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Ehemalige Kindergartenleiterin

Fatima Adam aus Achern wurde von den Nazis zwangssterilisiert – jetzt ist sie gestorben

Fatima Adam aus Achern hatte erst 2022 im Alter von 99 Jahren öffentlich gemacht, dass sie als 14-Jährige von den Nazis zwangssterilisiert worden war. Jetzt ist sie gestorben.

Fatima Adam wurde als 14-Jährige von den Nationalsozialisten zwangssterilisiert. Ihr Schicksal machte sie erst im Alter von 99 Jahren öffentlich. Jetzt ist sie gestorben.
Fatima Adam wurde als 14-Jährige von den Nationalsozialisten zwangssterilisiert. Ihr Schicksal machte sie erst im Alter von 99 Jahren öffentlich. Jetzt ist sie gestorben. Foto: Michaela Gabriel

Sie hatte ein außergewöhnliches Schicksal als Opfer des grausamen Regimes der Nationalsozialisten in Deutschland und trotzte ihm erfolgreich.

Fatima Adam wurde als 14-Jährige zwangssterilisiert, weil ihre Haut braun und ihr Haar schwarz war. Im Sommer 2022 erzählte sie erstmals öffentlich davon. Am 28. Januar ist sie im Alter von 99 Jahren gestorben.

„Damit fertig werden tue ich überhaupt nicht. Jetzt im Alter denke ich noch viel, viel häufiger daran wie es früher war“, berichtete die kleine, zierliche, weißhaarige Frau dem Saarländischen Rundfunk (SR) für das Fernseh-Feature „NS-Ärzte: Ihre Karrieren, ihre Verbrechen“.

Sie setzt als Betroffene den Schlusssatz des Beitrags, der auf dem Videoportal Youtube inzwischen rund 600.000 Mal angeklickt wurde: „Manchmal in der Nacht werde ich wach. Dann denke ich, es war vor einer Stunde, wo ich abgeholt wurde.“

Filmemacher Mirko Tomic reiste zu Beerdigung an

Sie sei ein Glücksfall für den Film gewesen, weil sie noch erzählen konnte, was verbrecherische Mediziner im NS-Staat wehrlosen Opfern angetan haben, sagte Filmemacher Mirko Tomic, der zu ihrer Beerdigung aus Saarbrücken anreiste.

Fatima Adam starb für ihre Familie überraschend im Krankenhaus. Sie hatte bis zwei Tage vor ihrem Tod noch recht selbständig in Großweier gelebt. Ihre Urne wurde auf dem Großweierer Friedhof in einer Stele bestattet.

Fatima Adam wurde von den Nazis zwangssterilisiert

Fatima Adam kam am 10. September 1923 in Wiesbaden als Tochter einer Deutschen und eines Algeriers mit brauner Haut zur Welt. Am 13. August 1937 brachte die Gestapo sie und ihren jüngeren Bruder Josef in ein Krankenhaus nach Frankfurt-Sachsenhausen, wo sie operiert und unfruchtbar gemacht wurden – „der Rasse wegen“.

Erst Jahre später sei ihr bewusst geworden, dass sie nie eigene Kinder haben könne, berichtete sie. Die Wehrmacht steckte Fatima Hildebrand, so ihr Geburtsname, als junge Frau noch in eine Uniform, erfand für sie als zweiten Vornamen Martha und setzte sie als Schreibkraft in einer Kaserne in Halle ein.

Später wurde sie Erzieherin für Kinder mit Behinderung. Sie fing bei der Lebenshilfe in Wiesbaden an und leitete von 1968 bis 1985 den Kindergarten der Lebenshilfe Bühl in Ottersweier. Sie adoptierte zwei Kinder und nahm ein drittes in Pflege. 1983 starb ihr zweiter Mann Hubert Adam, den sie 1969 in Lauf geheiratet hatte. Seit 1977 wohnte Fatima Adam in Großweier und wurde als Oma und Uroma von ihrer Familie geliebt.

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