Skip to main content

Verschiedene Berufsgruppen

„Mein Schreibtisch”: Vier bekannte Acherner zeigen ihren Arbeitsplatz

Kreatives Chaos oder eine aufgeräumte freie Fläche? Wie ein Schreibtisch aussieht, sagt angeblich viel über dessen Besitzer aus. Die Redaktion hat bei vier Menschen aus möglichst verschiedenen Berufsgruppen hinter die Kulissen geblickt.

Beamten-Schreibtische im Vergleich: bnn.de stellt unter anderem die Arbeitsplätze eines Polizisten und einer Schulleiterin vor. Foto: Stefanie Prinz

Für viele Menschen muss aufgrund von Corona seit Wochen oder Monaten sogar der heimische Ess- oder Wohnzimmertisch als Büro-Ersatz herhalten, in manchen Arbeitsbereichen gab es dagegen gar kein Home-Office. bnn.de hat bei vier Menschen aus möglichst verschiedenen Berufsgruppen hinter die Kulissen geblickt – die psychologische Schreibtisch-Analyse sei dem Leser allerdings selbst überlassen.

Die Künstlerin

Welcher Schreibtisch soll es denn sein? Juliane Wende hat nicht nur einen, sondern gleich mehrere: für jeden Bereich ihrer Arbeit als Künstlerin – keine Spur vom klischeemäßigen kreativen Chaos. Wer ihr Atelier in Großweier betritt, in dem sie seit 1989 arbeitet, steht als erstes vor dem Tisch im „Staubraum“, wo geschweißt, mit Holz gearbeitet und eben gestaubt wird. „Hier stehen noch ein paar Altlasten aus vergangenen Projekten herum“, sagt sie und meint Eimer, Werkzeuge und Farbbehälter.

Ein Stockwerk darüber geht es in den Raum, „in dem sich der Geist entfalten soll“ – helfen könnte dabei auch die Schaukel, die da von der Decke hängt. An Arbeitstischen mangelt es hier nicht: Da ist der „normale“ Schreibtisch samt Computer, an dem zum Beispiel Bilder bearbeitet und Booklets aus Fotoprojekten erstellt werden. Wichtigster Gegenstand ist hier, neben der ritualmäßigen täglichen Kanne Tee, ein Füller: „Wenn ich einmal etwas unterschreiben muss, dann nur damit“, sagt Juliane Wende.

Die Künstlerin: Einen Zeichentisch, einen „normalen“ Schreibtisch (im Hintergrund) und noch mehr Arbeitstische zählt Juliane Wende in ihrem Atelier in Großweier. Foto: Stefanie Prinz

Ihre fast täglichen „Morgenzeichnungen“ türmen sich auf dem Ablagetisch. Noch im Entstehen sind die Bilder, die auf dem Zeichentisch daneben liegen: „Zwischendurch komme ich immer wieder her und arbeite daran weiter“, sagt sie, „vielleicht entsteht daraus ein Buch“. Neben den vielen angefangenen Bildern und Gläsern voller Pinsel und Tuschezeichner hat ein Gegenstand hier eine besondere Geschichte: Es ist der Kasten für Aquarellfarben, den ihr damaliger Zeichenlehrer ihr als 14-jährige Anfängerin gekauft hatte – mehr als 40 Jahre später verwendet sie ihn noch immer: „Da lasse ich auch niemand anderen dran“.

Der Revierleiter

Einen „typischen aufgeräumten Beamtenschreibtisch“ hat der Leiter des Acherner Polizeireviers. Das sagt Guido Kühn zumindest selbst: Hier steht, abgesehen von Rechner, Telefonanlage und etwas Grün wenig auf dem Tisch – interessanter wird es außenherum. Das wohl ungewöhnlichste „Ding“ hängt etwas versteckt gegenüber an der Wand und ist ein Geschenk von Kollegen: ein mit Goldfarbe angesprühter ausgestopfter Fasan, eine Anspielung auf Kühns Dienstgrad: Die Beamten im höheren Dienst würden intern gern „Goldfasane“ genannt,erzählt er, entsprechend der Farbe der Sterne auf den Schulterklappen.

Unter dem Tisch lagern in großen schwarzen Taschen Einsatzweste, Funk-Technik und Schutzausrüstung. Auch wenn sie, anders als an seinen früheren Dienststationen, heute nur noch höchst selten zum Einsatz kommen: „Ich habe die Sachen gern bei mir“, sagt Kühn, der das Revier mit den 70 Mitarbeitern seit Januar 2016 leitet, alles koordiniert, Einsatzlagen plant und das Revier nach außen repräsentiert – die meiste Zeit an genau diesem Schreibtisch.

Beamten-Schreibtische im Vergleich: bnn.de stellt unter anderem die Arbeitsplätze eines Polizisten und einer Schulleiterin vor. Foto: Stefanie Prinz

Auf dem findet sich auch Persönliches: ein weiteres Geschenk, nämlich ein Paar blaue Babysöckchen zur Geburt des Nachwuchses vor wenigen Monaten und eine Kaffeetasse mit dem Logo der „United Nations Police“, einem „Überbleibsel“ aus den Auslandseinsätzen, die Kühn unter anderem nach Afghanistan geführt haben. Der wohl meistgenutzte Gegenstand: ein kleiner Tischventilator.

Der Apotheker

Wenn es schnell gehen muss, wird an diesem Schreibtisch auch mal flott im Stehen gearbeitet: An der Verkaufstheke in der Acherner Stadt-Apotheke vorbei, gegenüber vom großen Medikamentenschrank mit den vielen Schublädchen, zieht sich ein langer Schreibtisch mit mehreren Arbeitsplätzen an der Wand entlang. Einer davon gehört Apotheken-Inhaber Axel Fels. Das eigentliche „Chef-Zimmer“ liegt am hinteren Ende der Apotheke – zu weit weg vom Geschehen, findet Fels: „Hier bekomme ich eher mit, was vorne vor sich geht, und bin auch schnell dort“.

Über seinen Tisch laufen Telefonate, Bestellungen, Bankgeschäfte und Rechnungen ebenso wie das Qualitätsmanagement – die wichtigsten Utensilien sind klar: Telefon (schnurlos) Smartphone und Laptop. Daneben der ein oder andere Stapel mit Unterlagen, die Wichtigsten hängen an einer Magnetleiste an der Wand – neben Fotos von Fels’ Kindern: „Das ist mir wichtig, man ist ja doch viel hier und verpasst zu Hause einiges“.

Der Apotheker: Vom Schreibtisch von Axel Fels sind es nur wenige Schritte bis zum Verkaufsraum der Stadt-Apotheke – an diesem Platz laufen die Fäden an Telefon und Laptop zusammen. Foto: Stefanie Prinz

Zwischen dem Rückraum hier und dem Verkaufsraum vorne wurde in der Corona-Hochphase eine Art „Hygiene-Schleuse“ eingerichtet und ständig desinfiziert. Seitdem gehören auch die Packungen mit Masken und Handschuhen zum Inventar auf dem Tisch. „Wir merken hier jetzt gerade selbst, welche Unterschiede es bei den verschiedenen Materialien überhaupt gibt“.

Die Schulleiterin

Dass mit der Pandemie gerade eine Ausnahmesituation herrscht, sieht man dem Schreibtisch von Daniela Gauglitz-Wehle an, denn auf dem Arbeitsplatz der Leiterin der Oberacherner Antoniusschule findet sich einiges, was es da vor Corona nicht gab – zum Teil Symbolisches: das Metermaß, weil Abstandmessen zum Beispiel im Lehrerzimmer noch immer aktuell ist, das Tablet, das inzwischen für Videokonferenz sehr viel öfter genutzt wird als früher, der „Maskenbutler“, an dem Stoffmasken aufgehängt sind, darunter auch eine mit dem Schullogo, und Reste von buntem Klebeband für die Abstandmarkierungen im Schulhaus – „in Grün und Orange, denn Rot war nirgendwo mehr zu bekommen“, sagt Daniela Gauglitz-Wehle, die die Schule im sechsten Jahr leitet.

Die Schulleiterin: Corona-Schutz ist weiter wichtig,auf Daniela Gauglitz-Wehles Schreibtisch zu erkennen an Maßband, Desinfektionsmittel und „Maskenbutler“. Foto: Stefanie Prinz

Fünf, sechs Stunden am Tag verbringt sie an diesem Schreibtisch, kümmert sich um die Umsetzung des Hygienekonzepts, um Absprachen für neue Stundenpläne (Welche Lehrer stehen jetzt überhaupt zur Verfügung?) und beantwortet Nachrichten besorgter Eltern: „Durch Corona ist meine Schreibtisch-Arbeit deutlich mehr geworden“, sagt sie. Damit die Situation für die Kinder verständlich wird, hat die Schule ein Hygiene-Video gedreht. Eine Filmklappe im Regal hinter dem Schreibtisch erinnert daran: „Das war auch nicht alltäglich für mich“.

nach oben Zurück zum Seitenanfang