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Für guten Zweck

Strickfrauen „Rasende Nadel“ aus Achern: „Das Stricken mit fünf Nadeln geht nebenher“

Bereits seit 1991 treffen sich die Strickfrauen „Rasende Nadel“ aus Achern in der historischen Wohnstube von Gabriele Sutterer und Franz Sutterer und stricken, bis die Nadeln glühen. Alles für den guten Zweck.

Reportage aus dem Strickkreis „Rasende Nadel“: Die Frauen stricken zwischen Allerheiligen und Palmsonntag an die 800 Stücke
Die Mösbacher Strickfrauen „Rasende Nadel“ sind für ihre kreativen Handarbeiten für einen sozialen Zweck bekannt. Foto: Roland Spether

Die Tür zur guten Stube des alten Bauernhauses „s’Nathalis“ geht auf, Franz Sutterer kommt lächelnd mit einer neuen Lieferung Holz herein, sorgt für mollige Wärme und flachst mit den fleißigen Strickfrauen „Rasende Nadel“ von Mösbach. „Wenn eine Luftmasche verloren gehen sollte, suche ich sie, ich finde sie auch bestimmt.“

Die Freude bei den Frauen über diese tolle Unterstützung ist nicht zu überhören, ein lustiger Kommentar folgt auf den nächsten und alle sind hell begeistert, dass Franz Sutterer die Stube in dem über 200 Jahre alten Bauernhaus immer schön warm hält, als Mann für alle Fälle stets in Rufbereitschaft ist und gerne vorbeischaut, ob es rund um den Tisch an nichts fehlt und die „Strickliesel“ immer genügend Wolle haben.

Denn das Stricken geht rasend von der Hand, mit fünf Nadeln werden Socken im flinken Tempo gestrickt, Masche für Masche entstehen ohne hinzuschauen farbenfrohe Kreationen der Marke handgemacht. 

Eintritt in die warme Stube ist es wie eine Reise in die gute, alte Zeit

Beim Eintritt in die warme Stube ist es wie eine Reise in die gute, alte Zeit, als sich an langen, kalten Winterabenden die Leute in den Häusern trafen. Die Frauen strickten, häkelten und stopften die Löcher von Socken, die Männer saßen am Tisch, spielten Karte, rauchten Pfeifen und disputierten über Gott und die Welt.

Diese Tradition pflegen die Strickfrauen seit 1991, treffen sich zwischen Allerheiligen und Palmsonntag in der historischen Wohnstube von Gabriele Sutterer und Franz Sutterer und stricken bis die Nadeln glühen. Denn ihre Handarbeiten werden für einen guten Zweck verkauft, die Wolle bekommen sie gespendet. „In den letzten zwölf Jahren haben wir 30.000 Euro gespendet“, erzählt Gabriele Sutterer, bei der die Fäden für die Spenden zusammenlaufen.

Wie gut die 15 Frauen die Kunst der rasenden Nadel beherrschen, lässt sich an der letzten, geradezu unglaublichen Bilanz für die Ausstellung Anfang November ablesen.

Denn in zwei Jahren entstanden über 250 Paar Socken, 100 Mützen, 140 Tücher, Schals und Stirnbänder sowie 130 Pullover, Pullunder und Westen für Erwachsene. Dazu kamen 150 Pullover, Westen und Kleidchen für Babys und Kinder sowie ein riesiges Sortiment an Handschuhen, Bettschuhen, Schlappen, Ponchos, Topflappen und viele weitere nützliche Accessoires.

Über die Jahre entstanden über 1.000 Pullover, Schals und Socken in Achern

Wie viele Stunden in die 1.000 Teilen investiert wurden, lässt sich kaum abschätzen. Denn neben den Treffen strickt jede Frau zu Hause, die eine, wenn sie zu früh aufwacht, die andere wenn sie vor dem Fernseher sitz und die nächste packt noch schnell das Strickzeug aus, bevor sie ins Bett geht und sich quasi strickend in den Schlaf wiegt. Deshalb hat keine der Frauen vor lauter Stricken keine Zeit, die Stunden zu zählen, aber „gute zwölf Stunden“ sind für ein Paar Socken schon nötig, so Sieglinde Kiefer.

Dass sie wie alle anderen am Tisch die Kunst mit dem Faden auf einem Finger den linken Hand und der fünften Nadel in der rechten Hand perfekt beherrscht, ist an den schnell wachsenden Maschen nicht zu übersehen.

„Das Stricken mit fünf Nadeln geht nebenher, ich kann dabei gemütlich Fernsehen schauen“, meint Sieglinde Kiefer beim Stricken eines Sockens in Größe 43, „immer links herum“. Nicht so einfach nebenher läuft allerdings das Stricken von Mustern, das die Frauen ebenfalls bestens beherrschen. Doch stricken, zählen und schwätzen geht nicht, war in froher Runde zu hören, so komplizierte Sachen werden zu Hause „im stillen Kämmerlein“ gefertigt.

Diffizil wird es, wenn Einhörner und Krokodile Augen und Ohren bekommen

Doch ganz so einfach, wie es in gemütlicher Runde in der guten Stube aussieht, ist es wahrlich nicht. Denn wer wie Renate Maier nicht „nur“ kleine, hübsche Schuhe strickt, sondern diesen auch noch Tierformen wie Einhorn, Fuchs, Schildkröte und Frosch gibt, der ist wahrlich eine Handarbeitskünstlerin. „Ich habe mir eine Schablone gemacht und mich selbst hineingeschafft“, so die Expertin für gestrickte Schuhe, die für sie nicht das Problem sind.

Diffizil wird es allerdings, wenn Einhorn, Augen, Ohren und allerlei andere Accessoires so gehäkelt und an der Grundform angebracht werden müssen, dass etwa das Krokodil als solches auch erkennbar ist.

Jede der „Stríckliesel“ hat ihr Spezialgebiet, Liesel Schönle häkelt mit flinken Fingern wunderschöne große Decken und Ulrike Benz herrliche Tiere wie ein originelles Nilpferd, für das sie 20 Stunden benötigte. Ob solche tollen Sachen auch Männer hinbekommen, lassen die Frauen keine Zweifel aufkommen: „Männer können das auch, sie müssen nur wollen.“

Spenden sind willkommen

Die Strickfrauen freuen sich über jede Unterstützung, etwa in Form von Wollspenden, Ansprechpartnerin ist Gabriele Sutterer, Telefon (0 78 41) 2 12 66.

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