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Rodeck als "Vital-Hotel"

Neue chinesische Schlossherrin von Kappelrodeck bleibt unbekannt

Eine chinesische Investorin will aus Schloss Rodeck ein "Vital-Hotel" machen. In Kappelrodeck kennt man die neue Besitzerin bisher nicht - „ich glaube erst daran, wenn es so weit ist“, sagt der Bürgermeister. Die Geschichte des Hauses ist lang und zuweilen verworren.

Das markante Gebäude ist für Kappelrodeck von großer Bedeutung – nicht nur deshalb wünscht sich der Kappelrodecker Bürgermeister, dass das Schloss gut erhalten bleibt und wieder für die Bevölkerung zugänglich wird. Foto: Archiv Rainer Obert

Schloss Rodeck ist wieder in neuen Händen: Eine chinesische Investorin hat das Kappelrodecker Kleinod gekauft und plant, daraus ein Hotel mit ambulanter medizinischer Betreuung und Restaurant zu machen. In der Gemeinde ist man davon verhalten begeistert: „Ich glaube erst daran, wenn es so weit ist“, sagt Bürgermeister Stefan Hattenbach. Der Umnutzung des Schlosses zum „Vital-Hotel“ hatte der Technische Ausschuss des Gemeinderats bereits Anfang Dezember bei einer Gegenstimme zugestimmt.

Seit dem vergangenen Sommer gehört das Schloss bereits der neuen Investorin – über die Kaufsumme ist ebenso wenig bekannt wie über Genaueres zur Person. Architekt Stefan Kölbel, der neben der für die Bauausführung zuständigen Wohnbaugesellschaft KöMak mit Geschäftsführer Arben Maksutaj die Kontaktperson für die Gemeinde ist, verrät nur so viel: Die Käuferin betreibe in China ein Kosmetikunternehmen, habe aber nichts mit anderen chinesischen Investoren im Schwarzwald zu tun.

Bürgermeister hat Käuferin noch nie gesehen

Sie habe einen Bezug zu Baden-Baden und „ein Faible für historische Gebäude“, sagt Kölbel, der wie Maksutaj in Kaiserslautern ansässig ist. Kappelrodeck scheint die neue Schlossherrin bisher ferngeblieben zu sein: „Wir kennen die Eigentümerin nicht und haben sie auch noch nie gesehen“, berichtet der Bürgermeister.

Chinesische Investoren im Schwarzwald

Der Schwarzwald scheint bei chinesischen Investoren ein beliebtes Pflaster zu sein: So wurde etwa das Schwarzwald-Sanatorium in Baiersbronn-Obertal 2014 von der chinesischen Young Merry Real International Group gekauft und ein Jahr später wiederbelebt. Deren Tochterunternehmen, die chinesische Firma Jolly One, die in den Bereichen Kosmetik und im weitesten Sinne Gesundheit unterwegs ist, machte das Haus zusätzlich 2016 zu deren Europa- und Deutschlandzentrale. Präsidentin ist die in China als Schönheits-Ikone bekannte Wenhong Yu, die HG Health GmbH betreibt die Klinik. Weniger erfolgreich ging ein Geschäft mit Fernost in Bad Rippoldsau-Schapbach aus: 2016 wurde bekannt, dass eine Investorengruppe um die Chinesin Yurong Chen 65 Millionen Euro in die alte Schwarzwaldklinik stecken und ein Wellnesshotel daraus machen will. Im Jahr 2017 allerdings stieg die Kölner Projektmanufaktur Grage aus dem Vorhaben aus, Planer und Investoren verklagten sich daraufhin gegenseitig. Seitdem liegen die Umbauprojekte auf Eis.

Der erste, im Gemeinderat bereits beschlossene Teil des gesamten Vorhabens sieht nach Angaben des Architekten vor, das eigentliche Schlossgebäude umzunutzen: Dort soll es drei Zimmer und zwei Suiten für Gäste geben, Arzt- und Behandlungszimmer sowie Büro-, Wohn- und Sozialräume für Mitarbeiter, außerdem den großen Saal für Empfänge oder Seminare. „Wir sind uns sicher, dass das Schloss Mitte 2020 eröffnet werden kann“, sagt Stefan Kölbel.

Hotel mit "kleinen Gesundheitschecks"

Für den zweiten Abschnitt des Vorhabens sind dagegen noch rechtliche Fragen zu klären, so der Planer. Vorgesehen ist dabei, dass das bestehende Nebengebäude des Schlosses um eine Etage aufgestockt wird. Dort soll dann das eigentliche Hotel mit 15 Zimmern einziehen. In dem „Hotel mit Vitalkomponente“ will man Gästen während ihres Aufenthalts „einen kleinen Gesundheitscheck“ anbieten, sagt Kölbel. Gemeint ist zum Beispiel die Messung von Vitalwerten oder das Erstellen von Ernährungsplänen, nach denen dann auch gekocht werde. Ein Arzt soll temporär vor Ort sein.

SONY DSC Foto: Archiv Obert

„Für die Umnutzung des Schlosses hatten wir einen separaten Bauantrag gestellt, der in Kürze genehmigt werden soll, beim Nebengebäude ist das alles noch offen.“ Bei diesem Teilprojekt gehe man daher von einer Eröffnung 2021 aus, so Kölbel weiter. Geplant sei außerdem ein Restaurant in einem neuen Gebäude. Auch ein Trauzimmer ist für die Planer denkbar. Unbeantwortet bleibt, wie schon in der Ratssitzung, die Frage nach der Zahl der Stellplätze für Autos: Die baurechtlichen Prüfungen stünden noch aus, so der Architekt: „Das Schlossareal hätte aber noch Flächen, die man als Parkplätze ausweisen könnte.“

Schloss Rodeck soll öffentlich zugänglich sein

Gaststätte wie Hotel sollen künftig öffentlich zugänglich sein, nachdem das Gebäude bisher als Privathaus genutzt worden war. Dass ihm das wichtig ist, betont auch der Bürgermeister, schließlich sei das Schloss von großer Bedeutung für die Bürger und den Tourismus.

Die Gemeinde hatte sich vor Jahren aufgrund der enormen Kosten für die Unterhaltung dagegen entschieden, es in die eigene Hand zu nehmen: „Die finanzielle Potenz für Denkmäler hat Kappelrodeck leider nicht. Auch ist es nicht ohne Weiteres als öffentliche Einrichtung wie als Rathaus oder Kindergarten zu nutzen“, so Hattenbach, dessen „Wunschvorstellung“ es wäre, wenn das Schloss dennoch in öffentliche Hand käme.

Gemeinde suchte selbst nach Käufern

„Wir haben mehr als mögliche 20 Käufer angeschrieben, zum Beispiel Institutionen wie die Staatlichen Schlösser und Gärten oder auch das Deutsche Jugendherbergswerk, wurden aber überall abgelehnt.“ Am wichtigsten sei der Gemeinde in der neuen Situation nun die „maximale Zugänglichkeit“ für Besucher und die Erhaltung des markanten Privatgebäudes – um Letzteres hätten sich aber bisher alle Vorbesitzer gut gekümmert, so der Rathauschef.

Um den Kappelrodeckern die Pläne für „ihr“ Schloss zu präsentieren, hat die Gemeinde eine Info-Veranstaltung angeregt; einen Termin gibt es noch nicht.

Reich verziert ist das Innere des 1880 von der Burg zum Schloss umgebauten Hauses – hier der Blick an die Decke des Rittersaals. Foto: Archiv Roland Spether

Das Schloss Rodeck hatte in seiner Geschichte schon viele Besitzer – zuweilen mit etwas undurchsichtigen Verhältnissen. Nachdem das Haus 25 Jahre lang dem Ortenaukreis gehört und als Pflegeheim genutzt wird, geht es 1998 überraschend für 1,2 Millionen D-Mark in die Hände des Acherner Geschäftsmanns Jürgen Enoch und seiner Frau Elvira, die darin Seminarräume einrichten. Die Schließung des Pflegeheims sorgt ebenso für Unmut in der Bevölkerung wie die vorgesehene Anlage von Parkplätzen.

An der Parkplatz-Frage scheitert letztlich eine geplante Gaststätte. Mehr als drei Jahre nach dem Verkauf wird 2002 die Renovierung mit einer großen Eröffnung beendet. Die Ruhe währt nicht lange im Kappelrodecker Kleinod, denn 2004 steht es, aus wirtschaftlichen Gründen, wie es heißt, wieder zum Verkauf: Das Schloss taucht in der Angebotsliste des Auktionshauses „Christie’s“ auf.

Kleinod hatte schon viele Besitzer

Wenige Jahre später kommt erstmals ein Name ins Spiel, den man in der Folgezeit noch öfter hören wird: Das Schloss soll 2009 an die in Moskau wohnende ehemalige Schönheitskönigin Natalia Kozitskaya verkauft werden. Für 4,65 Millionen Euro – zu teuer für die Gemeinde, die auf ihr Vorkaufsrecht verzichtet.

Kozitskayas Ehemann ist Igor Bakai, der mit Öl- und Gasgeschäften reich geworden und unter dem damaligen Präsidenten Leonid Kutschma Chef der ukrainischen Staatskanzlei gewesen ist. Im Zusammenhang mit den Besitzverhältnissen der Familie werden unter anderem das Hotel Bühlerhöhe, die ehemalige Grundig-Villa sowie das „Babo“-Hochhaus in Baden-Baden genannt.

Käufer blieb auch 2010 zunächst geheim

Wenige Wochen nach dem Bekanntwerden überschlagen sich die Ereignisse: Natalia Kozitskaya lässt den Vertrag platzen; als neuer Interessent wird der angebliche griechische Staatsbürger Igkor Bakaidis genannt. Der Preis liegt jetzt bei vier Millionen Euro. Nichtsdestotrotz brennt 2010 wieder Licht hinter den Schlossfenstern. Wer dort eingezogen ist, bleibt zunächst geheim, bis Bürgermeister Stefan Hattenbach der Kontakt zum neuen Eigentümer gelingt: Es ist der Ukrainer Vasyl Kozitzkyi.

Er will Kappelrodeck für sich und seine Frau Lilya Silchenko zum Erstwohnsitz und das Schloss der Öffentlichkeit zugänglich machen. Natalia Kozitskaya ist seine Tochter, sodass spekuliert wird, ob Kozitzkyi das Geld für den Kauf von seinem Schwiegersohn Bakai bekommen haben könnte.

Die ehemaligen Besitzer: Vasyl Kozitzkyiund seine Frau Lilya Silchenko 2010 vor dem Schloss. Foto: Archiv Obert

In jedem Fall bietet der neue Schlossherr Gesprächsstoff im Ort: Er kündigt ein Volksfest größer als die Münchener Wiesn an, und Mundartdichter Otmar Schnurr singt augenzwinkernd die ukrainische Nationalhymne, während Bürger kritisieren, die Gemeinde werfe sich dem neuen Einwohner an den Hals. Dieser steckt mehr als eine halbe Million Euro in die Sanierung des Gebäudes.

2012 scheint sich dann überraschend ein erneuter Verkauf anzubahnen: Schloss Rodeck taucht für 5,5 Millionen Euro auf verschiedenen Immobilienportalen auf – allerdings nicht wirklich zum Verkauf, sondern zur Marktanalyse, wie es heißt.

Zum Teil mysteriöse Geld- und Besitzverhältnisse

Ein Jahr später stellt sich heraus, dass das Schloss nach wie vor den Eheleuten Jürgen und Elvira Enoch gehört und nie in den Besitz der Ukrainer übergegangen ist. Der Grund: Die Abzahlung stockt, bei Rodeck genauso wie bei der Bühlerhöhe. Die familiären Verquickungen und der Geldfluss bleiben dubios: Das Geld soll aus den USA kommen, heißt es, die Zahlung läuft jedoch über die als Käufer eingetragene Firma Stuckeley Corporation mit Sitz in Panama.

Am letzten Tag der Zahlungsfrist überweist Vasyl Kozitzkyi doch die finale Rate in Höhe von einer Million Euro. Im Dezember 2019 liegt den Kappelrodecker Räten im Technischen Ausschuss der Bauantrag für die Umnutzung des Hauses zum „Vital-Hotel“ vor.

Auch in längst vergangenen Zeiten hatte die einstige Burg, die von Burkhard von Hohenrode, von Iberg, von Rodeck erbaut wurde, unzählige Besitzer, unter anderem den Markgrafen von Baden. Obergerichtsrats Friedrich Schliephacke baute das verwitterte Anwesen 1880 im Renaissance-Stil zum Schloss um. Schon damals gab es Kritiker, weshalb Schliephacke im Gärtnerhaus des Schlosses einritzen ließ: „Ich hab gebaut nach meinem Sinn, drum Leser geh nur immerhin. Wem die Bauart nicht gefällt, bau es besser für sein Geld.“

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