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Corona-Ausbreitung

Ein Önsbacher sitzt wegen geschlossener Grenzen in der Ukraine fest

Adalbert Ell wollte längst wieder zu Hause in Achern-Önsbach sein - nach einer Reise sitzt er aber in der Ukraine fest. Viele Länder haben wegen des Coronavirus ihre Grenzen geschlossen, die Heimreise auf dem Landweg ist vorerst offen.

Die Stadt Lwiw oder Lemberg liegt ungefähr 70 Kilometer entfernt von der Grenze zu Polen – und die ist aufgrund des Coronavirus aktuell geschlossen. Foto: dpa

Adalbert Ell lebt eigentlich im Acherner Stadtteil Önsbach, jetzt aber sitzt er in der Ukraine fest – wann und wie Ell wieder nach Hause kommen kann, ist im Moment völlig offen: Wie viele andere Menschen, ist er wegen der Ausbreitung des Coronavirus sozusagen im Ausland gestrandet.

Anfang März war er zusammen mit seiner Lebensgefährtin mit dem eigenen Auto von Achern in die Ukraine gereist. Deren Enkelin feierte dort ihren Geburtstag, das Paar wollte eine Woche bleiben. Lwiw heißt die Stadt im Westen des Landes, zu Deutsch Lemberg, etwa 70 Kilometer von der polnischen Grenze entfernt.

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Anfang vergangener Woche hatten sie sich auf den Rückweg machen wollen. Als die beiden allerdings hörten, dass die ukrainisch-polnische Grenze, die auf der Route Richtung Heimat liegt, geschlossen werden sollte, machten beide sich schon etwas früher als geplant auf den Weg.

Wir mussten wieder umkehren.
Adalbert Ell

„Montags um 10 Uhr standen wir an der polnischen Grenze und haben dort zwei Stunden lang mit den Grenzbeamten diskutiert“, berichtet Adalbert Ell im Gespräch mit dieser Zeitung. „Aber wir mussten wieder umkehren. Wenn wir schon früher von der Grenzschließung gehört hätten, wären wir auch schon eher losgefahren.“

Seitdem ist inzwischen mehr als eine Woche vergangenen – schwierig für Ell, der sich um seine über 80 Jahre alte Mutter sorgt, die zu Hause gerade ganz auf sich allein gestellt sei. Ihm selbst gehe ein Medikament aus.

Nachfrage bei Botschaft ohne Ergebnis

Ein Anruf beim Deutschen Konsulat in Lwiw habe nicht weitergeholfen, sagt er und klagt: „Dort hat man erst gar nichts unternommen“. Nachdem seine ukrainisch sprechende Partnerin angekündigt habe, die lokale Presse zu informieren, habe sich das Konsulat mit der Deutschen Botschaft in der Hauptstadt Kiew in Verbindung gesetzt.

„Aber auch das ist im Sand verlaufen“, sagt Ell. „Bei der Botschaft legt man inzwischen gleich wieder auf, wenn wir anrufen“.

Alle Informationen gibt es auf bnn.de/coronavirus

Bis es eine Lösung gibt, harren beide bei Bekannten aus. Einfach einen größeren Umweg über die Slowakei zu fahren, sei unterdessen auch nicht möglich: Die dortige Grenze sei bereits vor der polnischen geschlossen worden.

„Seit dieser Woche hätte ich wieder arbeiten müssen, jetzt werden mir Überstunden und Urlaub abgezogen“, sagt Ell.

Ein Transit auf dem Landweg ist derzeit kaum möglich.

Das Auswärtige Amt macht wenig Hoffnung: „Nach unserer Einschätzung ist ein Transit von der Ukraine nach Deutschland auf dem Landweg derzeit kaum möglich, da viele Länder auf der Route ihre Grenzen geschlossen haben“, heißt es dazu auf Anfrage dieser Zeitung.

Behörden arbeiten an Ausnahmeregelungen

„Wir bemühen uns mit Hochdruck darum, über unsere Botschaften in der Region Ausnahmeregelungen für Sonderfälle von Rückreisenden zu vereinbaren.“

Die Botschaft stehe in ständigem Kontakt mit Kollegen aus anderen EU-Ländern, um „Möglichkeiten einer Rückkehr von Deutschen und ihren Familienangehörigen, die bei einer Reise mit eigenem Fahrzeug in der Ukraine gestrandet sind, zu finden“, heißt es dazu, Stand Donnerstagnachmittag, auch auf der Internetseite der Botschaft in Kiew. Ob es eine Lösung geben werde, sei allerdings nicht sicher.

Einzelne Flüge gehen noch nach Deutschland

Für die Ausreise auf dem Luftweg waren noch einzelne Flüge angekündigt worden – auch hier sei unklar, wie lange der vereinzelte Flugverkehr von und nach Deutschland noch aufrechterhalten bleibe.

Für die im Ausland gestrandete Deutschen hatte die Bundesregierung Anfang der Woche eine Rückholaktion gestartet und gemeinsam mit Reiseveranstaltern und der Lufthansa mehr als 150.000 Betroffene zurückgeholt.

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