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Umgestaltung an der Hauptstraße

Knappe Mehrheit für Pläne: Entwicklung des Lammbrücken-Areals in Achern bleibt umstritten

Seit Jahrzehnten gammelt der Acherner Stadteingang rund um die Lammbrücke architektonisch vor sich hin. Die Stadt hat nach und nach das Gelände gekauft und will jetzt einen Investor gewinnen. Planerisch geht man in die Vollen - und das gefällt nicht jedem.

Investor gesucht: Die Stadt will das Areal an der Lammbrücke entwickeln. Im Norden (hier links oben) sollen Gewerbe und Wohnungen entstehen, auf dem südlich der Hauptstraße gelegenen Parkplatz ein Parkhaus mit Gastronomie auf dem Dach. Doch die Pläne sind weiter umstritten. Foto: Roland Spether/Archiv

Wenn alles läuft wie geplant, dann kann in diesem Herbst die Suche nach einem Investor für das Lammbrücken-Areal starten. Wenn. Denn dahin führt ein steiniger Weg. Mit gerade einmal einer Stimme Mehrheit passierte der aktuelle Entwurf für die Neugestaltung des Acherner Stadteingangs den Bauausschuss.

Die Geister scheiden sich nicht nur an der vergleichsweise simplen Frage, ob dort besser Flach- oder Satteldächer vorgeschrieben werden sollen. Einigen Stadträten, das wurde am Montag deutlich, behagt die ganze Richtung nicht. Manfred Nock (ABL) kritisierte die „Lego-Architektur“ durch die kubischen Gebäude: „Die Silhouette von Fautenbach her kommend ist für uns einfach schockierend“.

2017 hatte die Stadt erstmals nach einem städtebaulichen Wettbewerb vorgestellt, was auf den Grundstücken am Eingang zur Kernstadt links und rechts der Hauptstraße geschehen könnte. Der Fokus lag dabei vor allem auf den Acherterrassen, die zu einem neuen Aufenthaltszentrum werden sollten. Inzwischen geht es freilich um weit weniger romantische Dinge.

Die Silhouette von Fautenbach her kommend ist einfach schockierend.
Manfred Nock, ABL-Fraktion

Bereits im Januar war deutlich geworden, dass eine Trennung der Funktionen als sinnvoll angesehen wird: Südlich der Hauptstraße, also von Fautenbach her kommend rechts, soll nur ein Parkhaus mit etwa 130 Stellplätzen entstehen, garniert mit zwei Gaststätten, davon eine auf dem Dach.

Links der Hauptstraße stellt man sich im Acherner Rathaus einen großen Sportmarkt vor, darüber Räume für Dienstleister, gekrönt von Wohnungen. Die Tiefgarage auf dieser Seite soll nur für Bewohner, Kunden und Besucher reserviert sein, während das Parkhaus gegenüber für alle offen ist.

Mauereidechsen sind an der Lammbrücke im Weg

Vorher aber sind einige Hürden zu nehmen: Die „Vergrämung“ von Mauereidechsen und Fledermäusen zum Beispiel, wie die planende Ingenieurin Helga Lambart von der LBBW Kommunalentwicklung deutlich machte. Die Fledermäuse dürften aber nicht das einzige Problem sein, wie auch an den voll besetzten Zuhörerbänken ersichtlich wurde: Das Projekt ist in Achern nicht sehr beliebt.

Oberbürgermeister Klaus Muttach versprach angesichts der Kritik, die sich ursprünglich am inzwischen denkmalgeschützten Gebäude der Höheren Töchterschule entzündet hatte, eine breite Beteiligung der Bürger „über das übliche Maß hinaus“.

Offen blieb, was sich dabei noch ändern könnte, zumal Rückfragen zu den Planungen immer wieder bei der selben Erkenntnis landen: Man erstelle hier nur den planerischen Rahmen, Details würden sich dann erst im Rahmen des Investorenwettbewerbs ergeben.

Hier braucht es keine pragmatischen Lösungen, sondern attraktive.
Rosa Karcher, CDU-Fraktion

Widerstand kommt vor allem von der ABL, die den Trend nach immer mehr Verdichtung kritisiert. Man stehe hier, so Manfred Nock, im „dritten Akt des Monopolyspiels an der Lammbrücke“.

Gegenüber dem vorhergehenden Entwurf habe die überbaute Grundfläche um 500 Quadratmeter zugelegt. Die Grünen fanden es ihrerseits unschicklich, wieder ein Parkhaus zu bauen, ohne im Gegenzug Stellflächen in der Innenstadt zu streichen. Man solle doch lieber auf Jobtickets, Mobilitätsstationen und andere innovative Ideen setzen, sagte Cornelia Hummel.

Grüne wollen im Gegenzug Parkplätze in Achern streichen

Auch aus den Reihen der Christdemokraten kam Wind des Widerstands. „Hier braucht es keine pragmatischen Lösungen, sondern attraktive“ merkte Rosa Karcher an. Ulrich Berger kritisierte „zwei Riesen-Klötze“, die links und rechts der Hauptstraße entstehen würden, Fraktionschef Karl Früh verwies auf den „Volkszorn“ der sich an den Dachformen entzünde.

„Es fehlen die Themen Sport und Kinder“ bemängelte Edgar Glaser (FW), und auch die Zustimmung aus der SPD war alles andere als überschwänglich: „Das Konzept ist o.k., aber weiter diskutierbar“, befand Alois Berger-Köppel.

Am Ende wurde es ein außerordentlich knappes Rennen: Sieben Stadträte empfahlen dem Gemeinderat die Beschlussfassung über den Planentwurf, sechs votierten dagegen.

Ein überzeugendes Plädoyer für eine städtebauliche Lösung an dieser sensiblen Stelle sieht zweifellos anders aus. Den Gemeinderat erwartet damit eine knifflige Aufgabe. Die Frage, ob tatsächlich im Herbst die Suche nach einem Investor beginnen kann, steht also erst einmal in den Sternen.

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