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Klimawandel sorgt für frühere Lese

Weinexperten freuen sich auf vielversprechenden Jahrgang

Was erwarten sich die Qualitätsmanager der Winzergenossenschaften vom Herbst 2020?

Der „Goldene Oktober“ verheißt einen sehr guten Jahrgang: Die Trauben sind kerngesund und werden jetzt sukzessive eingeholt. Im Bild Qualitätsberater Bernhard Ganter mit dem Refraktometer zur Ermittlung der Oechslewerte in einem Weinberg in Obersasbach Foto: Roland Spether

Ein Klima wie in Italien, sonnenverwöhnte Rebstöcke aus Spanien, Weinlese bei tropischen Temperaturen: Den „Goldenen Oktober“ mitten im Hochsommer gibt es in den Weinbergen von Sasbachwalden über Waldulm und Kappelrodeck bis nach Oberkirch so zwar noch nicht, aber der Klimawandel macht sich auch hier durchaus bemerkbar: Die ersten Trauben wurden bereits geerntet. Die älteren Winzer sagen, dass das Herbsten immer früher beginnt und die Traubenlese zu Terminen endet, an denen früher erst damit begonnen wurde.

„Wir haben in den vergangenen 25 Jahren statisch erwiesen eine Leseverfrühung von rund 16 Tagen“, sagt Bernhard Ganter, Qualitätsberater der Alde Gott Schwarzwald Winzer EG und langjähriger Weinbauberater im Amt für Landwirtschaft des Ortenaukreises. Er könne sich noch gut erinnern, als er 1971 mit der Winzerei startete und die Traubenlese im Oktober begann und teils bis in den November mit erstem Schnee und Frost reichte.

„Das hat sich durch die Klimaveränderung deutlich geändert.“ Dies sei nicht nur eine gefühlte Wahrnehmung, sondern es wurde durch die wissenschaftliche Faktenlage erwiesen. „Der April 2020 war extrem warm und lag vier Grad über dem langjährigen Schnitt, so dass die Vegetation sehr früh angeschoben wurde und damit auch das Wachstum der Rebe.“

Regen kam zur richtigen Zeit

„Aktuell sind wir in der glücklichen Lage, dass in der sehr sensiblen Reifephase Hochdruckwetter und damit beste Bedingungen für einen sehr guten Herbst vorausgesagt ist“, so Bernhard Ganter.

Der Regen Ende August kam nach der Trockenphase zur richtigen Zeit, doch jetzt seien Sonne am Tag, Kühle in der Nacht und möglichst kein Regen notwendig, damit weichschalige Beeren nicht aufplatzen und die Gefahr von Fäulnis bestehe. Dessen ungeachtet spricht Ganter von „traumhaften Laubwänden, kerngesunden Trauben und einem durchgefärbtem Spätburgunder“.

Ob die Winzer aufgrund des Klimawandels großflächig andere Sorten als den Spätburgunder oder Riesling anbauen sollten? Das hält der Weinbauexperte für nicht nötig. Zumal diese in den heimischen Weinbergen seit langer Zeit gewachsene und typische Rebsorten seien. In der „Kulturführung“ der Reben, in deren Bewirtschaftung und Laubwandgestaltung gebe es viele Möglichkeiten, Einfluss auf den Reifeverlauf des jeweiligen Jahrgangs zu nehmen.

Dennoch hätten sich in den vergangenen Jahren südländische Sorten in den mittelbadischen Weinbergen etabliert, was ein Ausdruck dessen sei, dass sich das Klima veränderte. „Einen Spätburgunder, Riesling oder Grauburgunder werden diese Sorten aber nicht ersetzen.“

Die Reife der Trauben ist weit fortgeschritten.
Frank Männle, Qualitätsmanager

„Die Reife der Trauben ist weit fortgeschritten, so früh wurde in Waldulm in den vergangenen Jahren nicht gelesen“, sagt der Qualitätsmanager Frank Männle. Nachdem auch die ersten Spätburgundertrauben schon eingefahren wurden, beginne nun sukzessive die Hauptlese des Müller-Thurgaus, Grauburgunders und ab Mitte September des Spätburgunders.

Bisher ermittelte Werte von über 80 Oechsle lassen von den sehr gesunden Trauben einen vielversprechenden Jahrgang erwarten, wobei die Winzer aufgrund der fortgeschrittenen Reife und der prognostizierten sonnigen Tage den richtigen Zeitpunkt der Ernte nicht verpassen dürften.

Aromatische Beeren

„Die Beeren sind erstaunlich aromatisch, es sieht alles sehr gut aus“, meint Markus Ell, Geschäftsführender Vorstand des Winzerkellers „Hex vom Dasenstein“ und der Oberkircher Winzer. Die Winzer stünden bereit, einen sehr guten Jahrgang einzulagern, da in den Rebbergen zwischen Kappelrodeck und Oberkirch „gesunde und sehr gute Trauben“ hängen.

Mit den Winzern würde demnächst die Herbstversammlung coronabedingt in drei Veranstaltungen abgehalten, um die aktuelle Marktlage und strategische Ansätze für die Weinlese zu erörtern. Entwicklung der Mostgewichte, Ablauf der Anlieferung und Erfassung der Trauben gemäß Hygieneverordnung, gewünschte Qualitäten und neue Produkte seien weitere Themen.

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