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Neue Einwohner-Statistik

Der Ortenaukreis wächst, aber Sasbach schrumpft – das sind die Gründe

Achern ist weiter die viertgrößte Stadt in der Ortenau. Das geht aus neuen Zahlen des Statistischen Bundesamts hervor. Andere Gemeinden schrumpfen - und dafür gibt es Gründe.

Immer mehr Menschen: Dass die Bevölkerung weltweit wächst, ist längst bekannt, wird aber auch in den Zahlen für den Ortenaukreis noch einmal deutlich: Der ganze Landkreis zählte Stand Ende 2019 genau 13.686 mehr Einwohner als vor zehn Jahren. Foto: Peer Grimm/dpa

Landflucht oder Stadtflucht? Einen ganz so eindeutigen Trend scheint es nicht mehr zu geben: In der Ortenau wachsen die größten Städte am schnellsten, unter den mittelgroßen schrumpfen manche, und die kleinsten bleiben konstant. Das lässt sich aus den Zahlen herauslesen, die das Statistische Bundesamt kürzlich über die Einwohner im Land mit Stand Ende 2019 herausgegeben hat.

Verglichen mit Ende 2009 hat sich manches getan. Mit Abstand am meisten gewachsen sind in diesem Vergleich die Städte Lahr und Kehl, die 3.480 und 2.007 mehr Einwohner zählen als vor zehn Jahren. Damit gehören beide mit zu den aktuell größten Kommunen im Kreis: Vor Lahr mit 47.201 und Kehl mit 36.664 Einwohnern liegt nur Offenburg (59.967), das dafür nicht ganz so stark gewachsen ist: Hier leben 811 Menschen mehr.

Sasbach hat 269 Einwohner weniger als vor zehn Jahren

Einen großen Zuzug verzeichnen aber auch Ettenheim (1.178 mehr, aktuell 13.369 Einwohner) und Willstätt (941 mehr, jetzt 10.013). Achern ist in dieser Zeit ebenfalls größer geworden und um 695 auf jetzt 25.642 Einwohner gewachsen. Damit ist die Stadt weiterhin die viertgrößte im Kreis. An achter Stelle in dieser Liste steht Rheinau mit 11.273 Einwohnern – hier war der Zuwachs um 13 Personen im Vergleich zu 2009 nicht groß.

Die Gemeinden mit den meisten Einwohnerverlusten gehören kreisweit zu den mittelgroßen und den kleinen Kommunen. Während die am dünnsten besiedelte Gemeinde der Ortenau, Nordrach, 194 Einwohner weniger verzeichnet (insgesamt 1.802), ist Sasbach um 269 auf insgesamt 5.227 Einwohner geschrumpft – und damit am deutlichsten von allen.

„Das wundert mich nicht“, sagt Bürgermeister Gregor Bühler, der seinerseits bei einem Zahlenvergleich festgestellt hat, dass seine Gemeinde nicht nur kleiner, sondern auch immer älter wird: 2018 seien die Sasbacher im Durchschnitt 45 Jahre alt gewesen, im gesamten Ortenaukreis im Schnitt aber nur 39 Jahre.

Beides liegt aus Sicht des Bürgermeisters daran, dass es „relativ lange keine neuen Baugebiete gab“: Die letzten beiden waren „Waldfeld II“ in den 90er Jahren und „Senti“, dessen wenige Plätze aber nur an Einheimische vergeben wurden. Anstelle wie in früheren Zeiten in Mehrgenerationenhäusern zu wohnen, wollten die meisten jungen Menschen selbst bauen, so Bühler: „In Sasbach fanden sie keinen Bauplatz und suchten eben an anderen Orten in der Raumschaft danach.“

Das Problem: Aufgrund der Bevölkerungsstruktur fehlen der Gemeinde mit der Zeit Steuereinnahmen, die sie aber brauchen wird, um künftig den Standard ihrer Infrastruktur aufrechtzuerhalten.

Seebach ist die kleinste Gemeinde im Kreis

Zumindest an der Reihenfolge der Gemeinden, was die Menge der Einwohner angeht, hat sich bis auf wenige Plätze in der Liste wenig getan. Auch bei den einwohnerärmsten Orten im Kreis gibt es kaum Veränderung: Vor Fischerbach (1.784) und Mühlenbach (1.674) liegt hier als kleinste Gemeinde Seebach mit 1.422 Einwohnern, im Vergleich zu 2009 sind es hier 21 Menschen weniger.

„Wir hatten in dieser Zeit auch schon mal mehr oder weniger Einwohner, man spürt dieses Auf und Ab“, sagt Bürgermeister Reinhard Schmälzle. „Neues Bauland haben wir mit größter Schwierigkeit ausgewiesen. Die Flächen dafür wären da, allerdings stehen 93 Prozent unserer Gemarkung unter Natur- und Landschaftsschutz“.

Während andere kleine Gemeinden noch deutlich stärker schrumpften, war das in Seebach nicht der Fall. Gründe, warum das so ist, sieht Schmälzle unter anderem in der Infrastruktur des Ortes sowie in seiner Lage: nah an der Natur, aber doch, im Vergleich zu weiter abgelegenen Schwarzwaldgemeinden, mit schneller Verbindung in die Rheinschiene.

Rheinau kommt Gemarkungsfläche kann Offenburg das Wasser reichen

In allen Bereichen zahlenmäßig ganz vorne ist, wenig überraschend, Offenburg: Die Stadt hat im Kreis die größte Fläche (78,37 Quadratkilometer) und ist am dichtesten besiedelt (765 Einwohner pro Quadratkilometer). Größentechnisch nah dran ist die Stadt Rheinau, die sich über 73,50 Quadratkilometer erstreckt, dabei aber mit 11.273 Menschen deutlich weniger Einwohner hat, nämlich 153 pro Quadratkilometer.

Zum Vergleich: Achern ist die flächenmäßig achtgrößte Stadt in der Ortenau mit 65,24 Quadratkilometern und gehört mit 393 Einwohnern pro Quadratkilometer zu den dichter besiedelten Orten. Die Kommune mit der kleinsten Fläche ist Ortenberg mit 5,66 Quadratkilometern. Was die Einwohner selbst angeht, machen Männer den größten Anteil an der Bevölkerung in Mühlenbach (53,28 Prozent) und Seebach (52,88 Prozent) aus, Frauen dagegen in Gengenbach (51,56 Prozent) und Seelbach (51,20 Prozent).

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