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Tag der Archive

Ein Stück Zeitgeschichte: Wie die Corona-Pandemie in den Stadtarchiven der Ortenau erfasst wird

Die Stadtarchive in der Region haben gerade eine Menge zu tun: Die Menschen sollen schließlich auch in einigen Jahrzehnten nachlesen können, wie das eigentlich damals war in der Corona-Zeit.

Zwei volle Aktenordnern mit Berichten über Corona in Achern kamen in den vergangenen 16 Monaten zusammen, zeigt Fabian Alt, Mitarbeiter im Acherner Stadtarchiv. Foto: Stefanie Prinz

Sie haben es mit in der Hand, wie man sich in der Zukunft an diese Zeit erinnern wird: Die Stadtarchivare der Region sammeln emsig Material über die Pandemie – richtig spannend wird es dann noch einmal in ein paar Jahren. Warum Archive überhaupt eine wichtige Rolle erfüllen, daran soll der „Internationale Tag der Archive“ immer am 9. Juni erinnern.

„Dass wir Zeitgeschichte für die Zukunft festhalten, ist bei uns eigentlich ganz normal, denn wir sind ja das oft zitierte Gedächtnis der Stadt“, sagt Fabian Alt, Mitarbeiter im Stadtarchiv Achern. „Besonders interessant wird es sein, wenn man die Dokumente Jahre später wieder in die Hände bekommt und auf die Pandemie zurückblickt“, sagt er: Wie viel von den Sorgen, die die Menschen heute beschäftigen, werden dann noch präsent sein? Wird man auch dann noch Masken tragen?

Ein Mundschutz – einer mit dem städtischen Logo – hat es auch ins Acherner Archiv geschafft. Darüber hinaus geht es gerade vor allem darum, Presseberichte zu sammeln: Unter der Signatur „II.1.2 Corona“ kamen so innerhalb von 16 Monaten zwei randvolle Aktenordner zusammen.

Später werden dann noch Verwaltungsakten aus verschiedenen Bereichen des Rathauses rund um das Virus dazukommen, Corona-Verordnungen zum Beispiel. Das wird aber erst dann soweit sein, wenn die jeweiligen Aufbewahrungsfristen abgelaufen sind – und zwar vermutlich in fünf bis zehn Jahren, sagt Fabian Alt. „Das Stadtarchiv Achern wird also sozusagen wieder mit dem Thema Corona konfrontiert, wenn es die meisten Menschen hoffentlich schon wieder vergessen haben.“

Zeitgeschichte zu dokumentieren, ist interessant für jeden Archivar.
Lisa Geppert, Archivarin der Stadt Rheinau

„Die Zeitgeschichte zu dokumentieren und zu archivieren, ist interessant für jeden Archivar“, sagt die Rheinauer Stadtarchivarin Lisa Geppert. „Die Vorstellung, dass in einigen Jahrzehnten, eventuell Jahrhunderten, sich jemand für diese – für uns alle sehr ungewöhnliche – Zeit interessiert und dann neben Erzählungen auch im Archiv etwas dazu nachlesen kann, finde ich persönlich sehr spannend und motivierend.“

Auch Lisa Geppert ist in Sachen Corona gerade vor allem mit der Sammlung von Zeitungsartikeln beschäftigt. So soll festgehalten werden, wie die Stadt mit der Pandemie umging: von der Absage von Präsenzsitzungen der Gremien und die Umstellung der Stadtkultur auf ihr Onlineangebot über die Schließung und Wiederöffnung von Institutionen bis hin zu ganz neuen Angeboten wie die Unterstützung bei Impfterminen durch den Seniorenrat. Für die Zukunft sei man im Archiv bemüht, die Dokumentation noch zu erweitern.

Alles wird digital festgehalten.
Barbara Kimmig, Hauptamt der Stadt Renchen

Corona-Verordnungen, Mitteilungen der Ämter und auch Quarantäne-Verfügungen bewahrt auch die Stadt Renchen für die Zukunft auf: „Das wird alles digital festgehalten, sodass wir zur Not immer nachschauen können“, erklärt Barbara Kimmig aus dem Hauptamt. Physisch wird hier nichts aufgehoben – auf Papier will die Stadt bei der Dokumentation über kurz oder lang verzichten.

Vor Ort im Acherner Archiv im Rathaus in der Illenau macht sich die Corona-Zeit jetzt vor allem dadurch bemerkbar, dass die Benutzer und „Stammgäste“ fehlen, etwa Familien- und Heimatforscher, teilt die Stadt weiter mit: Akten wie zum Beispiel Baupläne müssen eingescannt und versendet werden, und so manches Computerprogramm für den Transfer solcher Daten sei so zum neuen „besten Freund“ der Mitarbeiter geworden. Viel wird gerade per Telefon und E-Mail mit den Menschen geklärt, die sonst eigentlich einfach im Archiv vorbeigekommen wären.

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