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180 Windräder wären nötig

Achern hinkt bei Ausbau erneuerbarer Energien hinterher

Beim Ausbau der erneuerbaren Energien liegt Achern unter dem Bundesdurchschnitt. Die Zahlen präsentierte der Vorstand des Energiewerks Mittelbaden im Gemeinderat. Mitglieder des Gemeinderats sind ernüchtert und beklagen strenge Auflagen.

Der aktuelle Blick auf die windreiche Hornisgrinde zeigt: Es wäre Platz für weitere Windräder. Doch der Bergrücken besteht aus zahlreichen Schutzgebieten. Foto: Michaela Gabriel

Der Strom des Überlandwerks Mittelbaden wird nur zu 26,3 Prozent aus regenerativen Energien erzeugt. „Ernüchternd” und „deprimierend” nannten das die Fraktionssprecher der CDU und der Freien Wählen im Gemeinderat.

Am Montagabend brachte der Vorstand des Energiewerks Mittelbaden (EWM), Ulrich Kleine, auf den neuesten Stand. Er sprach über Hürden auf dem Weg zu neuen Windkraftanlagen und informierte auf Nachfrage: Photovoltaikanlagen plant das EWM derzeit im Achern nicht, weil das nur funktioniere, wenn die Kommune es wolle.

2020 habe man die Strommenge aus erneuerbaren Energien im E-Werk Mittelbaden um fünf Prozent gesteigert, so Kleine. Dennoch liege man weit unter dem Bundesdurchschnitt von aktuell 46 Prozent. Auf die Hornisgrinde würden noch einige Windkraftanlagen passen, doch dort seien sehr viele naturschutzrechtliche Dinge zu beachten: „Diese Themen müssen durchgearbeitet werden. Die Abwägungsprozesse sind nicht einfach und brauchen Zeit.” Die Planungskosten im Vorfeld des Baus eines Windrades lägen allein bei rund 300.000 Euro.

Appell für Klimaschutz von Windkraft-Pionier Matthias Griebl

Windkraft-Pionier Matthias Griebl aus Achern, der kürzlich bei einem Fahrradunfall eine Verletzung des Rückenmarks erlitten hat, ließ eine Botschaft an den Gemeinderat verlesen: Er werde noch einige Zeit in ärztlicher Behandlung und Rehabilitation sein, doch das Thema Windkraft liege ihm weiter am Herzen. Windenergie leiste einen Beitrag gegen den Klimawandel und ihr Ausbau sollte mit mehr Mut unterstützt werden.

Der auf der Hornisgrinde produzierte Strom komme allen Bürgern der Region zugute. Sowohl bei der Planung eines zweiten Windrades auf der Hornisgrinde als auch beim einem weiteren Projekt mit Sasbach arbeite er vertrauensvoll mit dem E-Werk Mittelbaden zusammen, an dem auch die Stadt Achern beteiligt ist.

Für das Projekt auf Sasbacher Gemarkung gebe es noch keinen umweltrechtlichen Untersuchungen und es sei noch kein Genehmigungsantrag eingereicht worden, hieß es. Die Bürger sollen sich über die Bürgerenergie-Genossenschaft des EWM daran beteiligen können.

Die Pacht-Erträge für die Grundstückseigentümer könnten bei rund 40.000 Euro pro Jahr liegen. An den Erlösen aus der Einspeisevergütung würden auch Gemeinden mit Flächen im Umkreis beteiligt. Die Anlage würde doppelt so groß und leistungsstark werden wie die bestehende auf der Hornisgrinde. Ulrich Kleine sprach von einer Nabenhöhe von 160 Metern und einem Rotordurchmesser von 120 bis 150 Metern.

Hohe Auflagen für Ausbau erneuerbarer Energien in Achern

„Wir wollen mitgestalten und wir müssen wegkommen vom Kirchturmdenken”, sagte Oberbürgermeister Klaus Muttach (CDU). Er bemängelte, dass die Planungsprozesse viel zu lang dauern. „Wir sind hinten dran!”, stellte Manfred Nock für die Acherner Bürgerliste (ABL) zum Ausbau erneuerbarer Energien fest.

Es ist eine gewaltige Aufgabe, die wir noch vor uns haben.
Ulrich Kleine, Vorstand des Energiewerks Mittelbaden (EWM)

Um den bisher aus Kohle erzeugten Strom durch Energie aus Wind zu ersetzen, wären in der Ortenau weitere 180 Windräder nötig, erfuhren die Räte. Und wie sich der Stromverbrauch entwickle, wisse noch niemand, so der EWM-Vorstand: „Es ist eine gewaltige Aufgabe, die wir noch vor uns haben.”

Strom aus der Wasserkraft der Flüsse in der Region zu gewinnen, scheitere an den hohen Auflagen, erklärte Ulrich Kleine noch. Die anfallenden Kosten für Fischtreppen seien im Vergleich zum Ertrag zu hoch. „Es gibt einen enormen Konflikt zwischen Naturschutz und Klimaschutz. Der muss aufgelöst werden, sonst kommen wir nur sehr schwer weiter.”

Die Idee von SPD-Stadtrat Alois Berger-Köppel, Brachflächen auf dem Bienenbuckel mit Photovoltaik zu belegen, bewertete er als gut: „Wo Wein wächst, wächst auch Strom.” Auch dafür müssen allerdings die rechtlichen Rahmenbedingungen stimmen.

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