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Das „Gedächtnis der Stadt”

Im Stadtarchiv von Achern schlummern viele unentdeckte Schätze

Es gibt noch viel zu tun im Acherner Stadtarchiv: Noch immer schlummern hier unentdeckte Schätze. Um sie kümmert sich das Team um Andrea Rumpf.

Sie wacht über das „Gedächtnis" der Stadt Achern: Andrea Rumpf führt das Stadtarchiv mittlerweile seit 25 Jahren mit viel Engagement. Foto: Daniela Busam

Die speziellen FFP2-Masken trug sie schon lange vor Corona. Andrea Rumpf hat es ständig mit Schimmel, Schmutz, Staub und Mikroorganismen zu tun: Als Archivarin wacht sie über das „Gedächtnis” der Stadt Achern - und das seit 25 Jahren.

Für Andrea Rumpf sind Akten, je älter desto besser, alles andere als langweilig. „Geschichte ist für mich keine trockene Angelegenheit.” Sie liebt den „Sprung in die Vergangenheit”. Was sie hier findet, beschriebt sie als „spannend” und „lebensnah”: „Ich sehe, wie die Menschen früher gelebt haben.”

Mittlerweile restauriert: Das Dorfbuch Niederachern ist ein wertvolles Zeitzeugnis. Foto: Daniela Busam

Das bestätigt auch Oberbürgermeister Klaus Muttach: „Geschichte hilft uns dabei, Dinge zu verstehen.” Der Blick in die Vergangenheit sei deshalb nicht zuletzt eine wichtige Hilfe bei Entscheidungen für die Zukunft. Genau aus diesem Grund sei es auch wichtig, dass das Stadtarchiv im Rathaus Illenau angesiedelt werden konnte: „Ganz nah bei der Verwaltung.”

Jedes Amt hatte sein eigenes Ablagesystem

Ganz nah bei der Verwaltung war das Archiv auch früher schon: Im Keller des Rathauses Am Markt. Dort lagerte das Haupt- und Personalamt seine Akten. „Daneben hatte jedes Amt sein eigenes Ablagesystem, bei dem es mehr oder weniger dem Zufall überlassen blieb, welche älteren Akten bei Platzmangel der Entsorgung zugeführt wurden”, berichtet Andrea Rumpf. Eine Ausnahme bildete das Bauamt mit den Bau-Akten: „Das hatte seine Akten im Keller des damaligen Rathauses II, und da waren auch noch die historischen Bauakten nach 1900 vorhanden.”

„Von Gottes Gnaden”: Karl Friedrich von Baden gewährte Achern 1808 das Stadtrecht. Foto: Daniela Busam

Ein Zeitungsartikel beschrieb den Zustand des Acherner Archivs Mitte der 1990er Jahre als „erbärmlich”. Das war für die Diplom-Archivarin die Initialzündung für eine Bewerbung bei der Stadt Achern: Ihr Argument für die Einstellung war offenbar ziemlich überzeugend: Das Landesarchivgesetz von 1987 verpflichtete jede Kommune zur Einrichtung eines Archivs. Als „geringfügig Beschäftigte” mit 22 Stunden Arbeitszeit pro Monat ging sie an die Arbeit: „Als eine der ersten Amtshandlungen habe ich für die Stadt Achern 1996 eine eigene Archivordnung eingeführt.”

Keller sind übrigens völlig ungeeignet für die wertvollen Dokumente aus Papier oder Pergament: „Nur ein Magazin mit optimalen klimatischen Bedingungen erhält das wichtige Kulturgut auf Dauer.” Andrea Rumpf verfügt heute im Rathaus Illenau über solche Bedingungen. Und aus den 22 Stunden pro Monat ist für sie längst eine Vollzeitstelle geworden. Ihr zur Hand gehen die Fachkräfte Larissa Hirsch und Fabian Alt sowie die ehrenamtlich tätigen Archivare Konrad Keller und Walther Stodtmeister.

Aufwendige Restaurierung

Zahlreiche Dokumente waren in einem schlechten Zustand und mussten aufwendig restauriert werden. Andrea Rumpf schätzt, dass allein dafür in den vergangenen 25 Jahren 50.000 Euro ausgegeben wurden. Viele Archivalien sind mittlerweile registriert und auch digitalisiert. Der Bestand an Archivgut liegt heute bei mehr als 840 laufenden Metern. Rund 360 laufende Meter Akten gelten als „unbearbeitet”: „Die Suche nach der berühmten Nadel im Heuhaufen - sie gibt es auch bei uns immer wieder”, sagt Andrea Rumpf.

Ganz neu ist das Digitale Magazin - ebenso wie analoge werden auch digitale Daten irgendwann „archivreif”. Das ist ein komplexes Thema, weiß Andrea Rumpf. Die Begeisterung dafür hält sich in vielen Archiven im Land noch in Grenzen: „Es ist eine umfassende Einarbeitung nötig.” Ohne zusätzliche Fachkräfte gehe es nicht.

Traumberuf gefunden

Andrea Rumpf hat ihren Traumberuf im Acherner Archiv gefunden. Sie ist stolz auf die vielen Schätze, die sie hier entdeckt hat: Zum Beispiel das „Niederacherner Dorfbuch”, das Ende des 15. Jahrhunderts angelegt wurde. Oder die Urkunde zur Verleihung der Stadtrechte an Achern vom 31. Juli 1808, die sich trotz des von Großherzog Karl Friedrich von Baden aus „Gottes Gnaden” gewährten Privilegs völlig unspektakulär zwischen anderen Dokumenten fand.

Und nicht nur das: Über das Ereignis am 31. Juli 1808 fand Andrea Rumpf einen nüchternen Bericht in einem Band, der 1688 angelegt wurde und dem Leser ein Sammelsurium „allgemeiner Gemeindesachen” bis zum Jahr 1844 bot. Auszug gefällig: „Bey dem vormittäglichen Gottesdienst wird eine den Umständen anpassende Rede auf der Kanzel gehalten.”

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