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Zwei Lager

Kirchenmitarbeiter aus der Ortenau kritisieren die Position des Vatikans gegenüber homosexuellen Paaren

Während eine Achener Pfarrerin bereit wäre, zwei Frauen kirchlich zu trauen, lehnt die katholische Kirche dies streng ab. Seelsorger aus der Ortenau wollen jedoch, dass sich jeder willkommen fühlt.

Segnungen für alle? Die harte Position des Vatikan gegenüber gleichgeschlechtlichen Paaren beschäftigt die Seelsorger in der Ortenau noch immer. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Die römisch-katholische Kirche hat keine Vollmacht, Verbindungen von Personen gleichen Geschlechts zu segnen. Diese Aussage aus dem Vatikan beschäftigt weiter die Seelsorger und Gläubigen vor Ort.

Das sei eine Position von Hardlinern, sagt Dekan Georg Schmitt aus Kappelrodeck. „Gottes Segen ist für alle da“, versichert die Vorsitzende des Dekanatsrates, Ursula Knoll-Schneider aus Lauf.

In der Evangelischen Landeskirche können seit 2016 gleichgeschlechtliche Paare nicht nur gesegnet, sondern kirchlich getraut werden. Ein Pfarrkollege in Offenburg habe zwei Frauen getraut, erinnert sich die Acherner Pfarrerin Katrin Bessler-Koch. Sie selbst wäre dazu auch bereit.

Gläubige fordern eine Weiterentwicklung

In seiner Dienstzeit in Achern habe es keine Verpartnerung in gottesdienstlichem Rahmen gegeben, erinnert sich der pensionierte evangelische Pfarrer Hans-Gerd Krabbe. Er selbst habe sich in der Diskussion darum öffentlich gegen eine Trauung von gleichgeschlechtlichen Partnern ausgesprochen.

Die römisch-katholische Kirche betrachte die Ehe als Sakrament und sage deshalb klar Nein zur Ehe unter gleichgeschlechtlichen Partnern.

Die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare könnte mit einer kirchlichen Trauung gleichgesetzt werden und das sei zu vermeiden, betont tatsächlich die römisch-katholische Glaubenskongregation. Dies sei Ausdruck der hervorgehobenen Bedeutung des Ehesakramentes in der Kirche, bestätigt die Erzdiözese Freiburg.

Die Bistumsleitung teile diese Ansicht, heißt es. In Freiburg hat man jedoch zur Kenntnis genommen, dass viele Gläubige eine Weiterentwicklung dieser Position fordern.

Bestätigung der konservativen Kräfte in der Kirche

Daran werde seit 20 Jahren gearbeitet, weiß Pfarrer Georg Schmitt, Dekan im Acher- und Renchtal. Kirchliche Ehe- und Familienberatungsstellen hätten sich des Thema angenommen. In einem 2020 erschienenen Buch seien Beispiele für Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare und andere Anlässe gesammelt.

Es gibt jene, die Reformen wollen, und die, die alles lassen wollen, wie es ist.
Pfarrer Georg Schmitt, Dekan im Acher- und Renchtal

Er wisse von Priesterkollegen, die die Verbindung von zwei Frauen oder zwei Männer gesegnet haben. Die aktuelle Mitteilung aus Rom bestätige die konservativen Kräften in der katholischen Kirche. Doch tatsächlich gebe es in Rom „zwei Lager“ und ein Tauziehen um die Macht.

Diese zwei Lager zeigten sich auch unter den deutschen Bischöfen im derzeit laufenden Reformprozess „Synodaler Weg“: „Es gibt jene, die Reformen wollen, und die, die alles lassen wollen, wie es ist.“

Die Seelsorger im Dekanat sehen die Mitteilung der Glaubenskongregation allesamt kritisch, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung. Für viele Gläubige sei das Nein zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare eine Missachtung der Suche von Menschen nach Akzeptanz und Wertschätzung.

Vorsitzende des Dekanatsrats hofft, dass Veränderung nicht zu spät kommt

Was jetzt aus dem Vatikan mitgeteilt wurde, betrachte außerdem nicht die Erkenntnisse der Theologie und Wissenschaft der vergangenen Jahrzehnte. „Die Kirche soll ein Ort sein, wo sich alle Menschen willkommen fühlen die Menschenfreundlichkeit Gottes erfahrbar ist“, heißt es in der Erklärung der Seelsorger und Seelsorgerinnen der Region.

„Gott segnet reichlich. Er segnet die Schöpfung und er segnet die Menschen. Er ist gekommen, damit wir das Leben in Fülle haben und wir dürfen da keine Grenzen ziehen.“ Das ist die Überzeugung von Pfarrgemeinderätin Ursula Knoll-Schneider, seit vielen Jahren Vorsitzende des höchsten katholischen Laiengremiums im Acher- und Renchtal, dem Dekanatsrat.

Leider seien schon viele ausgegrenzt worden und deshalb „verletzt und traurig“. Dass auch engagierte Katholiken sich gezwungen sähen, aus ihrer Kirche auszutreten, bereite ihr große Sorgen. Sie hoffe noch auf Veränderungen, die aber nicht zu spät kommen dürften.

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