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Nach 13 Jahren etabliert

Die Landwirte in der Ortenau haben den Kampf gegen den Maiswurzelbohrer verloren

Er hat es geschafft. Vor 13 Jahren ist der Maiswurzelbohrer in Deutschland eingereist. Mit dem Auto, später mit dem Flugzeug. Inzwischen is der Schädling in der Region etabliert. Die Möglichkeiten der Landwirte, sich gegen den gefräßigen Käfer zu wehren, sind überschaubar.

Die Klebefallen geben Aufschluss darüber, wie viele Maiswurzelbohrer in einem Feld unterwegs sind. 150 davon gibt es in der Ortenau. Foto: Seeger

Der Schreck saß tief vor 13 Jahren: Sechs unscheinbare Käfer zappelten im Frühjahr 2007 in ein paar vorsichtshalber aufgestellten Klebefallen in der südlichen Ortenau. Maiswurzelbohrer. Inzwischen gehört der kleine Schädling zum Alltag in der Landwirtschaft.

Er ist ein so genannter Quarantäneschädling, den es seinerzeit mit aller Kraft zu bekämpfen galt. Doch die Fachleute waren gleich skeptisch. Ist der Käfer erst einmal im Land, eingereist vermutlich mit dem Auto oder auch mit dem Flugzeug, dann ist es zu spät.

Die Aufregung war groß, die Landwirte in der Ortenau fürchteten um ihre wichtigste Feldfrucht. Denn der Käfer, oder besser dessen Larve, hat schon ganze Ernten vernichtet.

Die Klebefallen sind voll

Jetzt weiß man, was von vorneherein zu befürchten war: Der Maiswurzelbohrer ist heimisch geworden, 21.509 Tiere wurden 2018 in der Ortenau gefunden, 15.465 im vergangenen Jahr. Wie viele Maiswurzelbohrer tatsächlich unterwegs sind – man kann es nur raten.

Doch die Aufregung um den kleinen Schädling hat sich, ungeachtet dieser Zahlen, gelegt: „Es gibt bisher keine Schäden im Bestand“, gibt Volker Heitz, Pflanzenschutzberater im Offenburger Landwirtschaftsamt, Entwarnung.

Die chemische Keule entzogen

Und dies, obwohl die Politik den Landwirten die chemische Keule aus den Händen gewunden hat. Inzwischen gibt es, anders als in Frankreich, kein einziges zugelassenes Mittel mehr, um den Schädling oder seine Larven zu bekämpfen.

Einzige Gegenwehr der Landwirte: die Fruchtfolge. Sie wurde 2018 angesichts der horrenden Käferzahlen zum zweiten Mal in der Geschichte des Maiswurzelbohrers in Deutschland angeordnet. Spätestens 2019, so die Vorgabe aus Stuttgart, musste jedes Maisfeld einmal mit einer anderen Feldfrucht bepflanzt worden sein. Und die Landwirte ziehen mit, im eigenen Interesse.

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War die Fruchtfolge bei ihrer ersten Anordnung im Jahr 2010 von den Landwirten noch zur Grundsatzfrage stilisiert worden, so geht man inzwischen viel entspannter damit um – schon aus wirtschaftlicher Vernunft. „Das ist weltweit das wirksamste Mittel gegen den Maiswurzelbohrer“, sagt Heitz.

Spritzmittel kämen, selbst wenn sie zugelassen werden, angesichts der langen Flugzeit der Käfer im Juni und Juli schnell an Grenzen.

Die Larven verhungern schlicht

Nicht so die Fruchtfolge: Die in der Erde abgelegten Eier des Käfers entwickeln sich zwar, doch die Larven verhungern – mit Soja oder Winterweizen können sie nichts anfangen. Ergebnis: „Wir habe zwar Verstöße gehabt und auch Bußgelder verhängt, doch es geht dabei gerade mal um 50 Hektar Fläche“, sagt Heitz. Eine Marginalie gemessen an 13.000 Hektar Mais im Kreis.

Zunächst haben die Landwirte es noch mit Insektiziden versucht - doch seit 29010 gibt es kein zugelassenes Mittel mehr gegen den Maiswurzelbohrer in Deutschland. Foto: Rolf Haid

Die Anbaufläche geht übrigens seit zwei Jahren zurück. „Wir hatten in den letzten 15 Jahren nie so wenig Mais in der Ortenau wie im vergangenen Jahr“, sagt Heitz. Der Grund dafür sei nicht nur die Fruchtfolge, deren dreijähriger Rhythmus spätestens 2019 einen Wechsel der Feldfrucht vorgesehen hatte. Auch der Klimawandel hat seinen Teil dazu beigetragen. Denn der Mais braucht Wasser zur Blüte, vor allem der trockene Sommer 2018 hat Spuren hinterlassen.

Trockene Sommer setzen Mais zu

„Vor allem wenn es Ende Juni und im Juli trocken und heiß ist, muss man mit Mindererträgen rechnen“. Die Anbaufläche für Mais sei in den Jahren 2018 und 2019 um jeweils rund 1.000 Hektar geschrumpft. Zugute kam dies nicht zuletzt dem Soja.

2009 war das Thema durch

Den Kampf gegen den Maiswurzelbohrer haben die Landwirte verloren: „Als es 2009 klar war, dass der Käfer nicht mehr auszurotten ist, war das Thema durch“, sagt Heitz, seitdem arrangiert man sich mit dem Schädling, zumal die befürchteten Ernteausfälle bislang ausgeblieben sind. „Die Schadschwelle liegt bei einem Käfer pro Pflanze“ so Heitz, der die Landwirte in der Ortenau seit 1988 im Umgang mit Schädlingen berät.

Massive Zunahme im Raum Freiburg

Im Ortenaukreis, wo der Käfer 2007 bundesweit erstmals entdeckt worden war, wurden 2019 durchschnittlich 106 Käfer in jeder der 150 ausgehängten Fallen gefunden. Zum Vergleich: Im Raum Freiburg, wo sich das Tier dramatisch vermehrt, waren es mehr als 700.

Seit 2007 gibt es den Maiswurzelbohrer im Südwesten, gezählt wird er anhand der in Klebefallen gefangenen Tiere. Die stieg 2011 rasant an, ein Jahr nach dem Verbot aller gegen den Käfer wirksamen Insektizide in Deutschland. Eine massive Zunahme gab es dann erst wieder nach 2017, so dass 2018 erneut eine Fruchtfolge angeordnet wurde. Da aber hatte sich der Käfer bereits flächendeckend etabliert: Vorvergangenes Jahr wurde in 149 von 150 kreisweit aufgestellten Klebefallen Maiswurzelbohrer gefangen. Zuletzt sanken die Zahlen wieder, während sie vor alle in den südlicher gelegenen Kreisen massiv anstiegen. Eine Zunahme gab es aber auch im Kreis Rastatt – auf 4.832 Käferfänge im vergangenen Jahr.

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