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Rohstoffabbau vs. Naturschutz

Kompromiss am Kies-Stammtisch in Diersheim?

Unternehmer Jan Minthe will das Gespräch mit den Gegnern der Kieswerkerweiterung in Diersheim suchen. Ihre Argumente hält er aber zu großen Teilen für falsch.

Jan Minthe Betreiber des Kieswerkes in Diersheim Foto: Hauke Heuer

Jan Minthe, Betreiber des Kieswerkes in Diersheim, kämpft sich durch das dichte Unterholz. Immer wieder bleibt er stehen und zeigt auf Pflanzen, die im Boden des Waldes neben dem Kiessee wachsen. Er scheint sich auszukennen mit der Flora und Fauna in den Rheinauen. Er kennt die Bezeichnungen – auch die lateinischen. Er weiß welches Kraut sehr selten ist. Doch geht es nach ihm, müssen bald 6,5 Hektar des Waldes im Süden des Sees dem Kiesabbau weichen.

„Es tut mir weh, den Wald zu roden, um Kies abzubauen“, sagt er und berichtet, dass es sogar in seiner Familie viel Gegenwind für derartige Maßnahmen bekomme. Seine Tochter kandidiere für die Klimaliste. Sein Sohn habe sich an den Besetzungen im Hambacher Forst beteiligt.

„Aber die Gesellschaft benötigt Rohstoffe zum Bauen und Kies kann nun einmal nur da abgebaut werden wo er vorkommt“, erklärt Minthe. Das sei in Deutschland nun einmal am Oberrhein der Fall, wo sich Material, dass durch Erosion aus den Alpen herausgelöst wurde, im Flussbett abgelagert hat.

Bürgerinitative würde falsche Fakten verbreiten

In den vergangenen Monaten hatte sich in Diersheim großer Widerstand gegen den geplanten Abbau geregt, dessen Genehmigung durch das Landratsamt noch aussteht, und eine Bürgerinitiative gegründet, über die im ABB mehrfach berichtet wurde. Minthe stört sich an der Art und Weise der Kritik und wirft den Aktivisten vor, teilweise falsche Fakten zu verbreiten.

So spreche die Bürgerinitiative davon, dass 13 Hektar Wald verschwinden sollten, was nicht stimme. Zwar sei im Regionalplan eine entsprechend große Fläche ausgewiesen, im aktuell laufenden Planfeststellungsverfahren ginge es aber nur um 6,5 Hektar. „Das wurde so auch im Dezember 2018 bei einer Informationsveranstaltung vorgestellt. Die im übrigen sehr harmonisch und ohne größere Einwände verlief“, erinnert sich Minthe.

Es tut mir weh, den Wald zu roden
Jan Minthe, Geschäftsführer F.+J. Minthe GmbH

Der Unternehmer weißt auch Vorwürfe, dass durch den Kiesabbau das Grundwasser durchmischt und mit Nitrat angereichert wird, als wissenschaftlich nicht haltbar zurück. Die Flora und Fauna würde sich schnell von der Maßnahme erholen. Entsprechend der Vorschriften müsste sein Unternehmen für Ausgleichsflächen sorgen, wie es beispielsweise in Korker Wald schon geschehen ist.

Auch dass nun die Neuansiedlung der Biber gegen die Kiesgrubenerweiterung angeführt wird, kann er nicht verstehen. „Im Moment wird die Rückkehr des Bibers am ganzen Rhein gefeiert. Diese Entwicklung war aber nur möglich, weil die vielen Kieswerke aktiv Naturschutz betreiben“, meint Minthe.

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Besonders verwundert ihn die Kritik daran, dass eine Restfläche am Nordufer des Kiessees noch nicht abgebaut wurde, bevor man sich anderen Flächen zuwendet. „Diese Fläche hätte schon im Rahmen der letzten Genehmigung im Jahr 2005 beräumt werden können. Wir haben das aber unterlassen und den Wald erst 2019 aufgrund behördlicher Vorgaben gerodet“, erklärt Minthe. Kies sei an dieser Stelle noch nicht abgebaut worden, weil man bewusst die Förderung gedrosselt habe.

Dass die Stimmung nun hochkocht, erklärt er sich mit der Pandemie und das die Menschen generell einen anderen Blick auf ihre Umwelt gewonnen hätten. Das ändere aber nichts daran, dass sich auch der Kiesabbau in einem demokratischen Genehmigungsprozess unterwerfen müsse, dessen Ergebnisse dann aber auch verbindlich seien und allgemein akzeptiert werden müssten.

Strand und Totholzprojekt als Kompromissvorschlag.

Minthe wird im Gespräch nicht müde, immer wieder zu betonen, dass er an einer einvernehmlichen Lösungen interessiert sei und sich mit den Gegnern des Kieswerkes auseinandersetzen möchte. „Zu einer funktionierenden Demokratie in einer freiheitlich, pluralistischen Gesellschaft gehören Dialog und Diskussion“, stellt er klar.

Er könne sich vorstellen, einen „Kies-Stammtisch“ ins Leben zu rufen, um gemeinsam Argumente auszutauschen und Kompromisse zu finden. „Ich habe beispielsweise kein Problem damit, eine Millionen in die Hand zu nehmen, um ein Totholzprojekt zu finanzieren und am Kiessee ein gesicherten Badestrand einzurichten“, schlägt Minthe vor.

Eines ist sicher: Bekommt das Kieswerk die Genehmigung für die Erweiterung nicht, müsste der Abbau bald eingestellt werden. Der Kies auf den genehmigten Flächen reiche bei einer Förderung von 300.000 Tonnen im Jahr noch für fünf bis sechs Jahre. Mit der Erweiterung würde sich dieser Zeitraum um 15 Jahre verlängern.

Dass der Kiesabbau in Diersheim in den kommenden Jahrzehnten aufgrund des Widerstandes zum Stillstand kommt, kann sich Minthe durchaus vorstellen. „Wenn unsere Gesellschaft das beschließt, wird es genau so kommen“, sagt er. Dann würden aber noch mehr Schiffe mit Kies aus Schottland den Rhein hinauffahren, als es heute schon der Fall ist. Gut für das Klima wäre das dann aber nicht, so Minthe

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