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Konjunktion von Jupiter und Saturn

Stern von Bethlehem als einmaliges Himmelsschauspiel über Achern

Hat es den Weihnachtsstern wirklich gegeben? Ein Astronom aus Fautenbach ist überzeugt, dass es so war. Ein ähnliches Himmelsschauspiel wie damals gab es vor wenigen Tagen erneut.

Den „Stern von Bethlehem“ hat es gegeben, davon ist der Naturwissenschaftler Klaus Meyer aus Fautenbach fest überzeugt. Foto: Roland Spether

Anno Domini 1603: Am Weihnachtsmorgen blickte der Mathematiker und Astronom Johannes Kepler von seinem Fenster in Prag aus zu den Sternen und beobachtete ein sonderbares Himmelsschauspiel. Denn die Planeten Jupiter und Saturn kamen sich von der Erde aus betrachtet verdächtig nahe und es schien gar, als würde sie zu einem großen Planeten verschmelzen. War das der „Stern von Bethlehem, von dem der Evangelist Matthäus vor fast 2000 Jahren berichtete?

Für Klaus Meyer aus Fautenbach, über 30 Jahre Fachlehrer für Physik, Biologie und Astronomie an der Heimschule Lender und verantwortlich für die Sternwarte gibt es keinen Zweifel, dass Kepler jenen „Stern“ entdeckte, dem die „Weisen aus dem Morgenland“ folgten und für den sie mit ihren Kamelen eine 900 Kilometer langte Strecke von Babylon im Zweistromland bis nach Jerusalem in Judäa zurücklegten.

Was damals die Sterndeuter und Gelehrten, im griechischen Text des Evangeliums „Magoi“ genannt, voller Faszination sahen, haben Sternenkundige um den 21. Dezember herum mit bloßen Augen und mit wahrer Weihnachtsfreude verfolgen können. Denn alle 20 Jahre gibt es ein himmlisches Überholmanöver, bei dem der schnellere Planet Jupiter den ferneren Planeten Saturn bei ihren Umlaufbahnen um die Sonnen überholt.

Kepler entdeckte den „Stern von Bethlehem“

Das Einmalige in diesem Jahr war nach Klaus Meyer, dass sich beide Planeten rein optisch sehr nahe kamen und sogar soweit, dass sie zu einem großen Lichtpunkt verschmolzen. Ein ähnlich nahes Aufeinandertreffen wird es erst wieder 2080 geben, doch wer im Dezember eine Lücke in den oft wolkenverhangenen Himmel erhaschen konnte, traute seinen Augen nicht und erblickte eine ganz seltene Konstellation.

Diese sah auch Kepler, er überlegte und tat das, was Naturwissenschaftler bis heute tun: er sammelte Daten und Fakten, blickte immer wieder hinauf in den Himmel, stellte eine Hypothese auf und fing an zu rechnen. Eine Erkenntnis seiner „Harmonice Mundi“ - „Weltharmonik“ war, dass sich die Planeten in elliptischen Bahnen um die Sonne bewegen und nicht in Kreisen, so Meyer.

Das Himmelsschauspiel war kurz vor dem 21. Dezember über Achern zu sehen, als sich Jupiter und Saturn ganz nahe kamen Foto: Niklas Spether

Die drei Keplerschen Gesetze beinhalteten von ihren physikalischen Berechnungen her ein vollkommen neues Weltsystem, in das auch jene Konjunktion von 1603 passte. So berechnete er, dass eine ähnliche Konjunktion von Jupiter und Saturn im Sternbild der Fische sieben Jahre vor Christi Geburt stattfand und er stellte gar die steile These auf, dass die Berechnung der Zeitenwende vor und nach Christus falsch sei.

Doch für Kepler gab es keinen Zweifel, dass er den „Stern von Bethlehem“ bewiesen hatte, was seine Kollegen aber kritisierten. Doch 1925 entdeckte der Archäologe Paul Schnabel Keilschriften aus dem alten Babylon, die exakt die Berechnungen von Kepler bestätigten.

Meyer hält biblische Beschreibung für logisch

Den Lauf der Sterne zu beobachten, ist die älteste Wissenschaft der Menschen, aus denen Kenntnisse über Raum und Zeit gewonnen sowie Deutungen für das Leben abgeleitet wurden, betonte Klaus Meyer. Beste Beispiele dafür sind die Einteilung der Tage, Monate und Jahre, aber auch bei Aussaat und Ernte, bei der Suche nach den Himmelsrichtungen oder bei religiösen Festen und Bräuchen orientierten sich die Menschen an den Sternen und Planeten, am Lauf von Sonne und Mond.

So galt seit alters der Planet Jupiter als „Königsstern“ und Stern des Lichtgottes und Weltschöpfers Marduk, der in Babylon verehrt wurde. Der Planet Saturn wurde als „Stern der Juden“ gedeutet, während das Sternbild der Fische für den Länderbogen zwischen Nil und Euphrat stand und sich auf Palästina bezog.

Diese höchst seltene Konjunktion im Sternbild der Fische von sieben vor Christus kam demnach für die Sterndeuter einer „Botschaft des Himmels“ gleich, dass das von Matthäus beschriebene „Aufgehen des Sterns“ die Ankündigung eines neuen Königs und der Beginn der messianischen Endzeit ist. „Die Beschreibung nach Matthäus ist für mich logisch“, so Meyer. „Die Weisen gehen zuerst nach Jerusalem und fragen bei Herodes nach dem neu geborenen König, doch der wusste davon nichts“.

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