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Obstbauern teils hart getroffen

Frost sorgt für Totalausfälle bei der Zwetschgenernte in Mittelbaden

Deutlich früher als gewohnt sind die Obsterzeuger der Region in die Zwetschgenernte gestartet. Doch viele Obstbauern verzeichnen starke Einbußen.

Unter dem Strich wirds allenfalls eine mittlere Ernte - An manchen Stellen, wie hier in den etwas höheren Lagen der Vorbergzone gibts auch ordentliche Behänge von Zwetschgenbäumen. Foto: Michael Karle

Von Michael Karle

Deutlich früher als gewohnt sind die Obsterzeuger der Region in die Zwetschgenernte gestartet. Im ersten Teil der Erntesaison 2020 zeigt sich, dass die Frostereignisse der Blütezeit zumindest in manchen Lagen nahezu für Totalausfälle sorgen. Unter dem Strich können sich die Freunde der Zwetschge angesichts guter Qualität aber über die blauen Früchte freuen. Mancher Erzeuger wird unzufrieden sein, oder sich je nach Lage noch mit einem „blauen Auge“ arrangieren können oder müssen.

„Ich kann in der Frage des Ertrags die Eisenbahnlinie als Grenze sehen. Westlich der Bahn war es im Frühjahr kälter als östlich. Dementsprechend ernten wir in diesen tieferen Lagen auch deutlich weniger“, sagt Landwirt Pius Weber aus dem Fautenbacher Unterdorf. „Hier liegt der Ertrag zuweilen fast bei null Prozent. Manchmal sind es vielleicht noch zehn Prozent eines Normaljahrs. In den höheren Lagen sieht es besser aus.“

Bestätigung bekommt der Landwirt von Markus Genter, dem Vorsitzenden des Obst- und Gartenbauvereins. „Ich rechne insgesamt mit einer 40- bis 50-prozentigen Ernte und stelle fest, dass wir zehn bis 14 Tage früher als normal in der Ernte sind.“

Markus Litterst, Anbauberater beim Obstgroßmarkt Mittelbaden in Oberkirch, erinnert an die Blütezeit. „Ende März, Anfang April und am Osterdienstag hatten wir drei starke Frostereignisse.“ Diese haben die jetzigen Ergebnisse erheblich beeinträchtigt. Manche Obsterzeuger, so Litterst, treffe der Zwetschgensommer 2020 somit durchaus hart. „Katinka und Cacaks Schöne, zwei gut präsente Frühsorten, geben dieses Jahr einen halben Ertrag über das gesamte Gebiet betrachtet und machen doch ziemlich Freude.“

Bessere Situation in den Höhenlagen

Maßgeblich für den Ertrag sei aber vor allem der jeweilige Standort der Zwetschge. In höheren Lagen, etwa auf den Hügeln der Vorbergzone, seien zumindest teilweise gute Behänge an den Bäumen zu sehen. „Hier war es in den Frostnächten eventuell um die entscheidenden Grade wärmer als in der Tiefe.“

Unter dem Strich, so Litterst, sei für den Obstgroßmarkt in diesem Jahr die Gesamterntemenge von 4.500 Tonnen Zwetschgen, die 2019 angeliefert worden waren, nicht zu erreichen. Erst recht nicht die 8.000 von 2018. „4.000 Tonnen könnten jedoch schon in Oberkirch ankommen und von dort in den Lebensmitteleinzelhandel gehen.“ Zum Thema Verfrühung weiß der Anbauberater, dass ungewöhnlicherweise schon Mitte Juni mit der Ernte begonnen werden konnte und Ende August, Anfang September die Zwetschgenernte auch beendet sein wird. „Persenta und Top End schließen das Erntejahr 2020 ab.“

OGM rechnet mit guter Qualität

Einhellig zufrieden sind Landwirte wie OGM-Vertreter damit, dass die geerntete Qualität der Zwetschgen einmal mehr gut bis sehr gut ist. „Das ergibt dann eben auch einen guten Absatz und einen guten Markt für Erzeuger und Großmarkt.“

Geerntet wird derzeit auch die „Bühler Frühzwetschge“. Die vor 180 Jahren als „Zufallssämling“ in Kappelwindeck gefundene Sorte war im vergangenen Jahrhundert der Klassiker der badischen Zwetschge schlechthin. Als „Referenzsorte“ markiert die Bühler den Übergang zwischen frühen und späten Zwetschgen. Stand die „Bühler Zwetschge“ in den fünfziger Jahren noch mit bis zu 20.000 Tonnen Ertrag alleine in Mittelbaden zu Buche, so dürfte dieser im Bereich des Obstgroßmarkts Oberkirch 2020 allenfalls noch in einem niedrigen dreistelligen Bereich liegen. „Das waren natürlich andere Zeiten“, sagt der Anbauberater.

Selbstvermarkter nehmen zunehmend wichtige Rolle ein

Roman Glaser, Präsident des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbands, rechnet für 2020 fürs ganze Land mit einer Gesamtmenge von circa 10.000 Tonnen Zwetschgen, die den Weg über die Genossenschaften des Landes nehmen. Das entspricht immerhin noch einer mittleren Ernte. 75 Prozent der Gesamtmenge werden an den badischen Märkten, das vierte Viertel an den württembergischen Obstmärkten erwartet. Eine nicht kleine Rolle in der Region spielen mittlerweile auch Selbstvermarkter. Mit ihren Ernteergebnissen wird in Baden-Württemberg 2020 eine Menge von 16.000 bis 17.000 Tonnen Zwetschgen erwartet.

Auch die Selbstvermarkter tragen also dazu bei, dass das seit Corona-Zeiten erfreulicherweise gestiegene Interesse an qualitativ hochwertigem und regionalem Obst entsprechend und ansprechend gedeckt werden kann.

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