Skip to main content

Auf Erfindermesse vorgestellt

Die Fahrschule der Zukunft in der App: Acherner erfindet den "digitalen Fahrlehrer"

Am Anfang stand die Frage: Wie können Fahrschüler zeitgemäß den Stoff der Fahrstunden vor- und nachbereiten? Seit 2014 „bastelt“ der Acherner Fahrlehrer Hans-Peter Wiegert nun an seiner revolutionären Software. Inzwischen hat sich der Geistesblitz ganz konkret in einem „digitalen Fahrlehrer“ niedergeschlagen, und Wiegert präsentiert seine App vom 31. Oktober bis 3. November auf der Erfindermesse in Nürnberg (iENA).

Aus der Region; Die Videosequenzen sind Teil der neuen Fahrschul-App, die auf eine Idee von Hans-Peter Wiegert zurück geht. Unterstützung erhält der Fahrlehrer von Design-Studentin Silvie Marie Wipfler aus Sasbach. Foto: Seiler

Der „digitale Fahrlehrer“ vermittelt mittels verständlicher Lehr-Texte in Deutsch, Englisch und Arabisch sowie passenden Filmsequenzen nicht nur, wie man richtig fährt. Über die App können Fahrlehrer und -schüler auf Basis der gültigen Datenschutzrichtlinen kommunizieren, kann der künftige, motorisierte Verkehrsteilnehmer anhand eines Bewertungssystems mit Sternen immer sehen, auf welchem Lernstand er sich befindet und vieles mehr. „Es ist die Fahrschule 4.0“ erklärt Wiegert, der seit 30 Jahren eine Fahrschule sein Eigen nennt.

Entscheidung fürs Handy ging schnell

Das geeignete Medium war schnell gefunden: „Heute besitzt eigentlich jeder ein Handy. Es stellte sich nur noch die Frage, wie bekomme ich meinen digitalen Fahrlehrer dorthin“. Und da half dann dem 57-Jährigen der Zufall: Auf einem Fach-Seminar habe er einen Programmierer namens George Szep kennen gelernt. „Der hat mir alle Wünsche umgesetzt“, so Wiegert.

Allerdings musste der Acherner dazu noch ein Buch schreiben, das den gesamten Fahrpraxis-Stoff gemäß der gültigen Richtlinien bis ins kleinste Detail wiedergibt. Das Werk wurde verständlicherweise ziemlich dick; und der Ludwigsburger Softwarespezialist hatte dementsprechend eine Menge zu programmieren.

Ehemalige Schülerin half beim Design der App

Irgendwann kam dann noch Silvie Marie Wipfler ins Spiel. Die Sasbacherin hat bei Wiegert ihren Führerschein gemacht, studiert inzwischen Produktdesign an der renommierten Hochschule für Gestaltung (HfG) in Karlsruhe.

Sie ist Innovationsberaterin der Fahrschule Wiegert und hat einen maßgeblichen Anteil am Design der App, zeichnet für die Lehrfilme verantwortlich und kommuniziert das Produkt zudem nach Außen. Sie sieht im „digitalen Fahrlehrer“ ebenfalls viele Vorzüge. Einer davon: Die Transparenz. Anhand der Gesamtprozentzahl könne jeder Fahrschüler genau sehen, wie weit er in der Praxis gekommen sei, ebenso der Fahrlehrer. Das heißt, auch eine Krankheits- oder Urlaubsvertretung kann nahtlos mit dem Fahrtraining weiter machen. Und die Frage: „Warum darf ich noch keine Prüfung machen?“, erübrigt sich damit.

Üben von Zuhause aus möglich

Charme hat für Wipfler die Tatsache, dass sich jeder von zuhause aus am Handy, Tablet oder PC auf die nächste Fahrstunde vorbereiten kann. Ob nun auf die Autobahnfahrt oder die erste Tour bei Nacht, ob auf das beliebte Einparken oder andere Sonderaufgaben. Fahrlehrer Wiegert hat dabei in den vergangenen Jahren einen Wandel festgestellt. Früher kamen die Schülerinnen und Schüler oft mit Praxiserfahrung.

„Auf dem Land hatten viele noch einen Traktor, auf dem die Jugend die ersten Fahrstunden absolvierte.“ Heute gebe immer mehr Schüler, die vorher noch nie hinter dem Steuer gesessen hätten. „Denen hilft das enorm, wenn sie vor der Praxisstunde sehen, um was es da genau geht.“ Die Lehrfilme zeigen durchgehend Situationen aus der Region, ein Vorteil nicht nur für die Schüler und Prüflinge aus dem näheren Umkreis. Wiegert bietet einen „Führerschein in sieben Tagen“ an, ein Teilnehmer reiste dafür gar aus Dubai an.

70 Videos in 20 Levels

Andere kommen aus den Niederlanden oder Norddeutschland. Für die sei ebenfalls praktisch, wenn sie sich auf die örtlichen Gegebenheiten einstellen können. Sechs Ebenen hat das Lernprogramm, jedes „Level“ hat 20 Unterpunkte, in denen der komplette Stoff nachvollziehbar wird. Derzeit 70 Videos veranschaulichen die Praxis, für den Rollerführerschein ebenso wie für die Fahrerlaubnis für einen 40-Tonner. Das Ende der Fahnenstange sei noch nicht erreicht, so Wiegert, die Zahl der Videos wachse stetig.

Auch virtuelle Realität und 360-Grad-Bilder sind denkbar

Und ganz der rührige Erfinder hat er schon den nächsten Geistesblitz: Wiegert überlegt bereits in die Richtung virtuelle Realität und 360-Grad-Bilder. Und er denkt noch weiter. Autofahren aus Sicht der anderen: Wie sieht zum Beispiel ein Kind, das die Straße überquert, das nahende Fahrzeug. Wie sieht es der Autofahrer selbst die Situation. Lerneffekte, die in Zukunft sogar helfen könnten, Unfälle zu vermeiden

„Diese App will leben, wir sind noch lange nicht fertig“, betont ihr Schöpfer. Doch kommende Woche steht erst einmal die Messe an. Rund 800 Erfindungen aus etwa 30 Ländern rund um den Erdball sind jedes Jahr zu sehen, viele davon das erste Mal.

Unter den klugen Köpfen ist in diesem Jahr Hans-Peter Wiegert aus Achern. „Ich muss allerdings mein Projekt in einer 20-minütigen Rede präsentieren“, gibt er sich für einen kurzen Moment etwas nachdenklich. Nichtsdestotrotz sei diese Veranstaltung in Nürnberg schon „etwas Tolles.“

nach oben Zurück zum Seitenanfang