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Tag eins der Lockerung

Neustart nach Corona-Shutdown: So erleben die Einzelhändler in der Region die Wiedereröffnung

Wie reagieren die Menschen auf die Wiedereröffnung erster Ladengeschäfte in ihren Städten? Wie wirken die Lockerungen nach dem wochenlangen Shutdown wegen der Corona-Krise? BNN-Reporter haben sich umgesehen. Hier die ersten Eindrücke.

Zum Einkaufsbummel hier lang: Nach dem shutdwon haben sich die Einzelhändler in der Region für die Wiedereröffnung ihrer Läden präpariert. Foto: ts

Wie reagieren die Menschen auf die Wiedereröffnung erster Ladengeschäfte in ihren Städten? Wie wirken die Lockerungen nach dem wochenlangen Shutdown wegen der Corona-Krise? BNN-Reporter haben sich umgesehen.

In den Fußgängerzonen der Region herrscht am Montagvormittag wieder etwas mehr Betrieb als in den vergangenen Wochen. Die ersten Geschäfte haben nach der Zwangsschließung wieder geöffnet. Die Kunden kommen, aber noch verhalten.

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Mundschutz ist weit verbreitet. Nach dem wochenlangem Shutdown wegen der Corona-Krise dürfen seit diesem Montag viele Geschäfte im Südwesten wieder öffnen. Die Regelung gilt für kleine und mittelgroße Läden von bis zu 800 Quadratmetern Verkaufsfläche. Unabhängig von der Fläche dürfen auch Kfz-Händler, Fahrradhändler und Buchhandlungen am Montag wieder öffnen.

Toll, dass man wieder einkaufen kann.
Hannelore Hösch, Karlsruhe-Durlach

Cafés und Eisdielen dürfen jetzt, wie zuvor schon Gaststätten, außer Haus verkaufen. Büchereien können unter Auflagen wieder aufmachen. Voraussichtlich ab dem 4. Mai sollen auch Friseure ihre Dienste wieder anbieten können.

Corona-Krise: In Karlsruhe herrscht noch Skepsis und Zurückhaltung

In der Karlsruher City ist schon am Vormittag sichtbar mehr los als in den vergangenen Wochen. Unter den Einzelhändlern herrschen aber noch Skepsis und Zurückhaltung. Manche öffnen ihr Geschäft erst gar nicht, obwohl sie das dürften.

Andere haben ihre Öffnungszeiten deutlich verkürzt, sie wollen erstmal schauen, ob überhaupt Kunden kommen. Die Polizei zeigt massive Präsenz, fährt im Zehn-Minuten-Takt durch die Einkaufsmeile und die Nebenstraßen.

Beim Apple-Spezialisten Implement-IT stehen kurz nach Ladenöffnung um 11 Uhr zwei Kunden im Geschäft. "Mein Handy geht seit zwei Wochen nicht", erklärt ein Mann im mittleren Alter. Deshalb hat er sich bei der ersten Gelegenheit auf den Weg in die City gemacht. Ein Spuckschutz trennt die Verkäufer von den Kunden, auf dem Boden sind provisorisch Markierungen angebracht. "Wird alles nochmal überarbeitet", heißt es.

Bei Hergard ist man schon ein ganzes Stück weiter. Vor der Tür weist ein Hinweisschild im eigenen Design auf die Regeln hin: Abstand, Bodenmarkierungen, Desinfektionsmittel und Eintrittsmarken. Die liegen ein paar Schritte weiter, passend zum Kinderladen als Polizei- oder Affen-Emojis. "Wir haben das ganze Wochenende gearbeitet“, sagt Nici Gohl. „Wir sind superglücklich, dass es nun wieder los geht."

Von viel Arbeit kann auch Franceso Indirli berichten. Erst in diesem Jahr hat er seine kleine Eisdiele "Picco Lino" eröffnet. Drei Tage konnte er vor dem Corona-Lockdown verkaufen. "Als endlich klar war, dass es weitergeht, haben wir die ganze Nacht produziert", so Indirli.

In Karlsruhe-Durlach kehrt Stammkundschaft zurück

In der Durlacher Altstadt herrscht am Montag bereits um die Mittagszeit reger Betrieb. Etliche der inhabergeführten Geschäfte in der Fußgängerzone und am Altstadtring haben ihre Tore wieder geöffnet, die meisten Verkäuferinnen und zahlreiche Kunden tragen einen Mundschutz.

"Wir haben heute schon viele bekannte Gesichter gesehen, die gleich zur Wiedereröffnung in den Laden kamen", freut sich Verkäuferin Claudia Butzko im Damenmodegeschäft Nagel über die positive Resonanz von Seiten der Stammkundschaft. Gerade in einem Kleidergeschäft lege die Kundschaft großen Wert auf eine kompetente persönliche Beratung sowie das haptische Einkaufserlebnis.

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"Toll, dass man wieder einkaufen kann", sagt Hannelore Hösch, die sich mit einem selbst genähten Mundschutz auf die Suche nach passenden Oberteilen begeben hat.

Einen Mundschutz trägt auch Geschäftsführerin Sonny Volkmann im Spielwarenladen Bunter Hund. Angst vor einer Infektion mit dem Coronavirus hat Volkmann keine. "Aber wir dürfen auch niemanden anstecken", sagt die Spielwarenfachfrau. In den vergangenen Wochen hätten ihr viele Kunden aus der Nachbarschaft die Treue gehalten und Ostergeschenke bestellt.

Zickzacklauf in Pforzheim – Passanten halten Abstand

In der Pforzheimer Innenstadt fühlt es sich ein bisschen an wie zu früheren Zeiten, als es noch den klassischen Schlussverkauf gab. Es ist zwar nicht proppenvoll, aber wuselnde Betriebsamkeit herrscht dennoch in der Fußgängerzone, wo zuweilen Zickzacklauf angesagt ist, will man den gebotenen Abstand zu anderen Passanten einhalten.

In den Läden geht es weit disziplinierter zu. Sie sind gut vorbereitet. Bei Thalia wird schon gleich am Morgen viel lesehungrige Kundschaft bedient. Der Zustrom ist auf 80 Personen beschränkt. Damit es nicht mehr werden, steht eine junge Mitarbeiterin mit Mundschutz am Eingang und erklärt Ankommenden, von denen viele Mundschutz tragen, dass sie bitte eine Karte aus einem Korb nehmen mögen, die bei Verlassen des Geschäfts wieder abzugeben ist. "Es gibt kein Gedränge. Die Leute halten sich an die Abstandsregelung", erklärt Gülsüm Kilic.

Schlössle Galerie erlebt Ansturm trotz Covid-19

Im Bastelgeschäft am Marktplatz hat Filialleiterin Michaela Regelmann bereits am Samstag fleißig Einkaufskörbe desinfiziert. Einen – ohnehin nicht erwünschten  - Ansturm auf das Geschäft gebe es nicht. "Aber es ist schon was los."  Besonders gefragt ist am ersten Morgen nach dem Exit aus dem Shutdown  ein bestimmtes Produkt: "Viele wollen elastisches Gummiband, um sich selbst eine Maske zu basteln", sagt Regelmann.

Alle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus im Überblick

Vor der Schlössle Galerie warten manche Menschen zunächst unschlüssig, ob sie hinein gehen oder lieber noch warten wollen. Es ist schon einiges los, aber die Kunden verteilen sich auf die einzelnen Läden. Drinnen regelt ein fünfköpfiges Security-Team, dass alles geordnet zugeht. Am Eingang verteilen die Männer Mundschutzmasken. "Um halb zehn war schon ein richtiger Ansturm", erklärt ein Security-Mitarbeiter. Er und seine Kollegen hätten darauf geachtet, dass die Abstandsregelung eingehalten worden sei.

Rastatt: Läden setzen auf Abstandsmarkierungen und Spuckschutz

In Rastatt haben die Verantwortlichen in den meisten Läden auf die Schnelle Klebestreifen auf dem Boden vor ihrem Kassenbereich angebracht. Sie sollen den Mindestabstand zwischen Personal und Kundschaft sichern.

Abstand Corona Foto: Roland Rastätter

Desinfektionsmittel stehen fast überall bereit, ebenso gibt es an vielen Tresen einen Spuckschutz. In dessen Ausführung zeigen sich die Inhaber durchaus kreativ. So hat sich Hubertus Grafe von Foto Grafe selbst einen entsprechenden Schutz gebastelt.

"Die Scheibe habe ich aus dem Baumarkt, die kostet zehn Euro. Dann ein Bilderrahmen drum herum, fertig", erzählt er im Gespräch. Bei Papier Fischer behilft sich die Angestellte Bärbel Früh am Montagmorgen noch mit einem durchsichtigen Gesichtsschutz aus PVC. Laut Früh wird die Chefin aber bereits am Nachmittag eine Plexiglasscheibe montieren. Und um genügend Mundschutzmasken vorrätig zu haben, hat Sabine Karle-Weiler von Senger Mode eine Näherin mit der Herstellung beauftragt.

Baden-Baden: Irritation in großen Geschäften

In Baden-Baden zeigen sich die Betreiber der Einkaufszentren. Viele ihrer eingemieteten Händler dürfen nach der Landes-Verordnung wieder öffnen. Das Fazit der ersten Öffnungs-Stunden zeigt bislang, dass es nicht zu überfallartigen Massen-Einkäufen kommt und dass Kunden und Mitarbeiter sich äußerst bedacht und diszipliniert verhalten, berichtet der Manager der Shopping Cité.

Trotzdem zeigen er und Franz Bernhard Wagener, Inhaber von Mode Wagener und Wagener Galerie, sich irritiert und können die Begrenzung auf Geschäfte mit einer Fläche von unter 800 Quadratmetern nicht nachvollziehen. Gerade Wagener findet die Regelung unglücklich: "Die größeren Häuser können viel eher die Abstandsbedingungen erfüllen", sagt er.

In der Fußgängerzone in Baden-Baden herrscht reges Treiben. Die Kurstädter lassen sich die Chance nicht entgehen, die teilweise wiedergeöffneten Läden der Langestraße zu besuchen: mit oder ohne Atemschutzmasken.

Marco Caimme, Besitzer der Eisdiele Crema Gelato, ist froh über den Andrang der Baden-Badener. Der Italiener berichtet von zahlreichen Bestellungen in der vergangenen Woche - egal ob per Whatsapp-Nachricht oder Anruf. Dennoch ist er erleichtert, dass der Verkauf vor Ort wieder anlaufen darf. Mit Abstandsmarkierungen vor dem mit Schutzglas ausgestatteten Tresen hofft er darauf, viele Kunden mit seinem Eis "glücklich zu machen". Christiane Sanner hat den Tag genutzt, um sich in einer Tchibo-Filiale Kaffeepulver zu kaufen.

Hektische Stimmung in Achern

"Nahezu alle berechtigten Einzelhandelsgeschäfte" haben in Achern am Montag nach Angaben der Stadtverwaltung wieder ihre Türen geöffnet. Auch wenn einzelne Fußgänger schon wieder mit Einkaufstüten bepackt unterwegs waren, ging es in der Acherner Hauptstraße vergleichsweise ruhig zu.

Eine hektische Stimmung und "extreme Unruhe" beobachtete dagegen Ulrike Keller von der "Phocus Fotowelt" an diesem ersten Öffnungstag bei den Kunden: "Ich hoffe, das normalisiert sich bald", sagt sie.

Über das Wochenende habe sie sich "sehr schnell schlaumachen" müssen, wie die Öffnung zum Wochenbeginn realisiert werden kann, berichtet Ursula Hund-Vogt vom Geschenke-Laden "Villa Kunterbund".

Die kurzfristige Bekanntgabe der neuen Regelungen kritisiert auch Acherns Oberbürgermeister Klaus Muttach: Es sei "leider zur Übung der Landesregierung geworden, die jeweilige Aktualisierung der Corona-Verordnung über Nacht zu verfügen, die Kommunen müssen dann sehr kurzfristig die Umsetzung organisieren".

Gute Kundenfrequenz in Bruchsal

"Hier drinnen trage ich zum ersten Mal eine Maske beim Einkaufen, eine Premiere", sagt Eva Goroll. An der mit Plastikscheibe abgetrennten Kasse von Bärle am Friedrichsplatz Bruchsal, freut sich die Bruchsalerin sehr, dass rundum Einkaufen wieder möglich ist. Und sie hatte auch telefonisch bestellt beim Geschäft für Haushaltwaren, Geschenke und Wohnen und geduldig gewartet.

Im Schuhhaus Berg in Bruchsal kann ebenfalls wieder geshoppt werden. Maximal neun Kunden dürfen gleichzeitig im Laden sein. Beim beraten tragen die Angestellten einen Mundschutz. Foto: ts

Überrascht von gleich hoher Kundenfrenquenz zeigt sich Andrea Mergenthaler von der Geschäftsleitung Bärle. Bummeln im Laden geht nun per Einbahnstraßenregelung, die mit Pfeilen markiert ist. Außerdem dürfen sich auf den drei Etagen maximal 15 Kunden aufhalten.

Wieder zurück im Leben zu sein, ein Stück Normalität erfahren zu dürfen, das tut richtig gut.
Rebekka Mack, Bruchsal

"Ich fühle mich einfach bombastisch" sprudelt Rebekka Mack spontan heraus, die gerade die Buchhandlung Wolf mit ihrer Tochter Ronja verlassen hat. Wieder zurück im Leben zu sein, ein Stück Normalität erfahren zu dürfen, das tue richtig gut.

"Ich fühle mich einfach bombastisch" sprudelt Rebekka Mack spontan heraus, die gerade die Buchhandlung Wolf mit ihrer Tochter Ronja verlassen hat. Foto: lie

In der Buchhandlung Wolf trägt die diensthabende Johann Lammert-Bohnenkamp bewusst eine bunte Maske – "das ist doch schöner für Kinder, wenn sie mit den Eltern kommen." Die Buchhändlerin steht an der Kasse zusätzlich hinter einer selbstgebauten Scheibe mit Holzrahmen.

Um die Laufwege zu steuern hat Bernd Braunbarth, Chef einer Bruchsaler Buchhandlung, sogar einen Hinterausgang durch einen Nebenflur angelegt. Normalerweise hat das Bruchsaler Bekleidungsgeschäft Tom Dedic Männersachen montags gar nicht offen. Aber die neue Freiheit wollte sich der Inhaber nicht entgehen lassen und hat über alle Kanäle das sofortige Wiederanfahren verbreitet. Die Sommerware wartet seit vier Wochen auf die vielen Stammkunden.

Impressionen aus Kirrlach

Im 400 Quadratmeter großen "Frauenzimmer" in Kirrlach werden jeweils nur 20 Personen inklusive dem Personal eingelassen. Inhaberin Nicole Köhler hatte in den zurückliegenden Wochen über Facebook täglich drei neue Outfits angeboten und bei Bedarf auch ausgeliefert.

"Das wurde von meinen Kunden sehr gut angenommen, wobei sich einige gestern bei der Wiedereröffnung mit Blumen und Pralinen hierfür persönlich bedankt haben", sagt die Frauenzimmer-Chefin.

Eine Situation wie in den letzten Wochen haben die Schwestern Sabine Müller und Jutta Oechsler vom Modegeschäft Sabine-Moden in den zurückliegenden 36 Jahren noch nicht erlebt. Eine kleine feine Auswahl an Damenoberbekleidung bietet in Kirrlach die Boutique Modewerk von Miriam Ellinghaus an. Das Brautmoden-Fachgeschäft Nicole musste wegen Corona sogar das 30. Jubiläum am 31. März ausfallen lassen.

In Bühl ist wieder Bewegung in der Stadt

Mit ihrem Fahrrad steht Claudia Kraus vor der Buchhandlung Osiander in der Hauptstraße in Bühl. Sie bereitet sich auf ihren ersten Einkauf im Büchergeschäft seit Mitte März vor. "Ich hole meine Bestellung ab und stöbere bei den Neuerscheinungen", sagt sie, "das hat mir gefehlt". Weil sie unheimlich gerne liest, sei die Buchhandlung das erste Ziel gewesen, das sie am Morgen der Ladenöffnungen in der Stadt ansteuerte.

Angespannt aufgrund der Abstands- und Hygienemaßnahmen ist sie nicht: "Ich nehme das eher locker", erklärt sie. "Endlich ist wieder Bewegung in der Stadt", freut sich Karin Coratella. Sie trägt einen Mundschutz und ist mit ihrem Mann in der Hauptstraße unterwegs. Die Einseitigkeit in der Innenstadt durch die Ladenschließungen sei auffällig gewesen, sagt sie. Der erste Anlaufpunkt am Montagmorgen sei das Raiffeisen Gartencenter gewesen.

"Wir erfahren sehr viel Akzeptanz, was die Einhaltung unserer Vorschriften angeht", erklärt Tina Schröder, die in der Parfümerie Mendorf in der Schwanenstraße arbeitet. Viele Kunden seien vorsichtig und warteten auch kurz vor der Tür, wenn sie darauf hingewiesen würden. Drei Personen dürfen sich zeitgleich in der Parfümerie aufhalten. Schröder bringt die Produkte auf Anfrage auch gerne in den Eingangsbereich. Auch eine Lieferung nach Hause mit Bestellung vor Ort ist möglich.

Wir erfahren sehr viel Akzeptanz, was die Einhaltung unserer Vorschriften angeht.
Tina Schröder, Parfümerie Mendorf Bühl

Klaus Troll hat sein Feinkostgeschäft "Dreikäsehoch" erst in diesem März eröffnet. Die Vorfreude am ersten verkaufsoffenen Sonntag war groß, als die Kunden das Geschäft geradezu stürmten, erinnert sich Troll. "Auch die erste Woche war schön – dann kamen die Beschränkungen", erklärt er.

Schuhläden in Langensteinbach freuen sich über Öffnung

"Die Füße der Kleinen sind auch jetzt gewachsen, sodass wir mit einem guten Geschäft rechnen", so Diana König. Im Langensteinbacher Gewerbezentrum Schießhüttenäcker freut man sich bei der Schuhfirma Eco wieder öffnen zu dürfen. Dies obwohl man sehr gute Erfahrungen mit dem Online-Handel gemacht habe.

In den vergangenen Woche habe man mit steigender Tendenz Schuhkartons zum Versand zur Post gebracht. "Es ist keine Frage, dass der persönliche Kundenkontakt nicht zu ersetzen ist“, so Florian Taller, Inhaber von "Imi-Moden" am Waldbronner Rathausmarkt.

Taller hat seinen vielen Stammkunden während der Schließphase "Imi-Aktien" für 220 Euro Garantie-Wert angeboten, die guten Absatz fanden. Der Kunde überwies pro Aktie nur 200 Euro und kann jetzt mit dem "Aktien-Wert" für 220 Euro einkaufen.

Die Firma Polster Otten in Malsch ärgert sich darüber, dass sie noch nicht öffnen darf, weil sie eine zu große Verkaufsfläche hat. Dabei würde sie gerne während der Corona-Krise ihre Verkaufsfläche auf 800 Quadratmeter reduzieren, um zumindest ihr Geschäft wieder zu öffnen. Im benachbarten Rheinland-Pfalz sei dies möglich.

Neustart der Geschäfte in Gaggenau und Gernsbach

Morgens wieder die Tür zu ihrer Jeans Box aufschließen zu dürfen, "das ist ein herrliches Gefühl", sagt Geschäftsinhaberin Melitta Strack, die auch Sprecherin der Werbegemeinschaft Gaggenau ist. Entspannt sei es zugegangen nach dem kleinen Exit aus dem Mitte März verhängten Shutdown.

"Wir sind zu dritt da, um zu helfen und Sorge zu tragen, dass die Kunden so wenig wie möglich warten müssen", sagt sie. 15 Personen dürfen sich maximal in ihrem 300 Quadratmeter großen Laden aufhalten. Es gibt wegweisende Fußstapfen auf dem Boden, Handschuhe sowie Einwegmasken liegen bereit. Sie zu tragen ist keine Pflicht, aber die Kunden würden das sehr gerne annehmen, sagt Melitta Strack.

Einzelne Geschäfte haben unter strengen Vorschriften wieder geöffnet. In den Tchibo in Mühlburg dürfen maximal vier Kunden. Foto: Rastätter

"Für die Unternehmen ist es schon gut und notwendig, dass sie wieder öffnen können", betont der Gaggenauer City-Manager Philipp Springer. Die Leute seien sehr diszipliniert unterwegs und er hoffe, dass die Hygienemaßnahmen greifen. Was die Flächenregelung angehe, da hätte man eine andere Möglichkeit finden können, gerade für Kleinstädte sei die eine Benachteiligung.

Den Rückmeldungen zufolge, dürften aber laut Springer in Gaggenau "soweit alle Geschäfte wieder offen haben" – bis auf den Möbelmarkt in Ottenau, das City-Kaufhaus (geöffnet sind weiterhin nur die Post und die Abteilung Süßwaren/Zeitschriften/Zigaretten) und das Modehaus Z. Müller.

"Das ist schon Wahnsinn", meint Geschäftsführer Dominik Müller. Seit der Schließung am 18. März haben wir 95 Prozent Umsatzeinbußen.“ Im Street-One-Store (100 Quadratmeter) ist der Verkauf nun wieder angelaufen, mehr als zwei Kunden dürfen nicht gleichzeitig rein.

Man merkt, die Leute kaufen nur das Notwendigste.
Ernst Fischer, Sporthaus Fischer

Das über 1.000 Quadratmeter große Haupthaus mit vier Halbetagen ist dagegen weiter dicht. Dabei hätte man hier gut einzelne Bereiche absperren und die Laufwege besser handhaben können. Oder nur das Erdgeschoss mit 300 Quadratmetern geöffnet, meint Müller. Dennoch habe er Verständnis für die Regelung. "Egal wie die ausgefallen wäre, es hätte immer Unzufriedene gegeben."

"Leute sind da, aber die Geldbeutel bleiben zu", beschreibt Ernst Fischer vom Sporthaus Fischer mit Filialen in Gernsbach und Gaggenau den Neustart. "Wer will denn jetzt ein neues T-Shirt?", fragt Janine Gerloff, Inhaberin von Janine’s Moden in Gernsbach. Januar und Februar lief es schlecht, dann habe das Geschäft angezogen – bis zur Corona-Krise. Ihr dürfte ein halbes bis dreiviertel Jahr an Umsatz fehlen.

"Man merkt, die Leute kaufen nur das Notwendigste", sagt Ernst Fischer. Es werde noch einige Wochen dauern, "bis wir das Niveau erreichen, das wir bräuchten", vermutet er. Dennoch sei er "sehr optimistisch".

Nur wenig Passanten in Brettener Fußgängerzone

Beschaulich geht es zu in der Brettener Fußgängerzone. Wo sonst um die Mittagszeit der Bär steppt, flanieren nur wenige Passanten. Dass der Einzelhandel wieder geöffnet hat, lockt nur wenige Kunden in die Innenstadt.

Die Geschäftsinhaber sind dennoch alle froh, dass sie die vierwöchige Durststrecke der Schließungszeit überstanden haben. "Wir hatten auf das Ostergeschäft gehofft und dafür in Bayern noch Ware eingekauft, aber das fiel aus", sagt Daniela Mössner. Bei ihr gibt es alles rund ums Bad zu kaufen, nur ein Kunde erschien am Vormittag.

Gute Frequenz bei Schuhmode Noll

Bei Schuhmode Noll tut sich mehr. Familie Wolf aus Diedelsheim hat gerade Sandalen für die Kinder gekauft. "Wir hätten auch online bestellen können, doch wir wollen den örtlichen Handel unterstützen", erklärt der Familienvater. Filialleiterin Helga Veit freut sich, dass ihr Geschäft wieder offen hat. Doch mit der Corona-Bedrohung im Nacken, mit Schutzmaske, Schutzschild und Desinfektionsmittel fühlt sich das Verkaufsgeschäft doch anders an.

"Der Umsatzausfall war verkraftbar" sagt Marcus Knodel vom Schmuck- und Trauringstudio, der am Vormittag schon einige Kunden bedient hat. Als "wirtschaftlich herb" empfand Andreas Drabek vom Modehaus Martin die Zwangspause, doch man sei guter Dinge. Der Liefer- und Telefonservice werde gut angenommen, auch wenn man mit angezogener Handbremse unterwegs sei.

"Alles wird darauf ankommen, auf welchem Niveau sich die Umsätze kurz- mittel- und langfristig einpendeln werden", erklärt der Geschäftsmann. Seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden wohl noch das ganze Jahr in Kurzarbeit sein. Er hat auch Unterstützung beantragt und 15.000 Euro bekommen. "Das hat uns über die eine oder andere Klippe geholfen", sagt er.

Wir hätten auch online bestellen können, doch wir wollen den örtlichen Handel unterstützen.
Familie Wolf aus Diedelsheim

"Gesundheit gut – Geschäft schlecht": So lautet das Fazit von Phi Pham, die in der Fußgängerzone das Tee- und Feinkost-Geschäft Terrona betreibt. Die Kunden seien froh, dass der Laden wieder offen sei. Online-Bestellungen haben es in den vergangenen vier Wochen keine gegeben. Auch sie habe staatliche Unterstützung beantragt, der Vermieter sei ihr mit 20 Prozent Nachlass entgegengekommen.

In der Weishofer-Galerie herrscht nur dürftiger Publikumsverkehr. In der Mittagszeit herrscht in der Osiander Buchhandlung gähnende Leere. Das Modegeschäft Schwesterherzen im Untergeschäft öffnet erst am Mittwoch die Glastüren. Wie auch einige andere Läden in der Fußgängerzone. Lediglich "denn’s Biomarkt" ist gut frequentiert.

Als anstrengend und schwierig empfand Karin Kuhn-Zorn von der Blumenwerkstatt Calla & Co. die vergangenen Wochen, die Unsicherheit sei groß. "Treue Stammkunden haben das Geschäft über Wasser gehalten", berichtet sie, denn auch Beerdigungen seien komplett ausgefallen.

Musikunterricht per Skype hilft Musikcenter Winkler

Ein besonderes Problem stellt sich für das Musikcenter Winkler. Da der Verkauf von Noten und Instrumenten eng mit dem angegliederten Musikschulbetrieb verbunden ist, lief in den vergangenen Wochen nicht viel. "Doch die Eltern verhielten sich sehr solidarisch, so dass wir fast den ganzen Musikunterricht online per Skype geben konnten", erklärt Ronny Winkler. Er hofft, dass er ab 4. Mai wieder unterrichten darf, für jeden Schüler und seinen Lehrer hätte er ein Zimmer mit ausreichend Platz.

In der Buchhandlung Kolibri laufen noch die Vorbereitungen für die Öffnung am Dienstag. Die Einbußen seien nicht ganz so schlimm wie befürchtet ausgefallen, sagt Inhaberin Ulrike Müller, die ihren Lieferservice beibehalten will.

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