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Stille in der Kulturbranche

Sänger aus Achern vermissen das Rampenlicht

Die Veranstaltungsbranche liegt immer noch brach. Sängern aus Achern und der Region bleibt nur die Hoffnung, in diesem Jahr wieder auf einer Bühne stehen zu dürfen.

Leidenschaftlich: Rina Späth konnte bisher nur einmal mit der Big Band der James-Bond-Tribute-Konzertreihe auf der Bühne stehen. Die Folgetermine mussten alle verschoben werden. Foto: Ellen Matzat

Die Generalprobe mit der großen Big Band, das Lampenfieber kurz vor Beginn der Show und der Applaus des Publikums – davon lebt Rina Späth. „Dafür bin ich da“, sagt die Jazz-Sängerin. Seit ihrem letzten Auftritt sind Wochen vergangen, seither ist es still geworden. Die Veranstaltungsbranche liegt aufgrund der Corona-Pandemie weitestgehend brach. Die Sänger Rina Späth und Hans Denk erklären, wie sie die musikalische Durststrecke erleben.

Für Späth war schon früh klar, dass sie im Rampenlicht stehen möchte. Ihre siebenjährige musikalische Ausbildung hat sie in Kasachstan abgeschlossen. Auf den Gesang und das Klavierspielen habe sie sich fokussiert, sagt sie.

Als sie mit 13 Jahren nach Deutschland zog, musste sie sich zuerst einmal an die neuen Gegebenheiten gewöhnen und sich finden. Eine neue Sprache lernt sich eben nicht mal so schnell nebenher: Die Musik sei in den Hintergrund gerückt, sagt sie.

Sängerin muss auf finanzielle Rücklagen zurückgreifen

Seit 2015 kann sie ihrer Leidenschaft jedoch wieder professionell nachgehen. Neben ihren Solistenprojekten unterrichtet sie an der Musikschule in Bühl. Auch bei Hochzeiten sei sie aufgetreten. „Das macht mich glücklich“, so Späth. Das aber ist alles weggebrochen.

Derzeit hangelt sie sich von Corona-Hilfe zu Corona-Hilfe. Ihre finanziellen Rücklagen habe sie bereits anbrechen müssen. „Mir steht das Wasser bis zum Hals“, sagt sie. Was ihr jedoch noch mehr zu schaffen macht, ist das psychische Leid. „Wir dürfen nicht das machen, wofür wir eigentlich da sind“, betont sie. Die Acherner Kreativschmiede Schwarzwoodmädl ist für sie eine Art Rettungsanker.

Wir dürfen nicht das machen, wofür wir eigentlich da sind.
Rina Späth, Sängerin

Gemeinsam mit Kulturmanager Olaf Fütterer organisiert Späth Musikprojekte wie auch das James-Bond-Tribute-Konzert. Die letzte und bislang einzige Aufführung mit Big Band fand in der Stadthalle Freistett im vergangenen September statt. Veranstaltungen in Straßburg und Karlsruhe mussten bereits verschoben werden. Die leidenschaftliche Sängerin setzt auf Open-Air-Konzerte im Sommer. Bis dahin bleibt ihr nur eins: hoffen und proben. Regelmäßig trifft sie sich mit Fütterer, um die Songs einzustudieren.

Letzter Auftritt liegt Monate zurück

Dem Acherner Sänger Hans Denk macht die Corona-Pandemie ebenfalls zu schaffen. Auch wenn der Rentner mit dem Gesang kein Geld verdient, vermisst er die Zeit auf der Bühne. Sein letzter Auftritt auf einer goldenen Hochzeit liegt Monate zurück. „Seither wurde alles abgesagt“, erklärt Denk. Er stand bereits als Solist mit dem Ural Kosakenchor für verschiedenste Anlässe auf der Bühne.

Ohne Mikrofon: Hans Denk vermisst es, mit seiner Stimme anderen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Gemeinsam mit dem Ural-Kosaken-Chor ist er schon oft aufgetreten. Foto: Reinhard Brunner

„Für 2021 ist nichts geplant“, betont Denk. Zwar stand ein Kirchenkonzert in Sasbachried auf dem Plan, daraus wurde jedoch nichts. Der Sänger redet von einer schweren Zeit für die Kultur. Chöre erwische es aufgrund ihres hohen Altersschnitts besonders hart, meint der Sänger. Für seine Kollegen, die mit ihrer Stimme Geld verdienen, sieht er ebenfalls schwarz und bezweifelt baldige Auftritte. Der Gesang zähle für ihn zu den wichtigsten Angeboten, die die Kultur zu bieten habe.

Online-Konzerte kommen nicht in Frage

An die Benefizkonzerte 2019 erinnert sich Denk gern zurück. Der Erlös der Veranstaltungsreihe kam wohltätigen Zwecken zugute, unter anderem bedürftigen oder krebskranken Kindern. An der Musik schätzt er besonders, dass er mit seiner Freude am Gesang anderen ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann. Von Online-Konzerten hält der leidenschaftliche Musiker nicht viel. Er habe vom Badischen Chorverband angeboten bekommen, bei solch einer virtuellen Darbietung dabei zu sein. Das lehnte Denk jedoch ab.

Mit dem Pianisten und den Streichern auf der Bühne zu stehen und das Publikum ohne technische Hilfsmittel von seiner Stimme zu überzeugen – das mache für ihn den Gesang aus: „Ich vermisse das Klangerlebnis.“

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