Skip to main content

Bundestagswahl

Der zweite Platz könnte Thomas Zawalski auch reichen

Thomas Zawalski (Grüne) tritt in einem schweren Wahlkreis an. Dennoch ist und bleibt das Direktmandat das erklärte Ziel.

Das Direktmandat als erklärtes Ziel: Thomas Zawalski will für den Wahlkreis Offenburg in den Bundestag einziehen. Foto: Britt Schilling

Wollte man sich den typischen grünen Politiker vorstellen, man käme sicher nicht gleich auf Thomas Zawalski. Zum Gesprächstermin erscheint der 63-Jährige im dunkelblauen Sakko mit beiger Hose, die ergrauten Haare exakt gestutzt, das Rasierwasser schwebt noch Stunden später im Raum.

Nicht, dass alle Grünen verstrubbelt daher kämen, aber Zawalski ist, gemessen selbst an der neuen grünen Realität des Winfried Kretschmann im Südwesten, eine Ausnahmeerscheinung.

Mag daran liegen, dass er vor dem Anlauf in eine politische Karriere als Unternehmer und Unternehmensberater unterwegs war, mag daran liegen, dass er erst seit zweieinhalb Jahren der einstigen Öko- und Antikriegspartei angehört.

Klar ist: Wenn man den Weg der Grünen vom Fundamentalprotest in Mutlangen oder Wackersdorf in die bürgerliche Mitte illustrieren wollte, Zawalski wäre die Blaupause.

Vom Auftreten her sowieso, aber auch die Inhalte kommen wohldosiert: „Ich bin ein großer Freund der sozialen Marktwirtschaft, aber der Kapitalismus, der dazu gehört, hat Systemfehler.“ Reichtum werde noch immer zu sehr auf der Armut anderer aufgebaut. Ein Satz, so massenkompatibel wie nur was.

Die Politik erreicht nicht mehr jeden

Bleibt die Frage, die alle Kandidaten beantworten sollen – die nach dem Deutschland in den Zeiten von Corona-Lockdown, Politikverdruss und der Meinungsbildung in den sogenannten sozialen Medien.

Gibt es Menschen, die die klassische Politik nicht mehr erreicht? „Aus Marktgesprächen würde ich diese Frage mit Ja beantworten, aber gleichzeitig sagen, dass es kein großer Teil ist“, sagt Zawalski. Noch würde er nicht aufgeben wollen, aber „man muss zur Kenntnis nehmen, dass das passiert“.

Die Welt sei „ziemlich im Umbau“, die Klimakrise, die Coronakrise, die Überpräsenz bestimmter Medien und Meinungen im Internet, all dies setze den Menschen zu, sie suchten Halt, „eine sichere Navigation in dem ganzen Wirrwarr“.

Dies sei der Nährboden für Verschwörungstheorien. Die Wähler wollten Erklärungen für Dinge, die sie nicht verstehen. Das Problem: „Ob richtig oder falsch, das ist nicht das entscheidende Kriterium.“ Es sei, gerade wenn es um Corona gehe, „nicht ganz leicht, an die Menschen heranzukommen“.

Das Vertrauen in die Politik ist gesunken.
Thomas Zawaski, Bundestagskandidat

Sagt Zawalski, und wirbt für Vertrauen in das Funktionieren von Politik, Wissenschaft und Gesellschaft: „Wenn eine Brücke gebaut ist, vertrauen wir doch auch den Ingenieuren, selbst wenn vorher nicht schon 100 Autos drüber gefahren sind.“ Das ganze Leben basiere letztlich darauf.

Sage keiner, dass Zawalski den Wahlkampf nicht ernst nehme. Er hat sich einen schweren Wahlkreis ausgesucht, zumal für sein erklärtes Vorhaben, als Erster durchs Ziel zu gehen. Das Direktmandat gegen Wolfgang Schäuble zu erreichen, das wäre schon ein großer Wurf, den man sich als Grüner im Südwesten zumindest mal erträumen darf – oder durfte, als es richtig gut lief.

Und so erlaubt sich Zawalski, ein einziges Mal in diesem Gespräch, einen Satz, über den zumindest der eine oder andere CDU-Anhänger straucheln dürfte. Dass Wolfgang Schäuble noch einmal antrete, darauf sei er immer wieder angesprochen worden.

Seine Mutmaßung über die Motive des Bundestagspräsidenten lässt der Kandidat nach einem halben Satz in der Luft hängen.

Mitte der Gesellschaft unter Druck

Zawalski sieht die Politik vor Herausforderungen, die Mitte der Gesellschaft, so seine Analyse, sei ein wenig weggebrochen. Die Wohlhabenden hätten ihren Vorsprung ein Stück ausbauen können, die Mittelschicht sei „vielleicht ein bisschen abgerutscht“.

Der zweite Befund: „Das Vertrauen in die Politik ist gesunken, und das in die Akteure, die sich dort tummeln – und das parteiübergreifend.“ Daran sei die Politik teilweise selbst schuld, es sei eine Blase entstanden, wo politisches Handeln entstehe, der Bezug zu den Menschen aber verloren gehe.

Diesen Bezug will Zawalski wieder herstellen, seit dem Frühjahr betreibt er beharrlich Wahlkampf in der Ortenau, hat schon viele Klinken geputzt, auch in den Rathäusern. Das werde keine einmalige Sache sein: „Ich habe den Bürgermeistern versprochen, wir sehen uns wieder.“

nach oben Zurück zum Seitenanfang