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Mikrofon statt Kochlöffel

Olivier Ernenwein überrascht seine Gäste in der Oberacherner Linde mit seinem Gesang

Seit Kurzem kocht Olivier Ernenwein im Gasthaus Linde in Oberachern und kann dort sein besonderes Talent zeigen: Er singt. Ernenwein stammt aus dem Elsass und lebt in Ottenhöfen.

Olivier Ernenwein gibt in der Linde in Oberachern am Ende eines Livemusik-Abends ein Lied zum besten und bekommt als „singender Koch” viel Applaus. Foto: Michaela Gabriel

„Voyage, voyage“ singt Olivier Ernenwein und sofort klatscht das Publikum mit. Groß ist die Spannung im Gasthaus Linde in Oberachern, wenn samstagabends in der Dunkelheit der Koch in seiner weißen Jacke aus der Küche kommt, ein Mikrofon in die Hand nimmt und auf die Bühne tritt. Die Überraschung ist jedes Mal perfekt, denn er singt richtig gut.

Inzwischen wissen die Linde-Stammgäste: Wenn am Wochenende Live-Musik auf der Bühne der Gartenwirtschaft in der Johannesstraße ist, dann gibt es am Ende ein Lied vom Koch.

Ob „Voyage, voyage“, „Walking In Memphis“ oder „Comme d’habitude“ („My Way“) – er bekommt dafür immer begeisterten Applaus. Olivier Ernenwein ist ein Naturtalent. Doch sein Beruf als Koch lässt sich mit dem Singen normalerweise nicht verbinden.

Ich bin ein Gastronomiekind.
Olivier Ernenwein

„Ich bin ein Gastronomiekind“, erzählt der 50-Jährige im Gespräch mit dieser Zeitung. Von Kindesbeinen an habe er im Lokal seiner Eltern im elsässischen Mietesheim mitgeholfen.

Mit 16 Jahren ging er in Mommenheim in die Lehre, mit 20 kochte er auf der Unterstmatt an der Schwarzwaldhochstraße, später im Gasthaus „Drei Könige” in Renchen-Erlach, in der Talmühle in Sasbachwalden und im Gasthof Engel in Nesselried.

Doch von Kindesbeinen an sang er auch. „Mit zwei Jahren habe ich daheim auf dem Tisch gestanden und ,Junge, die Welt ist schön’ gesungen“, weiß er von seinen Eltern.

Teilnahme an Karaoke-Wettbewerben am Bodensee

Wenn in ihrem Lokal Hochzeiten gefeiert wurden, stimmte er bei den Musikern mit ein. In jedem Urlaub mit der Familie in Spanien oder Italien suchte er sich eine Bühne und imitierte Michael Jackson und andere Stars.

Während er am Bodensee arbeitete, nahm er einmal im Jahr am Karaoke-Wettbewerb einer Diskothek teil. „Da habe ich zehnmal hintereinander gewonnen“, erinnert er sich.

Auch mit seiner Kochkunst gewann er Preise, etwa für sein Gericht „Lachs und Zanderfarce mit Sauerkraut im Blätterteig“. Es steht in der Linde in Oberachern auf der Speisekarte, seitdem er dort im Mai angefangen hat.

Sein Gesangstalent zu nutzen, gelang ihm wegen seiner zweiten Leidenschaft für das Kochen nie so richtig. „Ich war kurz in Chören Mitglied, aber das ging nicht. Immer wenn Proben und Auftritte waren, habe ich gearbeitet.“

Gesungen wird nebenbei

Deshalb singt der Elsässer normalerweise nur nebenbei: beim Kochen, für seine Familie und „besonders laut und gern zu Queen im Auto – mit offenen Fenstern“. Marc Cohn und Jean Jacques Goldmann sind seine stimmlichen Vorbilder.

„Das geht mir bis ins Mark“, schwärmt er. Seine eigene Stimme klingt ähnlich warm und gefühlvoll, ob in französischer, englischer oder deutscher Sprache.

Seitdem sein neuer Arbeitgeber ihm die Bühne im Linde-Garten am Ende jedes Livemusik-Abends überlässt, darf er das endlich öffentlich zeigen.

„Hier kann ich zum ersten Mal singen und kochen“, freut sich der Ottenhöfener. Die Band „onderschd covered“ bot ihm an, einmal gemeinsam aufzutreten – worauf sich der singende Koch schon riesig freut.

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