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Initiatoren im Gespräch

"Critical Mass" in Achern: "Wir wollen die Autofahrer nicht ärgern"

„Critical Mass“ - zu deutsch „kritische Masse“ - heißt die weltweite Bewegung, die im September 1992 erstmals in San Francisco am Start war, und im September in Achern Premiere feierte. Wer steckt dahinter? Der ABB sprach mit Rudolf Martin aus Achern und Andreas Schweizer aus Wagshurst.

Keine Demonstration, sondern Werbung für das Radfahren: Im Verbund fahren Teilnehmer der „Critical Mass“ durch die Innenstadt von Achern. Ende Oktober wurden immerhin 75 Teilnehmer gezählt (Bild). Foto: Daniela Busam/Archiv

„Kritisch“ ja – „Masse“ nein. Wenn am jeweils letzten Freitag eines Monats eine Gruppe von Radfahrern auf den Straßen Acherns unterwegs ist, geht es nicht um eine Demonstration, sondern darum, auf den Radverkehr als Form des Individualverkehrs aufmerksam zu machen. „Critical Mass“ (zu deutsch „kritische Masse“) heißt die weltweite Bewegung, die im September 1992 erstmals in San Francisco am Start war, und – wie berichtet – im September in Achern Premiere feierte.

Rudolf Martin aus Achern und Andreas Schweizer aus Wagshurst fanden diese Idee so gut, dass sie – zusammen mit Partnern und Freunden – die „Critical Mass“ in der Hornisgrindestadt auf die Straße brachten. Mit Erfolg: Ende Oktober waren 75 Radler unterwegs. Der ABB sprach mit den Initiatoren.

Haben Sie eigentlich ein Auto?

Andreas Schweizer: Ja, aber ich versuche Autofahrten zu vermeiden, wann immer es geht. Ich bin im Jahr rund 12.000 Kilometer mit dem Fahrrad unterwegs – in Deutschland und den Nachbarländern. Es geht mir nicht nur um die Umwelt – es sind auch Kostengründe, die mich zum Umstieg auf das Rad bewegen.

Rudolf Martin: Auch ich habe ein Auto. Aber ich versuche in der Stadt alles mit dem Fahrrad zu erledigen – auch kleinere Einkäufe. Das hat viele Vorteile. Bis ich für das Auto einen Parkplatz gesucht habe, bin ich mit dem Rad schon lange am Ziel.

Vorfahrt für das Fahrrad: Andreas Schweizer (links) und Rudolf Martin werben für eine umweltfreundliche Mobilität. Foto: Michael Moos

Warum eine „Critical Mass“ in Achern?

Andreas Schweizer: Wir sind durch ähnliche Aktionen in anderen Orten darauf aufmerksam geworden. Und ich möchte gleich klarstellen, dass wir nicht die Autofahrer ärgern wollen – sondern auf Radfahrer aufmerksam machen.

Rudolf Martin: Grundsätzlich hat eine „Critical Mass“ keine zentrale Organisation. „Critical-Mass-Aktionen“ entstehen, wenn irgendwer zu einer gemeinsamen Fahrt aufruft und über Medien, Internet, Plakate oder Mundpropaganda Ort und Zeitpunkt bekannt gibt. Deshalb waren wir überrascht, dass schon zum Start so viele Teilnehmer kamen – es waren immerhin 25.

Warum ist es nötig, auf Radfahrer im Verkehr aufmerksam zu machen?

Andreas Schweizer: Radfahrer sind Teil des Verkehrs. Wir werben für gegenseitige Rücksichtnahme. Leider ist es oft so, dass der Radfahrer als der „Schwächere“ an den Rand gedrängt wird. Es gibt jedoch keine Probleme, wenn sich jeder an die Regeln hält. Deshalb legen wir auch großen Wert darauf, dass diese bei unseren Teilnehmern eingehalten werden. Das gilt für die Fahrradbeleuchtung ebenso wie für Bremsen und Klingel. Und natürlich empfehlen wir allen, einen Helm zu tragen.

Wie läuft eine „Critical Mass“ in Achern ab?

Rudolf Martin: Die Strecke wird zuvor festgelegt und ist etwa zehn Kilometer lang. Gefahren wird im sogenannten Verbund – mehr als 15 Radler dürfen zu zweit nebeneinander und auf der Fahrbahn fahren. Und wenn die Fahrer an der Spitze über eine grüne Ampel fahren, dann folgen alle im Verbund, auch wenn die Ampel zwischenzeitlich auf „rot“ schaltet. Aber grundsätzlich ist jeder Fahrer für sich selbst verantwortlich.

Und wie sind die Erfahrungen?

Andreas Schweizer: Es gab bisher erstaunlich wenig Konflikte. Die meisten Autofahrer warten geduldig. Gehupt hat keiner. Es gab aber auch welche, die unseren Verbund in der Acherner Hauptstraße ganz schön kritisch überholt haben – mit mehr als Tempo 50. Da fühlt man sich schon etwas unwohl.

Sie sind Fahrrad-Experten: Gibt es in Achern Defizite?

Rudolf Martin: Dass sich die Situation des Radfahrers verbessern muss, ist keine Frage. Wir wollen „Critical Mass“ aber nicht als Demonstration verstanden wissen, und wir stellen auch keine Forderungen. Natürlich freuen wir uns über die künftige Regelung, nach der überholende Fahrzeuge einen größeren Abstand zu Radfahrern einhalten müssen.

Andreas Schweizer: Ganz allgemein gesagt, gibt es schon Defizite. Zum Beispiel ist die Beschilderung der Radwege nicht immer optimal. Und Gefahr droht immer dann, wenn Radwege in die Fahrbahn münden oder gar die Straßenseite gewechselt werden muss. Nach unserer Meinung ist es innerhalb geschlossener Ortschaften grundsätzlich besser, wenn die Radfahrer auf der Straße fahren als auf einem eigenen Radweg. Radschutzstreifen sind hier Radwegen vorzuziehen. Und ganz problematisch sind Radwege im Kreisverkehr. Aber mein großer Wunsch ist ganz einfach, dass viel mehr Leute Fahrrad fahren.

Wann geht’s wieder los?

Rudolf Martin: Wie immer am letzten Freitag im Monat. Das ist dann am 31. Januar. Wir treffen uns um 18 Uhr auf dem Rathausplatz.

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