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Schwimmen in Baggerseen birgt Risiken

Vor der Badesaison: DLRG in Achern warnt Schwimmer vor Selbstüberschätzung

Es ist eine Entwicklung, die Rettungsschwimmer mit Schrecken zur Kenntnis nehmen: Die Zahl der Nichtschwimmer nimmt zu. Darunter sind auch immer mehr Kinder. Das kann schlimme Folgen haben.

Übung am Rheinufer in Kehl: Retter der DLRG müssen immer wieder ausrücken, um Menschen aus den Fluten zu holen. Foto: Michael Brück

Nicht mehr lange, dann geht sie wieder los, die Badesaison. Was viele freut, gibt anderen allerdings auch Grund zur Sorge. Denn die Zahl der Nichtschwimmer steigt seit einigen Jahren kontinuierlich an.

Laut einer Forsa-Umfrage, die bereits 2017 von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in Auftrag gegeben wurde, sind mittlerweile mehr als die Hälfte aller Zehnjährigen keine sicheren Schwimmer mehr.

Das wäre an und für sich noch nicht das große Problem, heißt es von Seiten der DLRG. Denn in Schwimmbädern könne man das in den Nichtschwimmerbereichen gut kontrollieren.

Doch einerseits würden immer mehr Schwimmbäder geschlossen und damit auch die Möglichkeiten für eine solide Schwimmausbildung genommen. Andererseits verschärft auch die Corona-Pandemie das Problem. Denn in Zeiten begrenzter Platzkapazitäten in den Bädern, hervorgerufen durch die notwendig gewordenen Hygieneverordnungen, befürchte man, dass gerade in Gebieten wie am Oberrhein die Zahlen von Badeunfällen in die Höhe schnellen.

Der Grund: Viele Badegäste weichen an die zahlreichen Baggerseen aus – auch an die, an denen Baden eigentlich verboten ist. Aus gutem Grund, wie man von Seiten der DLRG in Achern erklärt.

Seen werden schnell tief

Dabei gehe die größte Gefahr nicht etwa von Pflanzen aus, in denen sich Schwimmer verfangen und in Panik geraten könnten. Vielmehr sei eine große Gefahr, dass in Baggerseen die flachen Uferbereiche meist abrupt sehr steil abfallen würden. Für Nichtschwimmer eine lebensbedrohliche Situation.

Ein weiteres Risiko: Eiskaltes Wasser, das sich üblicherweise an den tiefsten Stellen eines Sees sammelt und durch Strömungen an die Oberfläche gelangen und aus dem Badespaß schnell einen Katastrophenfall werden lässt. Ähnlich war es vermutlich im vergangenen Sommer, als ein 18-Jähriger in einem Badesee bei Kehl-Kork zu weit in den See geraten war. Für den Nichtschwimmer kam jede Hilfe zu spät.

Für die Mitglieder der DLRG-Ortsgruppe in Achern ist die mangelnde Selbsteinschätzung bei den schwimmerischen Fähigkeiten eine Ursache, die immer wieder zu Katastrophen führt. Dabei mangele es zunehmend an Möglichkeiten, schon Kindern das Schwimmen beizubringen, heißt es.

Schulsport hift nicht

Im Schulsport, so erklärt Samira Fischer, Leiterin der Verbandskommunikation bei der Acherner DLRG, sei Schwimmen kaum mehr zu realisieren. Zudem seien die Wartezeiten bei Schwimmkursen recht lang. Das sei auch auf die geringe Anzahl von Lehrschwimmbecken zurückzuführen.

Und: Das Durchschnittsalter bei den so genannten Frühschwimmern sei gestiegen. Kinder lernten also tatsächlich immer später das Schwimmen. Zudem vermittle das Seepferdchen, das erste Schwimmabzeichen für Kinder, auch eine trügerische Sicherheit. Viele Eltern würden ihre Kinder dadurch als sichere Schwimmer einstufen.

„Aber das ist nicht so“, versichert Samira Fischer. Vielmehr sei das Seepferdchen eine erste schwimmerische Grundlage. „Erst mit dem Erwerb des Schwimmabzeichens in Bronze gilt man tatsächlich als sicherer Schwimmer“, ergänzt Fabian Ebner, Vorsitzender der DLRG-Ortsgruppe in Achern.

Sein Appell an die Badehungrigen: „Regelmäßiges Üben oder Training nach einem Anfänger-Schwimmkurs und eine frühzeitige Sensibilisierung für Gefahren sind unverzichtbar. Eltern müssen das unterstützen und dürfen Kinder nie ohne Aufsicht im und am Wasser spielen lassen.“

Zwei Todesopfer habe die vergangene Badesaison am Oberrhein gekostet. Zwei zu viel. Darüber sind sich die Rettungsschwimmer von der DLRG einig.

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