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Klassenräume bleiben voll

Die Möglichkeit zur freiwilligen Quarantäne vor den Weihnachtsferien wird in Achern kaum genutzt

Nur wenige Eltern nehmen die Möglichkeit wahr, ihre Kinder vor den Weihnachtsferien aus der Schule zu nehmen. Die Maßnahme hatte zuletzt für Kritik gesorgt.

Fleißig auch vor den Feiertagen: Die allermeisten Schüler in Achern kommen in der nächsten Woche in die Schule. Nur wenige Eltern nehmen ihre Kinder aus dem Unterricht, damit diese sich vor den Ferien nicht noch infizieren. Foto: Marijan Murat

In der kommenden Woche können Eltern ihre Kinder auf freiwilliger Basis zu Hause lassen. Kürzlich hatte das Kultusministerium eine entsprechende Ausnahmegenehmigung erlassen. Man wolle damit den „ganz vorsichtigen Eltern“ entgegenkommen, so Ministerin Theresa Schopper (Bündnis 90/Die Grünen). Der Realschullehrer-, der Philologen- und der Berufsschullehrerverband kritisierten die Maßnahme sofort. Die „freiwillige Quarantäne“ würde für ein Durcheinander sorgen. Tatsächlich scheinen in der Region nur sehr wenige Eltern die Möglichkeit wahrzunehmen. Das zeigt eine Umfrage unter den Schulleitern.

„Nur sehr wenige Eltern haben die entsprechenden schriftlichen Anträge eingereicht“, berichtet Fabian Sauter-Servaes, Schulleiter des Gymnasiums Achern. In der Regel würden die Eltern Kinder zu Hause behalten, wenn geplant sei, über Weihnachten ältere Verwandte zu besuchen. Auch Karin Kesselburg, Schulleiterin an der Robert-Schuman-Realschule, berichtet von sehr wenigen Abmeldungen. Fast alle würden zur Schule kommen. Dementsprechend könne in der kommenden Woche normaler Unterricht stattfinden.

Kesselburg beobachtet, dass sogar pubertierende Schüler eine für diese Altersklasse erstaunliche Motivation zeigen, die Schule zu besuchen. „Vor einigen Jahren hätte ich das nicht für möglich gehalten“, sagt die Schulleiterin. Das sei insbesondere mit den sozialen Kontakten zu erklären, die die Schule den Jugendlichen bieten könne. „Denen fehlt der erste Kuss und die erste Party“, meint Kesselburg und beschreibt eine Generation von Jugendlichen, die in vielen Fällen „zurückgenommener“ sei als die vorherigen.

Denen fehlt der erste Kuss und die erste Party.
Karin Kesselburg, Schulleiterin Robert-Schuman-Realschule

Doch auch die jüngeren Kinder besuchen fast geschlossen weiter die Grundschulen. „Bei uns kommen nur vier Anträge auf 83 Schüler“, berichtet Murat Tuncsoy, kommissarischer Schulleiter an der Grundschule in Fautenbach. Er könne sich vorstellen, dass einige Eltern die Tage nutzen, um die Weihnachtsferien zu verlängern. „Andere Eltern haben ja auch Großeltern und entscheiden sich dagegen“, meint er.

Auch Gabriele Vath, Leiterin der Grundschule in Großweier, berichtet von sehr wenigen Abmeldungen durch Eltern. An ihrer, wie auch an vielen anderen Schulen, hätten zuletzt aber einige Kinder den Unterricht verlassen müssen, weil sie positiv getestet wurden. „Das sorgt bei den Kindern, die keine Symptome zeigen und die Situation oft noch nicht erfassen, für Verunsicherung. Die für die Kinder sehr wichtigen Weihnachtsgeschenke für die Eltern sind in diesen Fällen auch nur halb fertig geworden“, ärgert sich Vath und hofft, dass in ihrer Schule bald wieder Normalität einkehrt.

Online-Lernen mittlerweile Routine

Den wenigen Schülern, die doch zu Hause bleiben, kommt zugute, dass mittlerweile die Systeme zum Online-Lernen ausreichend etabliert sind. „Wir stellen mittlerweile Materialien und Aufgaben generell online bereit und hoffen, dass wir das auch nach der Pandemie aufrecht erhalten können“, sagt Sauter-Servaes vom Gymnasium.

Derzeit arbeite man noch mit der Software Microsoft Teams, deren Nutzung allerdings nur geduldet sei. Das Programm habe sich bewährt, künftig soll aber die neue Lernplattform des Landes zum Einsatz kommen, die sei im Gegensatz zur aktuellen Software kostenlos. Wie gut diese funktioniere, müsse sich dann zeigen, so Sauter-Servaes.

Lehrer sind überlastet

Aus seiner, aber auch aus der Sicht seiner Kollegen sei das derzeit größte Problem die Überbelastung der Lehrer, die immer mehr Aufgaben stemmen müssten. „Wir gehen auf dem Zahnfleisch“, sagt auch Karin Kesselburg von der Robert-Schuman-Realschule. So seien die Lehrer nicht nur durch die Tests und die sich meist sehr kurzfristig neu aufgestellten Regelungen gefordert, auch der Schulalltag verkompliziere sich. „Wenn zum Beispiel ein Kind positiv getestet wird und die Eltern nicht zu erreichen sind oder die Mutter kein Auto hat, um es kurzfristig abholen, müssen wir eine Einzelbetreuung sicherstellen“, erklärt sie.

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