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Jahrelanger Streit um „Motodrom”

Klage gegen Motorrad-Fahrverbot bei Achern erfolgreich

Seit Jahren gibt es Streit um das so genannte „Motodrom” - die Kreisstraße zwischen Rheinbischofsheim und Wagshurst. Das Landratsamt ist mit seinem Versuch einer Streckensperrung für Biker jetzt erst einmal gescheitert.

Streckensperrung auf Eis gelegt: Vor dem Verwaltungsgericht in Freiburg wehrte sich eine Motorradfahrerin erfolgreich gegen eine Anordnung von Landratsamt Offenburg und Stadt Achern. Foto: Benedikt Spether

Eine Motorradfahrerin hat erfolgreich gegen die Sperrung des „Motodroms“ zwischen Rheinbischofsheim und Wagshurst geklagt. Das Freiburger Verwaltungsgericht hat das Verbot für motorisierte Zweirädern an Wochenenden in einem Eilverfahren gekippt. Doch dass der seit Jahren wogende Streit um die Kreisstraße 5311 und die in Scharen einfallenden Hobbyrennfahrer auf zwei Rädern damit zu Ende ist, dass erwartet keiner der Beteiligten.

Die Stadt Achern hat in Abstimmung mit dem Landratsamt Beschwerde zum Verwaltungsgerichtshof eingelegt, sagt Bürgermeister Dietmar Stiefel. Die Biker ihrerseits wundern sich über „kryptische“ Formulierungen der Verwaltungsrichter.

Zudem hat der Kreis angekündigt, die Verbotsschilder weiter stehen zu lassen. Mögliche Kontrollen seien Sache der Polizei. Ob man Verstöße dann ahnden werde, das lasse sich ad hoc nicht klären, sagt Kreissprecher Kai Hockenjos. Auch ohne drohende Strafzettel aber sehen sich die Biker in einer schwierigen Lage: Müssen sie befürchten, beispielsweise ihren Versicherungsschutz zu verlieren, wenn es auf der verbotenen Strecke zu einem Unfall kommt?

Seit Jahrzehnten gilt die kurvige Kreisstraße 5311 als Dorado für Kurvenliebhaber auf zwei Rädern. Doch in den vergangenen Jahren hat sich die Lage zugespitzt. Immer mehr Biker nutzten die Fahrbahn als Rennstrecke, was Anwohnern ebenso auf die Nerven geht wie anderen Verkehrsteilnehmern – auch vielen Zweiradfahrer.

Steigende Unfallzahlen nach einem Ausbau der Fahrbahn, der sie für Motorradfahrer noch attraktiver gemacht hat, gaben Kreis und Stadt Achern in diesem Frühjahr die Handhabe, eine Sperrung des „Motodroms“ für Motorräder auszurufen. Diese gilt, um den Berufsverkehr nicht zu beeinträchtigen, von Freitagmittag bis Montagmorgen.

Unmittelbar danach hatte der Bundesverband der Motorradfahrer (BVDM) angekündigt, dass eine Bikerin gegen die Anordnung klagen werde. Das tat sie – mit Erfolg. Wichtigstes Argument dabei: Stadt und Kreis hätten vorher nicht alles unternommen, um die Strecke mit weniger einschneidenden Mitteln zu entschärfen. Damit fanden die Biker Gehör – doch der Jubel hält sich wenige Tage nach Entscheidung des Gerichts in Grenzen.

Kritik am Landratsamt

„Das Urteil ist ein bisschen kryptisch“, sagt der Vorsitzende des Verbands, Michael Lenzen. Und Michael Wilczynski, Referent für Streckensperrungen, bezeichnet es als „illegal“, wenn das Landratsamt nun die Verbotsschilder stehen lasse. Die Motorradfahrer würden so, ungeachtet der Frage, ob dies sanktioniert wird oder nicht, eine Ordnungswidrigkeit begehen.

„Sowohl die Stadt Achern, als auch das Landratsamt haben vor Erlass der verkehrsrechtlichen Anordnungen umfassend mildere Maßnahmen geprüft”, betont Kreis-Sprecher Kai Hockenjos. Dies seien beispielsweise regelmäßige Tempomessungen, das Aufstellen von Kurvenleittafeln, enger gesetzte Leitpfosten in Kurven, sowie Hinweistafeln, etwas mit der Aufschrift „Gefährlicher Streckenverlauf“. Dabei habe man berücksichtigt, dass beispielsweise Schutzplanken die Verletzungsgefahr für Motorradfahrer im Falle eines Sturzes noch zusätzlich erhöhen und sich deshalb dagegen entschieden.

Kontrollen gegen „Schwarze Schafe”

Die Streckensperrung ist eine der Maßnahmen, mit der Behörden und Polizei in letzter Zeit gegen Biker in der Region vorgehen. Das Augenmerk liegt dabei vor allem auf dem Lärm, den die Maschinen erzeugen. Regelmäßige Kontrollen an der Schwarzwaldhochstraße und ihren Zufahrten sollen helfen, die „Schwarzen Schafe“ zu ertappen.

Zuletzt hatte sich vor allem die Sasbachwaldener Bürgermeisterin Sonja Schuchter für weitere Beschränkungen für Zweiradfahrer stark gemacht und damit bundesweit Beachtung gefunden.

Laut Wilczynski setzt der auffrischende Gegenwind der „Heizerfraktion“ unter den Motorradfahrern inzwischen nicht nur in Baden-Württemberg zu. Namentlich in Hessen und Nordrhein-Westfalen greife die Polizei konsequent durch, beschlagnahme manipulierte Fahrzeuge.

„Das“, so sagt er, „macht sich bemerkbar. Die Leute fahren inzwischen vernünftiger“.

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