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Tag der Genossenschaften

Dorfladen in Leiberstung gilt als Paradebeispiel: Gemeinsam geht es immer noch am besten

Genossenschaften? Ist das nicht eine Idee von gestern, ein Gedanke, der einst große Berechtigung hatte, der aber nicht mehr in die Gegenwart passen möchte? Mit einer solchen Frage muss man bei Roman Glaser auf Widerspruch eingestellt sein. Der Ottersweierer ist als Präsident des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbands das Oberhaupt von 787 ganz unterschiedlichen Genossenschaften im Land.

Blick in den Dorfladen Leiberstung: Längst ist die Einrichtung zu einer Institution geworden. Die dahinter stehende Genossenschaft zählt rund 230 Mitglieder. Foto: Margull

„Wir haben in Baden-Württemberg Genossenschaften in mehr als 50 Branchen. Sie taugen nicht zu allem, aber zu viel mehr, als man denkt“, sagt Glaser. Der „Internationale Tag der Genossenschaften“ lenkt den Blick auf diese mehr als 150 Jahre alte Unternehmensform.

Man sieht hier auch, dass es auch auf die Menschen in den Genossenschaften ankommt.
Roman Glaser, Präsident des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbands

Als Festredner bei der Matinee des Bühler Zwetschgenfests hat Glaser im vergangenen Jahr mit einer „genossenschaftlichen Tagesreise“ bewusst gemacht, wie sehr Genossenschaften den Alltag prägen. Der Strom, der dank einer Energiegenossenschaft fließt, die einer Einkaufsgenossenschaft angeschlossene Bäckerei, die Volksbank, Obst vom OGM Mittelbaden und das Gläschen Affentaler: Schon diese Auswahl zeigt die Bedeutung von Genossenschaften für die Infrastruktur. Und es gibt immer wieder Neugründungen, die die genossenschaftliche Idee auch zur Antwort auf Fragen des 21. Jahrhunderts machen.

Ein Paradebeispiel dafür ist für Glaser im Leiberstunger Dorfladen. „Man sieht hier auch, dass es auch auf die Menschen in den Genossenschaften ankommt“, sagt Glaser. „Und in Leiberstung machen sie das richtig gut.“

Die Dorfladen eG hat heute rund 230 Mitglieder, sagt der Aufsichtsratsvorsitzende Alexander Naber. Sie habe sich seit der Gründung vor etwas mehr als zehn Jahren hervorragend entwickelt. „Aus dem letzten möglichen Versuch, für den Ort eine Einkaufsmöglichkeit zu schaffen, ist durch das Engagement der Gründer und der vielen Mitglieder von Anfang an ein kleines, aber solides Unternehmen geworden, das selbst die große Investition des Umzugs in ein neues, größeres Ladengeschäft meistern konnte“, so Naber.

Wichtige, dorfnahe Einkaufsmöglichkeit

Für den Ort sei der Dorfladen vieles in einem: Er sichere die dringend notwendige Nahversorgung, und gerade in der Corona-Krise habe sich gezeigt, wie wichtig diese dorfnahe Einkaufsmöglichkeit sei: „Viele sind nicht mehr aus dem Dorf gegangen und konnten sich dennoch versorgen, mit allem, was sie brauchten – auch mit Klopapier!“ Der Dorfladen sei zum Treffpunkt schlechthin und einer Institution geworden: „Es ist immer was los in dem kleinen Laden in unserer Straße.“

Das Projekt machte Schule: „Ich habe selbst bei einem guten Dutzend Infoveranstaltungen mitgewirkt und über unser Projekt berichtet, einige Delegationen von Interessensgruppen, Ortschafts- und Gemeinderäten haben unseren Laden besucht – vom Bodensee bis über den Kraichgau und in die Metropolregion Rhein-Neckar.

Einige haben den Weg bis zur Ladeneröffnung geschafft – drei oder vier, viele sind noch auf dem Weg, andere haben leider wieder aufgegeben.“

Die Rechtsform der Genossenschaft biete die Möglichkeit, viele „kleine“ Anteilseigner ins Boot zu nehmen und aus vielen kleinen Beträgen einen Kapitalstock aufzubauen. Einen weiteren Vorteil sieht Naber darin, dass das Genossenschaftsprinzip den Menschen vertraut ist: „Man kennt es von der Raiffeisenbank, der Winzergenossenschaft oder dem Maschinenring. Es ist ein bewährtes und hochaktuelles Konzept.“

Wichtig sei auch, dass die Genossenschaft niemals alleine dastehe: „Der Genossenschaftsverband begleitet und berät von der Idee über die Gründung bis zum Geschäftsbetrieb.“

Und die Genossenschaften verschafften den Menschen wieder ein Gefühl, das in den vergangenen Jahren abhanden gekommen sei, „das Gefühl der Sicherheit und der Stärke, in der Gemeinschaft Dinge anzugehen, die man alleine niemals schaffen kann.“

Hintergrund

Seit 1923 schon gibt es den „Internationalen Tag der Genossenschaften“. Ausgerufen hat ihn einst die International Cooperative Alliance: 1992 riefen die UN den ersten Samstag im Juli 1995 zum „United Nations International Day of Cooperatives“. Dieser wird seitdem ebenfalls jährlich am ersten Juli-Samstag gefeiert. Der Aktionstag verweist auf den gemeinsamen Beitrag von Genossenschaftsbewegung und Vereinten Nationen zur Lösung globaler Fragen. Der Tag der Genossenschaften wird in Baden Jahr für Jahr an einem anderen Ort begangen. 2020 war Hagnau geplant, wo 1881 die erste badische Winzergenossenschaft gegründet worden war. Corona machte einen Strich durch diese Pläne.

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