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Oben ohne oder Burkini?

Bei Jeans greift der Acherner Bademeister durch

In den Bädern rund um Achern gilt der Burkini als übliche Badebekleidung. Manch andere Outfits zum Baden sind hingegen nicht gesehen.

Eine muslimische Schülerin sitzt in einem Ganzkörperbadeanzug (Burkini) am Rande eines Schwimmbeckens. In Frankreich ist erneut ein Streit um Burkinis ausgebrochen.
Eine muslimische Schülerin sitzt in einem Ganzkörperbadeanzug am Rand eines Schwimmbeckens. In der nördlichen Ortenau wird der vom Bäderpersonal im Gegensatz zu Jeans und Unterwäsche als Badetextil toleriert. Foto: Rolf Haid/dpa

Ein Tag im Freibad – ein Sprung ins erfrischende Nass und einfach mal die Seele baumeln lassen. Für viele ist das ein kleiner Urlaub mitten im Arbeitsalltag.

Da sieht man hier und da ja auch schon gerne mal über den Lärm der Nachbarn hinweg und belächelt die Kinder, die im Wettrennen zum Kiosk tropfnass die Abkürzung übers eigene Handtuch wählen. Schwimmbadstimmung macht einfach tolerant. Wenn es um den richtigen Dresscode geht, schaut aber auch der toleranteste Bademeister nicht mehr weg.

Beim Sprung vom Beckenrand zum Beispiel. Das geht in den meisten Bädern gar nicht – zu groß ist die Gefahr von schwerwiegenden Unfällen. Doch wie sieht es mit der Kleiderordnung im Freibad aus, und was ist mit der nahtlosen Bräune?

Bademeister entscheidet über Angemessenheit der Badekleidung

In Kappelrodeck, so erklärt Bürgermeister Stefan Hattenbach (CDU), sei es Sache des Bademeisters, über die Angemessenheit der Badebekleidung zu entscheiden. Auch, wenn es darum geht, ein Sonnenbad „oben ohne“ zu tolerieren.

„Da wir aber ein ausgeprägtes Familienbad sind, ist das allerdings auch ein absoluter Einzelfall. FKK ist in unserem Bad mit vielen Kindern und Jugendlichen eher nicht angesagt“, sagt Hattenbach.

Generell sei im Kappelrodecker Freibad das Baden in speziellen Badetextilien erlaubt. „Egal in welchen“, bemerkt Hattenbach und erklärt, dass für die Schwimmbadhygiene technisch vor allem die Sauberkeit des Bade-Textils eine Rolle spiele, und weniger die Quadratzentimeterzahl Stoff, die bei der klassischen Badebekleidung ja ohnehin variiere.

Tabu seien dagegen Unterwäsche oder nicht für das Schwimmbad bestimmte Textilien. Dabei spiele der Kulturkreis der Bad-Besucher keinerlei Rolle. Ein Burkini, wie er häufig von Frauen muslimischen Glaubens getragen werde, sei definitiv keine Unterwäsche, sondern speziell hergestellte Badebekleidung – und damit selbstverständlich erlaubt.

Besondere Verfehlungen in Sachen Dresscode habe es im Freibad in Kappelrodeck bisher noch nicht gegeben. Entsprechend habe man auch noch keine Erfahrung gesammelt, was mögliche Konflikte wegen falscher Badebekleidung angehe.

Oben ohne ist im Acherner Freibad verboten

Im Acherner Freibad müsse jeder Badegast die übliche Badebekleidung tragen, sagt Helga Sauer von der Stadtverwaltung. Zudem sei in der Badeordnung geregelt, dass sich jeder Besucher so zu verhalten habe, dass andere nicht gestört, belästigt oder geschädigt würden.

„Sich oben ohne auf der Liegewiese zu sonnen oder gar zu schwimmen, ist vor diesem Hintergrund nicht gestattet“, erklärt Sauer. Ebenso akzeptiere man in Achern keine Bekleidung aus Baumwollmaterial.

Mit abgeschnittenen Jeans ins Wasser zu springen, ist also auch in der Hornisgrindestatt tabu. Würden Badegäste Kleidung tragen, die erkennbar nicht aus einem üblichen Badebekleidungsstoff gefertigt sei, sei es Sache des Badpersonals, auf das Erfordernis hinzuweisen. Was den Burkini angehe, habe es bislang keine Probleme oder Konfliktsituationen gegeben. „Im Zweifel entscheidet der Bademeister vor Ort, was tolerierbar ist, und was nicht.“

Unterwäsche ist nicht zulässig

Klar geregelt ist auch der Dresscode für Badebekleidung für alle Besucher des Freibads in Sasbachwalden. „Bikini, Badeanzug, Badehose“, nennt Bürgermeisterin Sonja Schuchter (CDU) die „drei B“, die jeder Badegast einzuhalten habe. Eine Ganzkörperbekleidung sei nicht zulässig, ebenfalls keine anderen Textilien oder gar Unterwäsche.

„Ich erinnere mich aber in den vergangenen zwei Jahren nur an zwei Vorfälle, bei denen der Bademeister auf den Dresscode aufmerksam machen musste“, so die Bürgermeisterin. Was überhaupt nicht toleriert werde, sei das Baden „oben ohne“.

„Das geht bei uns nicht“, ist die klare Ansage von Sonja Schuchter. Ansonsten gebe es eine Badeordnung aus 2014. „Wenn sich tatsächlich Verstöße gegen die guten Sitten häufen würden, müssten wir diese dann entsprechend anpassen.“ Doch das sei bislang noch nicht notwendig gewesen.

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