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Krankenfahrten sichern Überleben

Hohe Spritpreise und alte Tarife setzen den Taxi-Unternehmen in Achern zu

Corona und steigende Energiekosten belasten Taxi-Unternehmen im Raum Achern. Krankenfahrten sichern das Überleben. Sie hoffen auf höhere Tarife.

Vor dem Impfzentrum in der Treptow Arena, für die Impfung gegen das Corona-Virus, steht ein Taxi.
Krankenfahrten sorgen für den Großteil des Umsatzes der Taxiunternehmen. Foto: Christophe Gateau picture alliance/dpa

Wer in Achern ein Taxi nutzen möchte, wird künftig wohl tiefer in die Tasche greifen müssen. Das wäre zumindest die Hoffnung von Ilhan Ceylan. Der Acherner Taxiunternehmer, der mit Nico Arbogast im vergangenen Jahr den Betrieb von Walter Nölleke übernommen hat, wünscht sich angesichts stetig steigender Kosten eine, wie er sagt, längst überfällige Anpassung der Taxi-Tarife.

Denn die kann sein Unternehmen nicht selbst regulieren und die deutlich gestiegenen Kosten einfach an die Kunden weitergeben. „Das ist ein bürokratischer Vorgang, über den das Landratsamt Ortenaukreis entscheidet“, erklärt er. Man erwarte die längst fällige Gebühren-Anpassung bereits sehnsüchtig für diesen Herbst.

Andere Landkreise haben Tarife bereits erhöht

„Mit den extrem gestiegenen Kosten haben wir als Taxi-Unternehmen schon seit dem vergangenen Jahr zu kämpfen“, sagt Ceylan und ärgert sich, dass etwa im Landkreis Emmendingen die Tarife längst um 15 Prozent angehoben wurden. „Im Landkreis Lörrach hat man den Tagtarif für fünf Kilometer sogar um 24 Prozent erhöht.“

In solchen Zeiten mit dem Taxifahren zu überleben, erfordert laut Ilhan Ceylan eine klare Strategie, bei der zuallererst gelte, die Kosten im Griff zu behalten. „Den Dieselpreis können wir nicht beeinflussen. Wohl aber den Verbrauch“, erklärt der Unternehmer. Für die Flotte von sechs Fahrzeugen muss das Unternehmen pro Jahr 19.000 Liter Diesel kalkulieren. „Durch eine optimale Tourenplanung und eine kraftstoffsparende Fahrweise können wir den Verbrauch und damit die Kosten senken.“

Und dann seien da noch die Kosten für Wartungs- und Reparaturen zu beachten, und auch, dass die Fahrzeuge im täglichen Stadteinsatz schnell „altern“ würden. „Da muss auch eine finanzielle Rücklage für die Anschaffung neuer Fahrzeuge gebildet werden.“ Doch genau das werde durch die schier explodierenden Kosten immer schwieriger. Nun sei es an der Politik, auch der Taxi-Branche finanziell unter die Arme zu greifen.

Taxi-Unternehmen im Raum Achern absolvieren vor allem Krankenfahrten

Auch wenn an zentralen Stellen im Acherner Ortsbild die Taxi-Stände, wie sie einst ganz selbstverständlich waren, nicht mehr zu sehen sind: Gerade im ländlichen Raum werde das Taxi in der Zukunft weiterhin eine wichtige Rolle spielen, ist Ilhan Ceylan überzeugt. „In unserer Region sind Taxi-Unternehmen etwa zu 80 Prozent mit Krankenfahrten ausgelastet. Damit sind das unsere wichtigsten Einnahmequellen“, sagt Ceylan.

Die restlichen 20 Prozent seien vor allem Fahrten für Touristen, Wanderer oder Veranstaltungen. Insofern habe auch das 9-Euro-Ticket keine negative Auswirkung auf das Geschäft gehabt. „Das war für Pendler eine wertvolle Unterstützung, die sowieso überwiegend den Öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV) benutzen.“

Wir gehen davon aus, dass das Mobilitätsbedürfnis der Bürger steigen wird.
Ilhan Ceylan, Taxi-Unternehmer

Ceylan und sein Partner Nico Arbogast gehen davon aus, dass die Krankenfahrten auch in den kommenden Jahren noch die Stütze der Taxi-Branche sein werden. Denn: „Wir gehen davon aus, dass das Mobilitätsbedürfnis der Bürger steigen wird. Die medizinische Versorgung wird immer mehr zentralisiert.

Durch die Schließungen von unrentablen kleineren Krankenhäusern werden die Entfernungen zu den Krankenhäusern immer größer.“ Eine Alternative zum Diesel sieht Ceylan in Elektro-Fahrzeugen. Doch wenn das erwünscht sei, so sagt er, müssten auch die Taxi-Unternehmen deutlich stärker bei der Umstellung gefördert werden.

Mietwagen-Unternehmerin kann höhere Kosten teilweise weitergeben

Mehr Verfügbarkeit von Ruftaxis, gerade am Acherner Bahnhof, wünscht sich Stefanie Deissler. „Gerade, wenn die Bahn mal wieder in Achern stoppen muss, oder am Wochenende und nach 20 Uhr.“ Mit ihrem Mietwagen-Unternehmen „Transfers4You“ hat sie sich 2013 einen Traum erfüllt. „Ich habe es aus dem Nichts aus dem Boden gestampft“, erzählt die Unternehmerin. Ihr Vorteil: Sie darf ohne Taxischild, dafür aber mit freier Preisgestaltung fahren. „Ich kann die Mehrkosten an meine Kundschaft teilweise weitergeben, und meine Stammkunden, überwiegend Firmenkunden, haben dafür auch Verständnis“, erzählt Deissler über ihre aktuelle Situation.

Mittlerweile sind wir wieder gut mit den Airport-Fahrten unterwegs.
Stefanie Deissler, Mietwagen-Unternehmerin

Ihr Hauptgeschäft seien Flughafenfahrten. Da zähle eher Flexibilität und Zuverlässigkeit. Dennoch habe Corona auch ihr Unternehmen gebeutelt. „Keine Flüge, keine Transfers.“ Durch die Reduzierung ihres Fahrzeug-Pools von fünf auf zwei Wagen und durch Krankenfahrten habe sie sich einigermaßen über Wasser halten können. „Mittlerweile sind wir wieder gut mit den Airport-Fahrten unterwegs. Mal sehen, wie lange noch“, ist sie vorsichtig optimistisch.

Stefanie Deissler hofft gerade bei den Krankenfahrten auf Kraftstoffzuschläge von den Krankenkassen. Immerhin seien die Kliniken längst auf die Personenbeförderung angewiesen, ob für die Dialyse, Fahrten zur Chemo-Therapie oder zur Bestrahlung. Auch deshalb sieht auch sie noch eine Zukunft im Taxi-Gewerbe. „Ich hoffe, es wird kein Taxi-Sterben geben, denn der Bedarf, gerade im ländlichen Raum, ist ja da.“ Allerdings seien Fahrer und Fahrerinnen derzeit eher spärlich gesät. Wie Ilhan Ceylan sucht auch sie zuverlässige Mitarbeiter mit Personenbeförderungsschein.

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