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Rückblick auf das Corona-Jahr

Revierleiter von Achern und Oberkirch über Einbrüche: „Schwerwiegendes Ereignis für Betroffene“

Mehr Menschen halten sich zu Hause auf, also wird dort weniger eingebrochen: Das klingt logisch, entspricht aber nicht ganz der Realität. Der Leiter des Polizeireviers Achern/Oberkirch Guido Kühn spricht über den Einfluss der Pandemie auf die Zahl der Einbrüche.

Je schwerer Tätern der Einbruch gemacht wird, desto besser sind die Bewohner geschützt. Foto: Silvia Marks/dpa

„Bleibt zu Hause“ ist während der Pandemie beinahe so etwas wie ein geflügeltes Wort geworden.

Wenn mehr Häuser und Wohnungen als sonst nun auch tagsüber belebt sind, liegt die Vermutung nahe, dass eine „Berufsgruppe“ in dieser Zeit in die Röhre schaut: die Einbrecher.

Was an dem Gedanken dran ist, erklärt der Leiter des Polizeireviers Achern/Oberkirch, Guido Kühn, im Gespräch mit Redakteurin Stefanie Prinz.

Guido Kühn ist der Leiter des Polizeireviers Achern/Oberkirch. Foto: Roland Spether

Man könnte vermuten, dass Einbrecher seit Corona weniger Gelegenheiten haben, zuzuschlagen, weil viele Menschen sich mehr in den eigenen vier Wänden aufhalten. Stimmt das?
Kühn

Das lässt sich mit einem klaren Jein beantworten. Es ist einerseits einleuchtend, dass, wenn die Leute wirklich mehr zu Hause sind, dann dort auch weniger eingebrochen wird. Aber die Einbruchszahlen sind insgesamt rückläufig, und man kann dabei keine Auffälligkeiten erkennen, die unbedingt auf die Pandemie und die Maßnahmen dagegen zurückzuführen wären, denn trotzdem gehen ja immer noch viele Menschen ihrer Arbeit außerhalb der eigenen Wohnung nach oder sind generell tagsüber unterwegs.

Wie sieht die Tendenz bei den Einbruchszahlen aus?
Kühn

Die Einbrüche gehen seit einigen Jahren kontinuierlich zurück, wir lagen da 2020 ungefähr auf demselben niedrigen Niveau wie 2019, was in dieser Hinsicht ein sehr gutes Jahr war (siehe Hintergrund). 2019 war das Virus noch nicht hier, deswegen müssen die zurückgehenden Fälle nicht unbedingt etwas mit den Corona-Maßnahmen zu tun haben, sondern haben wahrscheinlich mehrere Hintergründe: Man hat vonseiten der Polizei viel getan, ist zum Beispiel in Wohngebieten Streife gefahren, man hat Öffentlichkeitsarbeit betrieben und Warnhinweise gegeben. Und die Gesetzeslage wurde geändert: Die Strafandrohung für Einbruch wurde inzwischen erhöht. Das alles hängt zusammen und sorgt dafür, dass die Zahlen rückläufig sind, und zwar überall, nicht nur auf Achern bezogen. Obwohl Einbrüche nur einen sehr kleinen Anteil aller Straftaten ausmachen, ist das für uns trotzdem ein großes Thema, denn für den einzelnen Betroffenen ist das natürlich ein sehr schwerwiegendes Ereignis.

Schlägt sich bei den Zahlen in irgendeiner Form nieder, dass auch das Grenzgebiet während der Pandemie stärker kontrolliert wird?
Kühn

Für den Revierbereich Achern kann man dazu wenig sagen. Was in die Richtung gehen könnte: Im Bereich Oberkirch hatten wir im Frühjahr 2020 vermehrt Einbrüche in Vereinsheime. Solche temporären Häufungen in einem bestimmten Gebiet lassen sich teilweise auf reisende Einbrecher zurückführen, die ein paar Tage in einem bestimmten Bereich unterwegs sind und dann weiterziehen.

Im weitesten Sinn in Richtung Einbruch gingen kürzlich Fälle in Kappelrodeck, bei denen jemand Dinge aus nicht abgeschlossenen Garagen und offenen Autos gestohlen hat.
Kühn

In dem Fall ist vermutlich eine Person immer wieder die Straßenzüge abgegangen und hat versucht, die Autos zu öffnen. Wir waren da zwar noch nicht erfolgreich, haben aber vielversprechende Ermittlungsansätze.

Nach einem Einbruch ist für die Betroffenen gefühlt nichts mehr, wie es vorher war. Wie kann man mit so einem Erlebnis umgehen?
Kühn

Ein Einbruch ist ein Eingriff in die intimste Privatsphäre. Wenn die psychische Belastung nach so einem Vorfall zu groß wird, sollte man ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen und sich gegebenenfalls an den Weißen Ring wenden: Die Organisation kümmert sich um Opfer von Straftaten und kann Betroffene weitervermitteln. Alle Geschädigten bekommen von der Polizei ein schriftliches Beratungsangebot, in dem es gerade um sicherheitstechnische Aspekte geht. Das ist zum einen präventiv für Menschen gedacht, die sich für Einbruchschutz interessieren, zum anderen kann es im Nachhinein unterstützen, damit so etwas nicht noch einmal passiert.

Wie kann man sich schützen?
Kühn

Die Menschen können selbst einen Beitrag leisten, damit ein Einbruch gar nicht erst passiert oder im Versuchsstadium stecken bleibt: Wenn ein Einbrecher es nicht gleich schafft, in ein Objekt hineinzukommen, bricht er nach kurzer Zeit ab. Die Gefahr, entdeckt zu werden, ist sonst zu groß. Je schwerer es den Tätern also gemacht wird, umso kleiner ist die Wahrscheinlichkeit, Opfer eines Einbruchs zu werden. Was man tun kann: Türen und Fenster schließen, Sicherungen und Alarmanlagen verbauen und nicht den Eindruck erwecken, abwesend zu sein.

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