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Experten erklären

Welche Vögel rund um Achern bald für immer verschwinden könnten

Umweltorganisationen schlagen Alarm: Es gibt immer weniger Vögel. Welche Arten in der Region sind besonders betroffen? Und was kann man dagegen tun? Experten geben Antwort.

Spitzenreiter: Das Rotkehlchen ist zum Vogel des Jahres gewählt worden. Foto: Rolf Müller/Nabu

Das berühmte Kinderlied hat wohl nicht mehr recht: Der Frühling bringt das Vogelzwitschern zurück – aber es wird von Jahr zu Jahr leiser. Umweltorganisationen beobachten einen zunehmenden Rückgang bei der Zahl der Vögel auch in der Region. Wer nach Gründen sucht, findet mehrere.

„Man hat wirklich das Gefühl, dass es weniger Vögel gibt als in anderen Jahren“, beobachtet Franz Panter vom Naturschutzbund Nabu Bühl/Achern.

Gar nicht gut geht es aus seiner Sicht zum Beispiel den Schwalben: „In den Gegenden, wo sie über den Winter hinfliegen, werden die Bedingungen zum Überleben auch immer schlechter“, sagt er und spielt unter anderem auf Klimaveränderungen an.

„Wohnungsnot“: Der Rauchschwalbe soll die Aktion „Offene Stalltür“ helfen. Foto: Lino Mirgeler/dpa

Zurück in Mitteleuropa hat der Vogel ein „Wohnungsproblem“, vor allem die Rauchschwalbe. Sie baut ihre Nester gern in Ställen und Scheunen – aber die Viehhaltung geht zurück, und moderne Tierställe sind meist geschlossen gebaut.

Mit der Aktion „Offene Stalltür“ ruft der Nabu deshalb Viehhalter auf, Stalltüren und -fenster offen stehen zu lassen. Dann können die Schwalben ein- und ausfliegen. Die Plakette „Schwalbenfreundliches Haus“ vergibt der Nabu zudem an Menschen, die gegensteuern wollen – demnächst auch an Bürger im Maiwald, verrät Panter.

Dem Kiebitz geht es hundsmiserabel.
Franz Panter, Nabu Bühl/Achern

Bei der Wahl der Umweltorganisation zum Vogel des Jahres, bei der diesmal erstmals die breite Öffentlichkeit mitmachen konnte, kam die Rauchschwalbe auf den zweiten Platz. Auf Rang drei landete der Kiebitz. „Dem geht es hundsmiserabel“, sagt Franz Panter. Überhaupt seien Feld- und Bodenbrüter wie der Kiebitz gerade große Verlierer. Durch immer ausgedehntere Landwirtschaft finden diese Tiere kaum Platz für ihre Nester, und wenn doch, dann machen ihnen streunende Katzen oder freilaufende Hunde das Leben schwer.

Bodenbrüter: Der Kiebitz hat es zunehmend schwer, Plätze für sein Nest zu finden. Foto: Matthias Graben/Nabu

Platz eins bei der Wahl belegt das Rotkehlchen. Dem geht es auch in der Region noch mit am besten, sagt Panter. Einigermaßen gut sieht die Situation ebenfalls bei Meisen und Amseln aus. „Allerdings werden auch sie dezimiert. Nicht unbedingt, weil nicht genug Futter da ist, sondern durch Viren, die diese Vogelarten jeweils befallen.“

Dass Vögel im Winter kaum angebotenes Futter angenommen haben, hat Peter Huber beobachtet. Er ist im Arbeitskreis Ortenau des Landesnaturschutzverbands für den Raum Achern zuständig. „Die Meisenknödel bei mir im Garten sind nur angeknabbert“, sagt er und betont ebenfalls: „Die Artenvielfalt und Menge an Vögeln hat in den vergangenen Jahren oder sogar Jahrzehnten abgenommen.“

Lammbrücke: Krähenkolonie ist „umgezogen“

Ein Beispiel, wie der Mensch in dem Zusammenhang die Umwelt „stört“, sieht er an der Acherner Lammbrücke. Dort mussten die Kronen der Platanen entfernt werden. Eine Krähenkolonie zog daraufhin von dort weg und verteilte sich hauptsächlich in der Umgebung des Krankenhauses. „Auch in meinem Garten ist jetzt ein Nest“, berichtet Huber. „Für kleine Singvögel können sie da zur Konkurrenz werden.“

Ein Grund für den Rückgang der Vögel ist für Huber die Innenverdichtung der Kommunen. „Da sehe ich überhaupt kein Gegensteuern und kein Bemühen, innerstädtisch Naturschneisen offenzuhalten.“ Die aber würden den Tieren helfen.

Ein anderes Problem aus seiner Sicht: der Blickwinkel der Menschen. Bemühungen wie das Bürgerbegehren für Artenschutz und gegen Bienensterben zum Beispiel seien gut. Aber es gehe nicht nur um schöne oder besondere Tierarten. „Man sollte Abstand nehmen von solchen Leuchtturmprojekten. Dem Vogel ist es nämlich egal, ob er eine Sonnenanbeterin frisst oder einen Mistkäfer oder eine Fliege.“ Das Augenmerk müsse auf der Menge an Insekten liegen, und da seien eben auch „unspektakuläre“ Arten wichtig.

Blühstreifen werden zu Insektenfallen

Joachim Thomas, Vorsitzender des Zukunftsforums Natur und Umwelt Ortenau in Rheinau, sieht einen Grund für den Vogelschwundin der Stechmückenbekämpfung am Oberrhein. Die komme nämlich auch in Flora-Fauna-Habitat-Schutzgebieten (FFH) vor. „Das Zukunftsforum hat im vergangenen Jahr deshalb eine Beschwerde bei der Europäischen Union eingereicht“, sagt Thomas.

Viel für Insekten getan haben aus seiner Sicht Landesregierung und Landwirte mit Blühstreifen an Ackerrändern. Aber es gibt ein Problem: Bisher wurden hier oft einjährige Blüher verwendet. Insekten legten dort im Sommer ihre Eier ab, aber bevor die Larven im Frühjahr schlüpfen konnten, waren die Streifen schon wieder umgepflügt. Eine eigentlich gute Idee wurde so zur Insektenfalle. Die Äcker selbst seien heutzutage regelrecht zu sauber. Es gebe kaum Wildkräuter, und auch die fehlen den Insekten und damit den Vögeln.

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