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Virtuell statt persönlich

Digitale Behördengänge sind in Achern und der Region immer häufiger möglich

Der Gang ins Rathaus lässt sich, gerade in der Corona-Zeit, immer häufiger vermeiden. Allerdings scheint der Ruf nach digitalen Möglichkeiten hier zuweilen lauter zu sein als die tatsächliche Nachfrage.

An den Computer statt ins Rathaus: Die Kommunen in der Region bieten immer mehr Bürgerdienste auch digital an. Diese werden fast allerorts gut angenommen, allerdings nicht unbedingt mehr, seit wegen der Corona-Pandemie Kontakte eingeschränkt werden sollen. Foto: Michael Moos

So wenige Kontakte wie möglich, das ist wegen der gestiegenen Zahl an Corona-Infektionen wieder das Gebot der Stunde. Aber was, wenn ein wichtiger Gang ins Rathaus ansteht? Das ist inzwischen in immer mehr Fällen digital möglich. Gleichzeitig steigt auch die Nachfrage nach „virtuellen Behördenbesuchen“ - aber nicht überall.

„Das Thema steht bei uns ganz oben auf der Liste“, sagt Oliver Rastetter, Bürgermeister in Lauf. Dort hat man mit Hauptamtsleiter Thomas Gerth jetzt einen „Digitallotsen“, und inzwischen sind hier bargeldloses Bezahlen und Online-Terminvereinbarungen möglich.

Service wird gut angenommen - weitere App-Angebote sind geplant

„Dieser Service wird rege in Anspruch genommen, und die Wartezeiten haben sich dadurch deutlich verringert. Zudem vermeiden wir in Zeiten der Pandemie Begegnungsverkehr und reduzieren das Risiko einer Ansteckung“, so Rastetter.

Geplant sind für dieses Jahr noch eine Schul-App sowie eine Kindergarten-App zur leichteren Kommunikation und für das kommende Jahr die Einführung der „E-Akte“ in der Gemeindeverwaltung - so werde zudem merklich Papier gespart.

Andererseits: Auch wenn viele Formulare digital zur Verfügung gestellt werden können - eine Unterschrift, die zwingend vor Ort geleistet und von Ratsschreibern beglaubigt werden muss, könne nicht virtuell ersetzt werden, betont Reinhard Schmälzle, Bürgermeister von Seebach. „Das wird auch eine ganze Weile so bleiben, es sei denn, es gibt irgendwann Videoverfahren dafür.“

Nebenbei wird „merklich Papier gespart“

Speziell aufgrund der Pandemie seien in Ottenhöfen zwar keine Dienste neu eingeführt worden, weil Vieles schon vorher elektronisch möglich gewesen sei, sagt Bürgermeister Hans-Jürgen Decker. Allerdings werde dies von den Bürgern inzwischen noch intensiver angenommen.

„Ein gutes Beispiel ist die Wasserzählerablesung, bei der der Hauseigentümer bequem über die Homepage der Gemeinde den aktuellen Zählerstand eingeben kann.“ Das ist unter anderem auch in Renchen möglich, ebenso wie verschiedene online verfügbare Formulare.

Beides erfreue sich wachsender Beliebtheit, berichtet Dorothée Kuhnt aus dem Bereich Zentrale Steuerung und Bürgerservice. „Um den Besucherfluss besser regeln zu können, wurde eine telefonische Anmeldung oder eine Anmeldung per E-Mail eingeführt“, erläutert Ordnungsamtsleiter Armin Schäfer für die Stadt Rheinau, wo man ebenfalls feststellt, dass digitale Angebote - hier das bereits bestehende Portal „Mit der Maus ins Rathaus“ - immer häufiger genutzt werden.

„Allerdings greifen sehr viele Einwohnerinnen und Einwohner seit Beginn der Corona-Pandemie auch vermehrt zum Telefonhörer.“ Die Zahl der Anfragen, elektronisch wie per Telefon, habe seit Jahresfrist insgesamt zugenommen.

Persönlicher Besuch wird teilweise trotzdem bevorzugt

Auch die Gemeinde Kappelrodeck sieht sich „nicht erst seit Corona“ digital gut aufgestellt: Insbesondere mit der Homepage versuche man, immer „up to date“ zu sein, sagt Bürgermeister Stefan Hattenbach. Neu seit der Pandemie seien die Möglichkeit, Schwimmbad-Tickets online zu kaufen, und Sprechstunden zusätzlich per WhatsApp.

„Bei aller Digitalisierung von Verwaltungsdienstleistungen ist aber auch festzustellen, dass der Ruf nach digitalen Diensten deutlich größer scheint als die tatsächliche Inanspruchnahme. Vieles, was ohne den Gang aufs Rathaus zu den Öffnungszeiten bequem digital machbar wäre, wird aktuell doch noch lieber persönlich erledigt - im Übrigen generationenunabhängig.“

„Die Resonanz ist in diesem Bereich noch nicht ausgereizt“, sagt dagegen Gregor Bühler, Bürgermeister in Sasbach. Das dortige Rathaus bietet Antragsverfahren, Rückrufservice und Terminvereinbarungen auf digitalem Weg an. Aber: „Unsere Bürgerinnen und Bürger präferieren derzeit noch den persönlichen Kontakt per Telefon oder vor Ort. Aufgrund dieser Erfahrungen bieten wir auch in dieser Zeit den persönlichen Kontakt an.“

In manchen Fällen fehlen die Besuche dann doch

Online-Angebote - unter anderem digitale Schadensmeldungen, Informationen über die Ratsgremien oder OpenGis, mit dem die Stadt virtuell erkundet werden kann - werden in Achern wiederum gut angenommen. „Ein erhöhtes Aufkommen digitaler Anfragen stellen wir allerdings nicht fest“, heißt es aus dem Rathaus.

Geplant sei, dass demnächst Serviceleistungen auch digital beantragt werden können. „Wir können auf alle Anfragen und Anträge digital reagieren“, sagt auch die Bürgermeisterin von Sasbachwalden, Sonja Schuchter - außer, wie überall, bei Angelegenheiten, bei denen eine persönliche Unterschrift vorgeschrieben ist.

Vieles funktioniere auch per Telefon - das und der Kontakt der E-Mail werde von Bürgern seit Corona stärker genutzt als vorher. Dass das möglich ist, werde geschätzt. „Lediglich die persönlichen Treffen bei runden Geburtstagen vermissen die Jubilare und ich natürlich auch.“

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