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Powercloud-Chef Marco Beicht hat große Pläne

IT-Campus in Achern will Maßstäbe bei Technik und Klimaschutz setzen

Komplett CO2-neutral und technisch auf dem allerneuesten Stand: Mit dem IT-Campus in Achern will Powercloud-Chef Marco Beicht ein „Musterexemplar für die Wohnungswirtschaft und für Energiegesellschaften” schaffen.

„Ich will hier nicht weg”: Marco Beicht bekannt sich mit dem geplanten IT-Campus auf den Illenauwiesen zum Standort Achern Foto: Lena Doll/Powercloud

Auf seinem Weg zum IT-Campus in Achern ist Powercloud-Chef Marco Beicht einen Schritt weiter. Nach Informationen des ABB hat der Gemeinderat noch vor der Sommerpause eine grundsätzliche Entscheidung zur Veräußerung der benötigten Flächen auf den Illenauwiesen getroffen.

Dort plant Beicht den Firmensitz seines Unternehmens, kombiniert mit 150 Wohnungen und einem Hotel. Gekrönt wird das auf 85 Millionen Euro geschätzte Projekt von einem ehrgeizigen Ziel: Die Gebäude sollen komplett CO2-neutral sein. „Die Planungen laufen auf Hochtouren“, sagt Marco Beicht, der lieber heute als morgen mit dem Bau beginnen würde. Allerdings sind noch einige Fragen offen.

Vorübergehender Standortwechsel nicht ausgeschlossen

Eine Corona-Pause mit Kurzarbeit oder Einstellungsstopp gab es nicht bei Powercloud, die neben dem Firmensitz in Achern-Mösbach und dem Standort Leipzig zu Beginn des Monats auch eine Niederlassung in Berlin eröffnet hat. Seit dem 1. März 2020 hat Powercloud 56 neue Mitarbeiter – davon 24 in Achern.

Die Immobilie in Mösbach bietet längst nicht genug Platz für das erfolgsverwöhnte Unternehmen, das mit seiner Digital-Strategie dem Software-Riesen SAP Konkurrenz macht und Branchengrößen wie EnBW oder E.ON als Kunden gewonnen hat, aber auch Cloud-Lösungen etwa für Stadtwerke anbietet.

Über den eigenen AppStore bedient man Themen wie Elektromobilität oder Parkraumbewirtschaftung. Beicht schließt angesichts der rasanten Entwicklung die Notwendigkeit eines - jedoch nur vorübergehenden - Standortwechsels innerhalb der Region nicht aus.

Ziel bleibt jedoch das Projekt mit über 22.000 Quadratmetern Wohn- und Geschäftsfläche auf den Illenauwiesen in Achern. Hier zeigt Marco Beicht Herzblut und eine außergewöhnliche Heimatverbundenheit: „Ich wohne in Achern, und ich will hier nicht weg.“ Mit dem IT-Campus möchte Powercloud 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unter Einsatz neuester Technik interessante Arbeitsmöglichkeiten und zugleich attraktive Wohnmöglichkeiten bieten.

Noch im Dornröschenschlaf: Auf den Illenauwiesen (Bild) soll der IT-Campus der Acherner Firma Powercloud Maßstäbe setzen. Foto: Daniela Busam

Dabei plant Beicht weit in die Zukunft. „Das Smart-Home, wie wir es heute kennen, ist technisch schon durch. Was wir jetzt bauen, wird in zehn Jahren in der Wohnungswirtschaft Standard sein.“ Seinen Campus will Beicht zum „Musterexemplar für die Wohnungswirtschaft und für Energiegesellschaften“ machen.

Millionenbetrag für das Energiekonzept

Apropos „grüne“ Technik: Das Projekt soll komplett CO2-neutral arbeiten. Ein ebenso ehrgeiziges wie teures Ziel: „Einen mittleren Millionenbetrag geben wir allein für das Energiekonzept aus – freiwillig. Das ist finanziell eigentlich nicht zu rechnen“, meint Beicht. „Aber wir wollen nachhaltig sein – trotz hohem Verbrauch der E-Ladestationen im Keller.“

Beicht räumt ein, dass er für dieses Ziel auf ein weiteres Entgegenkommen der Stadt Achern angewiesen ist: „Wir benötigen im benachbarten Landschaftspark Platz für unsere Erdkollektoren, die wir auf dem eigenen Gelände nicht anlegen können“, erklärt er mit Hinweis auf die riesige Tiefgarage unter dem Campus. „Das wird man hinterher nicht sehen: Die Erdkollektoren schaden weder dem Rasen noch dem Landschaftspark“.

Ähnliches gelte für die geplante Nutzung von Wasser aus dem nahe gelegenen Mühlbach, dem je nach Witterung Wärme oder Kälte entzogen wird, das aber in jedem Fall wieder komplett in den Mühlbach eingeleitet werden soll.

Von Erpressung kann keine Rede sein. Es gab keine Diskussion über den geforderten Preis, und wir haben deutlich mehr gezahlt als gedacht.
Marco Beicht, Chef von Powercloud

Klar Stellung bezieht Beicht auch zu dem immer wieder gehörten Vorwurf, er habe das Projekt mit dem Hinweis auf den möglichen Verlust von qualifizierten Arbeitsplätze gegenüber der Stadt durchgesetzt: „Von Erpressung kann keine Rede sein. Es gab keine Diskussion über den geforderten Preis, und wir haben deutlich mehr gezahlt als gedacht.“

Auch die Kritik, sein Unternehmen erfülle im Gegensatz zu anderen Investoren nicht die in Achern üblichen Vorgaben zum Bau preisgünstiger Wohnungen, weist der Unternehmer zurück: „Wir zahlen als Ausgleich einen siebenstelligen Betrag, damit die Stadt Achern an anderer Stelle solche Wohnungen selbst errichten kann.“ Und diese bleiben laut Beicht auch langfristig bestehen, weil die Bindungsfrist – anders als in anderen Fällen – nicht endet.

Über Hotel wird im dritten Quartal entschieden

Auch zur Frage, ob das geplante Hotel tatsächlich Wirklichkeit wird äußert sich der 36-jährige Unternehmer. „Es bleibt unser Ziel, das Hotel zu bauen. Selbst betreiben werden wir es jedoch nicht.“ Eine gewisse Mindestgröße – die Rede ist von 100 bis 140 Zimmern – sei aus wirtschaftlichen Gründen unabdingbar.

In dem „Budget-Design-Hotel“ sollen nicht nur Gäste und Partner der Powercloud eine Unterkunft finden, sondern auch Gäste des im Zentralgebäude der Illenau von der Stadt konzipierten Kultur- und Tagungszentrums. Spätestens im dritten Quartal soll nach dem Willen von Beicht die Entscheidung fallen: „Ansonsten bauen wir ein Boardinghouse für unsere Bedürfnisse.“

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