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Viel Unglück für die Störche

Tote Jungtiere und wenig Futter: Schreckliche Jahresbilanz für die Störche in Mittelbaden

Jungvögel wurden aus den Nestern geworfen und von Autos erfasst. Trockenheit erschwerte die Nahrungssuche. Dennoch: Gamshurst ist weiterhin unangefochten Storchenhauptstadt des Ortenaukreises.

Die Wagshurster Störche auf dem Dach der Maiwaldschule. Foto: Reinhard Brunner

2021 geht bereits im Herbst als „schreckliches Storchenjahr“ in die Geschichte ein – nicht nur bei der Gamshurster Storchenkolonie, die zwischenzeitlich auf Rekordgröße angewachsen ist.

Wenig Nachwuchs - und der überlebt oft nicht

Gérard Mercier, Vorsitzender des Naturschutzbundes (Nabu) Kehl-Hanauerland, weiß, wovon er spricht. Er ist für rund 160 Nester zuständig und betreut 320 Altvögel und rund 240 Jungvögel. Beim Nachwuchs hat es in diesem Jahr große Probleme gegeben. Normalerweise liegen in einem Nest vier Eier, 2021 sind es im Schnitt „nur“ zwei Eier. Mercier vermutet, dass die Kälte der Eisheiligen für den Tod vieler Jungvögel verantwortlich ist.

„Vorher war es zusätzlich lange trocken, so dass die Storcheneltern Schwierigkeiten bei der Futtersuche hatten und die jungen Störche eh schon etwas geschwächt waren.“ Als es im Mai kalt und regnerisch war, sind einige Jungvögel wegen Regen, Nässe und Kälte gestorben. Im Schnitt, so Mercier, sind 1,3 bis 1,4 Jungvögel pro Nest durchgekommen. „Das ist wenig, rund 30 Prozent der Jungvögel sind verendet.“ In Legelshurst sind in fünf Nestern alle Jungvögel ums Leben gekommen. Insgesamt sind es dort 20 tote Jungvögel.

Die größte Storchenkolonie gibt es im Ortenaukreis in Gamshurst. Aktuell hat der Acherner Stadtteil 25 Nester mit normalerweise vier Eiern und somit 100 Jungvögeln. Übrig geblieben sind 40. Davon wurde einer von einem Auto getötet, drei wurden nach Freiburg-Unterreute zur Pflegestation gebracht, acht wurden mit Hilfe der Feuerwehr Achern beringt. Sie werden üblicherweise im Alter von sechs bis sieben Wochen beringt.

Normalerweise fliegen die Vögel im August in Gruppen in den Süden, weil sich vor allem die Jungtiere die Route erst einprägen müssen. Dabei gibt es zwei Varianten. Entweder geht es im Osten über die Türkei und Israel Richtung südliches Afrika oder über die „Westroute“ über das Rhone-Tal und Spanien, um im Niger-Delta in Nigeria zu überwintern. Allerdings, so Mercier, bleiben viele Störche in Südspanien, wo sie auf Mülldeponien oder an Flüssen Nahrung finden. Andere verlassen Deutschland wohl gar nicht erst.

So haben auch in Gamshurst Störche bereits überwintert. Mercier spricht von zehn Prozent, die jedes Jahr in der Heimat bleiben. Bei Temperaturen unter 15 Grad fliegen auch diese in den Süden von Frankreich, wo sie dann bei Lyon und den dortigen üppigen Feuchtgebieten bleiben. Zwischenzeitlich gibt es aber noch eine dritte, die kürzeste Route, die über Italien, Sizilien, Marokko und Tunesien führt.

In Wagshurst zählt Mercier 15 Horste, 30 Altvögel sowie 17 Jungvögel, allesamt beringt. Ein Jungvogel musste Anfang Juli nach Freiburg-Unterreute gebracht werden. In Großweier gibt es ein Nest, zwei Altvögel und vier Jungvögel, alle beringt. Ein Jungvogel musste ebenfalls nach Freiburg gebracht werden.

In der Storchenhauptstadt Gamshurst ist Hannelore Federle seit Jahren für ihre Lieblinge „Tag und Nacht“ unterwegs. Sie ist es, die mehrfach in der Woche um Kirche und Pfarrhaus geht und das „Baumaterial“ einsammelt. Kürzlich kam am Pfarrhaus ein komplettes Nest nach einem Sturm herunter. Rund 450 Kilogramm Äste und Zweige und anderes Material liegen nun im Pfarrhof.

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