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Corona-Betrieb mit Auflagen

Lautlos schweben über Achern: Gleitschirmflieger können auch in der Pandemie starten

Gleitschirmflieger starten in neue Saison. Wegen der Pandemie gelten an den Startplätzen Auflagen. Auch das Tandemfliegen ist verboten. Der Sport freut sich trotzdem über regen Zulauf.

Sagenhafter Ausblick: Nach dem Start dreht Matthias Basler über Lauf seine Runden. Bei guter Thermik kann er stundenlang in der Luft bleiben. Foto: Hauke Heuer

Matthias Basler, Vorsitzender des Gleitschirmvereines Windeckfalken Lauf, parkt seinen Wagen am Omerskopf und klaubt ächzend seine schwere Tasche mit der Ausrüstung aus dem Kofferraum. Einer seiner Vereinskollegen und zwei weitere Flieger der Gleitschirmfreunde Bühlertal-Bühl stehen schon auf der stark abfallenden Wiese, die als Startbahn dient, und bereiten sich jeder für sich darauf vor, in wenigen Minuten aufzusteigen.

„Wir dürfen uns derzeit nur mit maximal vier Personen am Startplatz aufhalten und müssen den entsprechenden Abstand einhalten“, erklärt Basler, während auch er seinen großen Gleitschirm aus der Tasche zieht.

„Mir fehlt schon die Kameradschaft, das Zusammensitzen und der Austausch mit den anderen Gleitschirmfliegern“, sagt der Vereinsvorsitzende. Allerdings müsse man froh sein, überhaupt fliegen zu dürfen.

Saisonstart für Gleitschirmflieger fiel vergangenes Jahr ins Wasser

Basler hat allen Grund zur Freude. Im vergangenen Jahr war das Gleitschirmfliegen von März bis Mai verboten und das obwohl bei dieser Sportart offensichtlich ausreichend Abstand eingehalten werden kann.

„Es ging weniger um den Abstand als darum, dass das Gleitschirmfliegen als Risikosportart eingestuft ist“, erklärt Basler und fügt hinzu, „man wollte einfach vermeiden, dass aufgrund eines Unfalles Rettungskräfte gebunden werden, die woanders dringender gebraucht werden“.

Er habe auch rückblickend Verständnis für das Verbot, auch weil im vergangenen Jahr noch wenig über das Virus bekannt gewesen sei.

Tatsächlich haben die Flugschulen einen regen Zulauf.
Matthias Basler, Vorsitzender Windeckfalken

Ein Rückschlag für die Arbeit der Gleitschirmvereine der Region ist auch der Ausfall der Veranstaltungen, die in der Pandemie nicht stattfinden können. So mussten bereits der alljährliche Ausflug der Windeckfalken in das französische Annecy und die Vereinsfeste zu Christi Himmelfahrt im vergangenen und in diesem Jahr abgesagt werden.

Gleitschirmflieger in Achern haben trotz Corona kaum Zukunftsängste

Anders als andere Sportvereine, die Angst haben, im Zuge der Krise Mitglieder zu verlieren, macht man sich bei den Gleitschirmfliegern allerdings wenig Sorgen um die Zukunft. „Tatsächlich haben die Flugschulen einen regen Zulauf. Da andere Freizeitaktivitäten wegfallen, suchen sich viele ein neues Hobby“, berichtet Basler.

Man fühlt sich frei wie ein Vogel und nimmt eine Auszeit von der Welt.
Matthias Basler, Vorsitzender Windeckfalken

Er selbst betreibt den Sport schon seit 2004. „Bei der Bundeswehr bin ich mit dem Fallschirm abgesprungen. Das hat mein erstes Interesse geweckt“, erinnert sich Basler. Als er dann nach Obersasbach gezogen sei, habe er immer wieder die bunten Schirme über dem Achertal schweben sehen und gewusst, das richtige Hobby gefunden zu haben.

„Man fühlt sich frei wie ein Vogel und nimmt eine Auszeit vom Rest der Welt“, beschreibt Basler, der in Achern als Polizeibeamter arbeitet, das Gefühl, dass sich hoch im Himmel einstellt. Wenn das Wetter stimmt, startet er mehrmals in der Woche mit seinem Gleitschirm in den Feierabend.

Manchmal landet er danach sogar in seinem Garten im Tal. Mit der entsprechenden Thermik kommt er mit seinem Schirm, immer an den Bergkuppen des Schwarzwaldes entlang, bis nach Pforzheim.

Gleitschirmfliegen bleibt Risikosportart

Das dieses Hobby sicherlich schön, aber auch nicht ungefährlich ist, musste erst vor wenigen Wochen ein Gleitschirmflieger über Sasbachwalden am eigenen Leib erfahren. Der Pilot verlor die Kontrolle über seinen Schirm und landete in einem Baum, aus dem ihn die Bergwacht unverletzt retten konnte.

Leider ist uns das Tandemfliegen weiterhin untersagt.
Matthias Basler, Vorsitzender Windeckfalken

„Das ist eine Risikosportart. Zum Beispiel kann der Schirm einklappen und ins Trudeln kommen“, stellt Basler klar. Gerade für Anfänger sei es deshalb wichtig, die eigenen Fähigkeiten und die Umstände vor dem Start genau einzuschätzen, angepasst zu fliegen und im Zweifel auch einmal auf dem Boden zu bleiben.

Wer einen Einblick in das Gleitschirmfliegen gewinnen will, sollte erst einmal einen Tandemflug unternehmen. Viele Piloten in den Vereinen verfügen über die entsprechende Lizenz und nehmen auf Anfrage Interessenten mit - wenn es wieder erlaubt ist. „Leider ist uns das Tandemfliegen weiterhin untersagt, wir hoffen aber das noch in diesem Jahr wieder anbieten zu dürfen“, sagt Basler.

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