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Kein Bangen für die Bauern

Können die Landwirte in der Region 2021 auf Erntehelfer hoffen?

Im vergangenen Jahr mussten sich viele Bauern darum sorgen, dass ihre Erntehelfer aus Osteuropa nicht anreisen können. In dieser Saison scheinen die Verhältnisse klar und die Ernte nicht in Gefahr zu sein.

Mariana Done bei der Arbeit. Die junge Frau hofft arbeitet rund sieben Monate im Jahr fern der Heimat Foto: Hauke Heuer

Auch, wenn wir uns noch im tiefsten Winter wähnen: Für viele Landwirte der Region hat die Saison in diesen Wochen begonnen. Das erste Wintergemüse, das seit dem Herbst auf den Äckern rund um Achern steht, wird schon heute eingebracht. Spätestens ab März herrscht auf den Höfen der Region Hochkonjunktur.

Während der Corona-Pandemie heißt das für die Bauern vor allem, dass sie darum bangen müssen, dass die Erntehelfer aus Osteuropa anreisen und arbeiten können. Doch die Situation des vergangenen Jahres, als Menschen auf den letzten Drücker aus Rumänien eingeflogen wurden, scheint sich nicht zu wiederholen.

Katharina Späth, die mit ihrem Mann in Wagshurst auf 17 Hektar Bio-Gemüse, Salat und Erdbeeren anbaut, wüsste nicht, wie sie ihren Betrieb aufrechterhalten soll, wenn die Saisonarbeiter aus Polen nicht Anfang März anreisen. „Die Jungpflanzen sind schon bestellt und müssen gepflanzt werden. Ich und meine Familie sind nicht in der Lage, diese Arbeit selber zu leisten, von der Ernte ganz zu schweigen“, stellt die Landwirtin klar.

Da in dem Betrieb über das ganze Jahr hinweg alle ein bis zwei Wochen gepflanzt werden muss, könnten schon kleinere Verzögerungen und Ausfälle die Abläufe durcheinanderbringen.

Mehr Unterkünfte für die Arbeiter

Späth ist zwar guter Dinge, dass die Saisonarbeiter in ein paar Wochen anrücken dürfen, zusätzliche Arbeit macht ihr die Corona-Pandemie aber in jedem Fall. „Wir beschäftigen meist fünf Mitarbeiter. Im vergangenen Jahr waren wir deshalb von vielen Regelungen ausgenommen, die erst ab der zehnten Arbeitskraft verpflichtend waren und nun schon bei einem Saisonarbeiter greifen“, erklärt Späth.

So müsse sie nicht nur die Testungen ihrer Mitarbeiter organisieren und bezahlen, sondern die Helfer auch in Teams einteilen und ein Hygienekonzept mit Putzplänen erstellen. „Wir sind in der glücklichen Situation, generell über zwei Unterkünfte zu verfügen, auf die wir die Menschen aufteilen können. Sonst müssten wir uns nach zusätzlichen Räumlichkeiten umschauen“, sagt Späth.

Genau vor diesem Problem steht Jörg Huber, der in Önsbach den Huberhof betreibt und beispielsweise bei der Erdbeerernte auf Helfer aus Rumänien und Polen setzt. Bald muss er wieder vier zusätzliche Wohncontainer anmieten, um die Mitarbeiter der Corona-Verordnung entsprechend unterzubringen. „Pro Container entstehen so Kosten über 2.000 Euro im halben Jahr, die mir niemand zurückerstattet“, sagt der Landwirt. So müssten nicht nur die Container gemietet, sondern auch Einrichtungsgegenstände erworben und Versicherungen abgeschlossen werden.

Dennoch ist auch für Huber klar, dass er auf die Saisonarbeiter nicht verzichten kann. „Bei vielen Deutschen ist sicherlich der Wille da, aber viele haben nur am Wochenende für ein paar Stunden und nicht über Wochen hinweg acht bis neun Stunden am Tag Zeit“, erklärt Huber. Der laufende Betrieb ließe sich so nicht aufrecht erhalten.

Auch Marieka Schindler, die mit ihrem Mann Markus den Bernhardshof in Önsbach bewirtschaftet, kann auf ihre Erntehelfer aus Rumänien nicht verzichten. „Insbesondere die Erdbeerernte erfordert viel Übung und ist sehr anstrengend“, erklärt die Landwirtin. Bevor im vergangenen Jahr ihre Mitarbeiter letztendlich ein Flugzeug nach Deutschland besteigen durften, sei ihr Angst und Bange geworden, dass die Ernte nicht eingefahren werden könne.

Landwirt Markus Schindler kann auf seine Erntehelfer aus Rumänien nicht verzichten. Foto: Hauke Heuer

Am Ende sei dann noch einmal alles gut gegangen. Auch in diesem Jahr hat Schindler ein gutes Gefühl. Die Regelungen seien klar, die Grenzübertritte relativ problemlos möglich. Schon heute arbeitet eine vierköpfige Familie aus Rumänien auf dem Hof und erntet Porree.

Kurzbesuch in der Heimat kaum möglich

Eine von ihnen ist Mariana Done. Die 38-Jährige arbeitet schon seit zehn Jahren auf dem Bernhardshof. Sieben Monate im Jahr ist lebt sie mit Unterbrechungen in Önsbach. Die Arbeit sei hart, aber gut bezahlt. Auch ihr Freund stoße in der kommenden Woche dazu. Der gemeinsame fünfjährige Sohn müsse zuhause bleiben und wird von ihrer Familie betreut. „Wir konnten einreisen. Die Testung in Offenbach war auch kein Problem“, berichtet die Erntehelferin.

Die Schwierigkeiten liegen tatsächlich woanders. Ihr Freund, der sie in der vergangenen Woche mit dem Auto nach Deutschland gebracht hatte, musste sich nach seiner Rückreise in Rumänien für zwei Wochen in Quarantäne begeben. „Die Leute überlegen es sich jetzt natürlich dreimal, ob sie kurz nach hause fahren, um ihre Kinder zu besuchen“, erklärt Markus Schindler, der auf dem Feld mit anpackt. So zahlen letztendlich die Erntehelfer den Preis für die harten Corona-Maßnahmen.

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