auf die Solidarität der Kunden

Läden und auch Restaurants machen dicht - auch in Achern sind die Folgen der strikten Maßnahmen gegen die Verbreitung des Coronavirus überall zu späten. Der Einzelhandel zeigt Verständnis für die Verordnung der Landesregierung und fordert die Solidarität der Kunden.

Kaufhaus geschlossen, Poststelle geöffnet: Der Acherner Einzelhandel steht nach der von der Landesregierung verfügten Schließung zahlreicher Geschäfte vor einer großen Herausforderung. Foto: Michael Moos

„Dann ist bei mir am nächsten Ersten Schicht im Schacht.“ Voller Sorge blickt eine Acherner Geschäftsfrau in die Zukunft. Wie viele anderen Einzelhandelsgeschäfte musste sie am Mittwoch ihren Laden aufgrund der Anordnung der Landesregierung schließen. Für sie kam die zur Verminderung der Auswirkungen der Corona-Krise erlassene Rechtsverordnung aus Stuttgart überraschend, andere Geschäftsleute hatten damit gerechnet und sich entsprechend vorbereitet.

Philipp Schäfer appellierte als Vorsitzender der Werbegemeinschaft „Achern aktiv“ an die Kunden, möglichst zu Hause zu bleiben, damit der für den 20. April ins Auge gefasste Termin für die Wiedereröffnung der Geschäfte auch tatsächlich eingehalten werden.

Nach dem Beschluss der Landesregierung dürfen nur noch Geschäfte für den täglichen Bedarf offen bleiben. Dazu zählen unter anderem Lebensmittelläden, Drogerien und Apotheken und auch Baumärkte, Waschsalons und Banken.

In den betroffenen Geschäften in Achern weisen Schilder und Plakate auf die Schließung hin, oft gepaart mit guten Wünschen – hin und wieder mit dem Hinweis auf Liefermöglichkeiten oder der Bitte, möglichst nicht auf den Online-Handel auszuweichen.

Mitarbeiter müssen Kurzarbeitergeld beantragen

Die Schließung der Geschäfte führt unter anderem dazu, dass viele betroffenen Mitarbeiter Kurzarbeitergeld beantragen müssen. Das gilt auch für die Beschäftigten des Kaufhauses Peters. Laut Geschäftsführer Bernd Peters war man auf die Rechtsverordnung vorbereitet.

Das Kaufhaus ist geschlossen, zugänglich ist aber die Poststelle, die von 9 bis 14 Uhr geöffnet hat und vom hinter dem Kaufhaus liegenden Parkplatz zugänglich ist.

Einzelhandel zeigt Verständnis

Bei „Achern aktiv“ stieß die weit reichende Entscheidung zur Minderung der Infektionsgefahr trotz allem auf Verständnis: „Die Maßnahme ist richtig. Es geht um die Kapazitäten in unseren Krankenhäusern.“

Schäfer spricht von einer „großen Herausforderung für den Einzelhandel und bittet die Menschen um Solidarität: „Sie können uns unterstützen, wenn Sie zuhause bleiben und nicht jeden Tag in die Stadt kommen.“ Es reiche im allgemeinen vollkommen aus, alle zwei Wochen zum Einkaufen vor die Tür zu gehen.

Totaler Umsatzverlust

Grundsätzlich besteht bei den Einzelhändlern eine große Unsicherheit, das weiß auch Philipp Schäfer. Selbst für diejenigen, die einen totalen Umsatzverlust eine gewisse Zeit überstehen, treibt die Frage um, ob nach einer vierwöchigen Schließung tatsächlich schon ein Neustart erfolgen kann. Besonders betroffen ist die  Textil- und Schuhbranche – dort besteht angesichts der für den Frühling bestellten Ware ein ohnehin schon hoher Liquiditätsbedarf.

Es gibt zwar staatliche Hilfen, so Schäfer, doch es gehe vor allem um Kredite, deren Kosten man derzeit noch nicht einschätzen könne. „Und dann müssen hier überall noch Menschen sitzen, die Kreditanträge bearbeiten und Gelder freigeben.“

Appell an das Verantwortungsbewusstsein jedes Einzelnen

„Wir müssen mit aller Kraft und vor allem mit dem  Verantwortungsbewusstsein jedes Einzelne erreichen, dass wir durch die Reduzierung der sozialen Kontakte den Anstieg der Zahl der Infektionen reduzieren“, sagt auch Oberbürgermeister Klaus Muttach.

Die Schließung der Geschäfts sei „leider unausweichlich“. Klare Worte formuliert der Oberbürgermeister an die Adresse derjenigen, die das Coronavirus und die möglichen Folgen für die Allgemeinheit noch immer unterschätzen: „Wenn sich Menschen diesem Gebot der Vernunft widersetzen, sehe ich als weiteren notwendigen Schritt die Verhängung einer Ausgangssperre.“

Kontrollen angekündigt

Muttach kündigte an, dass die Polizei, der kommunale Ordnungsdienst oder der Gemeindevollzugsdienst der Stadt in enger Abstimmung miteinander Kontrollen vornehmen. Verstöße beispielsweise gegen das Aufenthaltsverbot auf Spielplätzen seien mit empfindlichen Geldbußen sanktioniert.

Muttach: „Allerdings setzen wir in dieser Krisensituation auf das Verantwortungsbewusstsein jedes Einzelnen. Wer heute noch nicht verstanden hat, dass Menschenansammlungen eine sehr große Bedrohung für die Gesundheit und im Einzelfall sogar das Überleben von vielen Menschen in unserem Land sind, der hat den Ernst der Lage leider immer noch nicht erkannt.“

nach oben Zurück zum Seitenanfang