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Corona-Krise in Mittelbaden

300 Beschäftigte der Lebenshilfe in Mittelbaden wegen Corona ohne Arbeit

Die Corona-Krise hat auch heftige Auswirkungen auf die Werkstätten der Lebenshilfe in der Region Baden-Baden/Bühl/Achern. Die 300 Beschäftigten können nicht zur Arbeit, die Produktion ist um 70 Prozent zurück gegangen. Das bedeutet finanzielle Einbußen.

Viele freie Plätze gibt es derzeit in den Werkstätten der Lebenshilfe der Region Baden-Baden/Bühl/Achern. Foto: Lebenshilfe

Die drei Werkstätten arbeiten im Notbetrieb, die etwa 300 Mitarbeiter sind in ihren Wohngruppen oder zuhause, die Produktion ist um 70 Prozent zurückgegangen. Die Corona-Krise trifft die Lebenshilfe der Region Baden-Baden/Bühl/Achern heftig.

Die erheblichen finanziellen Einbußen der Werkstätten sind das eine. Genauso schwer wiegt für die Beschäftigten, dass sie nicht zur Arbeit können. Gebraucht zu werden, in der Produktion zu stehen, das gebe den Mitarbeitern eine Tagesstruktur und stärke das Selbstwertgefühl, so Markus Tolksdorf.

Rückkehr in eine Normalität mit Coronavirus

Nach dem jüngsten Beschluss von Bund und Ländern, die strikten Krisen-Auflagen zu lockern, sehen sich der Geschäftsführer von Lebenshilfe WDL Nordschwarzwald und sein Team an Verantwortlichen einer sehr anspruchsvollen Aufgabe gegenüber. Es geht um langsame Rückkehr in die Normalität. Lebenshilfe-Chef Tolksdorf ergänzt es: „In eine Normalität mit Coronavirus“, denn bis es den entsprechenden Impfstoff gebe, „ist das unsere Realität“.

Die große Aufgabe werde sein, den gehandicapten Mitarbeitern nahezubringen, dass man sich nicht freudig umarmt, wenn man sich sieht, dass all die Regeln eingehalten werden, um das Risiko einer Infektion möglichst gering zu halten. Der maximale Schutz aller Beschäftigten, das stehe ganz oben.

Geschäftsführer sieht kreative Geister gefordert

Ob das möglich ist, wenn insgesamt 300 behinderte Menschen in drei Werkstätten unter Voll-Last arbeiten, da ist der Geschäftsführer skeptisch. „Da brauchen wir kreative Ideen, wie wir zum Beispiel das mit dem Abstand halten hinbekommen.“

Mitarbeiter-Transport könnte zum Problem werden

Und es gibt noch weitere Aufgaben, die der Lösung harren: Wie kommen die Mitarbeiter zum Arbeitsplatz? „Die üblichen Großtaxis sind wohl nicht zulässig“, gibt Tolksdorf zu bedenken. Genau dieses Problem gebe es darüber hinaus auch bei der Schülerbeförderung.

Momentane Situation in den Werkstätten?. „Es ist gerade sehr, sehr ruhig“, so Tolksdorf. Betreuer, sofern sie Kapazitäten haben, und Mitarbeiter der Integrationsfirma der Lebenshilfe leisten das maximal Mögliche, um zumindest die Kunden in den systemrelevanten Sparten beliefern zu können. „Wir stellen zum Beispiel Einzelkomponenten für den medizinischen Bereich her“, erläutert der Geschäftsführer. Diese Lieferungen stünden auf der Prioritätenliste ganz oben.

Kunden äußern Verständnis für Situation

Indes hätten die Abnehmer der Lebenshilfe-Produkte in der Krise viel Verständnis gezeigt. Manche Unternehmen seien sogar ganz froh gewesen, dass die Aufträge nur eingeschränkt abgearbeitet würden, da sie wegen der Pandemie den eigenen Betrieb stark zurückgefahren hätten, teilweise sei die ein oder andere Order zurückgezogen worden.

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CAP-Märkte sind geöffnet

Dennoch wollen die Werkstätten ihren Verpflichtungen nachkommen, „die Kundenbindung ist ganz wichtig“, betont Tolksdorf. Die CAP-Märkte (Supermärkte der Lebenshilfe) sind deshalb ebenfalls geöffnet, „wir wollen damit unseren Beitrag zur Grundversorgung der Bürger leisten“, so Tolksdorf weiter. Doch auch dort fehle das Personal.

In der Nähwerkstatt werden derzeit Schutzmasken für die Beschäftigten der Lebenshilfe gefertigt. Foto: Lebenshilfe

Nicht zuletzt ist die Näherei gefordert, dort entstehen Schutzmasken für die Belegschaft. Damit der Alltag der gehandicapten Mitarbeiter weiter Strukturen hat, stehen für sie diverse Aufgaben auf dem Stundenplan, so Tolksdorf, Maßnahmen zur Berufsbildung, Verhaltenstraining und mehr. Mit den Beschäftigten, die bei ihren Familien weilen, gibt es Telefonate.

Langer Weg zurück in eine Normalität mit Virus

Der Weg zurück in eine Normalität mit Virus wird sich laut Tolksdorf langwierig gestalten, begleitet von vielen Fragen. Eine davon wird sein, wie sich die Lebenshilfe in der Öffentlichkeit zeigt. Die Präsenz der Einrichtung bei vielen Veranstaltungen in der Region ist gute Tradition. Doch bis 31. August sind Großveranstaltungen untersagt, wie es danach weitergeht, ist offen.

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