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Lärm und Luftqualität

Wie wirkt sich Corona auf die Umwelt aus?

Hat sich der Corona-Lockdown in Achern und der Region auf den Verkehrslärm und die Luftverschmutzung ausgewirkt, weil weniger Menschen auf den Straßen unterwegs waren? Die Frage scheint einfach - die Antwort ist es (noch) nicht.

Stoßstange an Stoßstange: Das Bild, das man sonst aus dem Berufsverkehr kennt, war während des Lockdowns kaum noch zu sehen. Foto: Stephan Jansen picture alliance / dpa

Möglichst viel zu Hause bleiben ist bekanntlich das Motto während des Corona-Lockdowns im Frühjahr gewesen. „Die Luft ist rein(er)“ oder „Friedliche Ruhe“ meldeten verschiedene Medien daraufhin. Ob sich die Luftqualität und der Verkehrslärm während dieser Phase auch in Achern und dem Umland verändert haben, lässt sich nicht so leicht nachvollziehen. Erste Zahlen weisen aber darauf hin, dass es in dieser Zeit auch in der Region stiller und „sauberer“ gewesen ist.

Zwischen dem 18. März, als die Corona-Verordnung in Baden-Württemberg in Kraft trat, und den ersten Lockerungen im Mai war so manche Straße leerer als gewohnt, schließlich arbeiteten viele Menschen von zu Hause aus und gingen seltener einkaufen, Wirtschaft und Industrie waren teilweise lahmgelegt. Die weltweiten Einschränkungen zur Eindämmung des Virus wirkten sich insofern deutlich aus, als beispielsweise Satellitenbilder den Rückgang an Stickstoffdioxid über China zeigten und Fotos dokumentierten, dass dank der klareren Luft erstmals seit Jahrzehnten von Indien aus der Himalaya zu sehen war.

Der Stadt Achern liegen keine Daten vor

Soweit die globalen Effekte – wie diese vor Ort aussehen, diese Frage lässt sich bisher nur in Teilen beantworten. Der ersten Anlaufstelle in diesem Fall – der Stadt Achern – liegen jedenfalls keine Daten vor, die dabei helfen könnten.

Wie sieht es nun mit dem Verkehrslärm in der Region aus? Ein Anruf bei der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW): Sie betreibt in Achern eine Lärm-Messstation an der Schienenstrecke der Rheintalbahn. Die dort erfassten Werte können beinahe in Echtzeit auf der Internetseite der Anstalt verfolgt werden. Wirft man dabei einen Blick zurück, etwa auf den Vor-Corona-Monat Februar und auf den April, der mitten in der Lockdown-Phase lag, unterscheiden sich die Messdaten, die dort als Tages- und Nacht-Mittelwerte angegeben werden: Sie lagen im Februar zuweilen um einige Dezibel höher als im April. Dazu passend fallen in diese Zeit auch die wegen des Virus sehr ausgedünnten Fahrpläne der Bahn.

Ursachen-Zuordnung wäre noch Spekulation

Aber so einfach ist es wohl nicht: Aus den hier punktuell erfassten Lärmdaten ließen sich nur begrenzt Aussagen darüber ableiten, ob es eine Corona-bedingte Reduzierung des Schienenlärms gab, teilt das LUBW auf Anfrage mit. Zwar könnten die Werte Aufschluss über langfristige Trends geben – „eine Zuordnung zu bestimmten Ursachen in solchen Trends nur aufgrund von Pegelwerten ist jedoch eher spekulativ“, heißt es weiter in der Antwort an den ABB. Stattdessen verweist die LUBW auf ihre jährliche Auswertung aller Messwerte, die für 2020 im kommenden Frühjahr veröffentlicht werden soll.

Aussagen zum Lärm durch Straßenverkehr sind unterdessen nicht möglich. Jedoch sei generell zu erwarten, dass die Corona-Maßnahmen Auswirkungen auf sämtliche Lärm-Bereiche, nämlich Gewerbe- und Industrielärm, Freizeit-, Sport- und Verkehrslärm, haben werden, so die LUBW: Hintergrund seien ein verringerter Berufsverkehr zu Stoßzeiten und die genannten eingeschränkten Fahrpläne von Bussen und Bahnen sowie reduzierter Flugverkehr.

Messstationen in Kehl und Baden-Baden

Und wie sieht es mit der Luftverschmutzung in der Region aus? Auch hier sind die Daten, was die Auswirkungen der Corona-Zeit und des veränderten Verkehrsverhaltens angeht, nur vage. Der Grund: Die nächstgelegenen Messstationen, die ebenfalls die LUBW betreibt, sind in Kehl und Baden-Baden. Auch da gibt es eine Besonderheit, wie Marco Pergher erklärt, Umweltingenieur im Regierungspräsidium Freiburg. So steht etwa in Freiburg an der Ortsdurchfahrt eine „Verkehrsmessstelle“, die dort wegen Grenzüberschreitungen bei Stickstoffdioxid in der Luft aufgestellt worden war – hier sei durch den geringeren Verkehr während des Lockdowns ein deutlicher Rückgang der Stickstoffdioxid-Belastung festgestellt worden.

Auswertung soll erst noch folgen

Anderes gilt für die Art der Messstationen wie in Kehl und Baden-Baden: Sie bilden nur die Immissionsbelastungen des sogenannten „städtischen Hintergrunds“ an Orten ab, an denen sie keiner großen Verkehrsbelastung ausgesetzt sind. Hier sei kein eindeutiger Trend feststellbar, was vermutlich genau an der Lage der Stationen liege.

Für jedes Jahr wird hier ein Mittelwert der Belastung mit Stickstoffdioxid erfasst. Der Grenzwert dafür beträgt 40 Mikrogramm pro Kubikmeter – von dieser Zahl liegen die Mittelwerte der einzelnen Monate für Kehl und Baden-Baden jedoch weit entfernt. „In Achern wird sich die Belastung ähnlich darstellen, vermutlich wird das Immissionsniveau hier sogar noch ein wenig niedriger ausfallen“, sagt Marco Pergher.

Zwar beobachte man im Moment ein verändertes Verkehrsverhalten der Menschen, die mehr mit dem Fahrrad unterwegs seien und zuweilen den öffentlichen Nahverkehr meiden und dadurch mehr das Auto nutzen. Inwieweit sich die Corona-Zeit allerdings tatsächlich auf den Jahreswert für 2020 auswirkt, könne jetzt noch nicht gesagt werden.

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