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Praxen in Nöten

Zahnärzten fehlt in Corona-Zeiten die nötige Schutzausrüstung

Trotz des Coronavirus müssen Zahnärzte ihre Patienten im Notfall weiter behandeln. Dabei ist bei ihnen die Gefahr einer Ansteckung besonders groß – zumal sie nicht wirklich gut geschützt sind. Auch wirtschaftliche Folgen spüren sie.

Sebastian Gollnow Foto: None

Wirklich beliebt war der Besuch bei Zahnärzten wohl nie. Und doch erfüllen sie eine wichtige Aufgabe für die Gesundheit der Menschen – auch in Zeiten des Coronavirus. Dabei sind sie einem besonders hohen Ansteckungsrisiko ausgesetzt.

Schließlich können sie ihren Job, wie die meisten Ärzte, nicht ohne einen engen Kontakt zu ihren Patienten ausüben. Es ist schlicht unmöglich für sie, den Sicherheitsabstand von anderthalb Metern einzuhalten.

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Schließen, wie die meisten öffentlichen Einrichtungen, dürfen sie aber dennoch nicht. Zumindest im Notfall müssen sie bereit sein. Allerdings raten die Landeszahnärztekammer (LZK BW) und die Kassenzahnärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KZV BW) dazu, aufschiebbare Behandlungen zu verschieben.

Ein Zahnarzt aus Achern zum Beispiel gewährleistet die Grundversorgung, wie er den BNN versichert. Zum Schutz seiner Privatsphäre möchte er anonym bleiben. „Ich führe nach wie vor noch Wurzelbehandlungen aus, kümmere mich um akute Schmerzen oder gebrochene Prothesen“, sagt er. Aber mit dem regulären Betrieb sei es nicht zu vergleichen.

Ich habe in dieser Woche nur sehr wenige Patienten gehabt.
Doktor Christoph Riermeier, Zahnarzt aus Kappelrodeck

So ist es auch bei Christoph Riermeier aus Kappelrodeck. Auf Abruf stehe er zwar bereit. „Aber ich habe in dieser Woche nur sehr wenige Patienten behandelt“, berichtet er.

Der Zahnarzt hat in seiner Praxis vor allem Probleme mit der Schutzausrüstung. So soll er nach Empfehlung der Behörden aufgrund des Coronavirus eigentlich auf eine Schutzmaske mit Filter, FFP2 genannt, zurückgreifen. Die müsste er pro Tag mehrfach wechseln. „Wir haben aber nur sehr wenige zur Verfügung und müssen sie mehrfach verwenden“, sagt Riermeier.

Schutzmaßnahmen haben sich in Corona-Zeiten verändert

Des Weiteren zählen in Corona-Zeiten ein Gesichtsschild, eine Haube sowie ein Einmal-Kittel zur Schutzausrüstung. Doch wie in Krankenhäusern und in vielen weiteren Bereichen seien die Sachen dem Zahnarzt aus Kappelrodeck zufolge momentan nicht lieferbar.

Dass es an Schutzausrüstung fehlt, ist den Behörden nicht verborgen geblieben. Der Bedarf dafür „wurde im ständigen Austausch mit dem Landesministerium für Soziales und Integration angemeldet“, teilt Cornelia Schwarz vom Informationszentrum Zahngesundheit, ein gemeinsames Zentrum von KZV BW und LZK BW, mit.

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Angst vor einem Besuch beim Zahnarzt sei aber nicht nötig. So herrsche immer ein hohes Maß an Hygiene. „Die Instrumente werden sterilisiert, die Flächen desinfiziert, das sind Grundsätze, an denen sich nichts geändert hat“, betont Schwarz.

Das bestätigen auch die Ärzte in der Region. „Wir machen alles menschenmögliche, um das Risiko zu minimieren“, sagen die Mediziner aus Achern und Kappelrodeck.

Patienten in der Ortenau reagieren angesichts von Covid-19 verständnisvoll

Wie reagieren die Leute darauf, dass derzeit nicht mehr alle Behandlungen durchführbar sind? „So verschieden wie das Einkaufsverhalten der Menschen ist, so ist auch ihr Verhalten hinsichtlich abgesagter Termine beim Zahnarzt. Wir verzeichnen die ganze Bandbreite, die meisten reagieren allerdings verständnisvoll“, sagt Schwarz vom Informationszentrum Zahngesundheit.

Durchweg positive Erfahrungen sammelten die Zahnärzte aus der Region. „Es rufen nur sehr wenige Leute an, sie scheinen also für die aktuelle Situation sensibilisiert zu sein“, sagt der Arzt aus Achern. „Die Patienten sind froh, dass wir im Notfall für sie da sind.“

Die Zahnärzte stehen vor größeren Problemen – vor allem wirtschaftlich. Während Riermeier Kurzarbeit angemeldet hat, stellte der Arzt aus Achern nur teilweise auf dieses Modell um.

Finanziell sei die Situation nicht lange zu stemmen, Miete und andere Kosten laufen weiter, erklären beide. „Von Schmerzpatienten alleine können wir nicht leben“, macht der Zahnarzt aus Kappelrodeck deutlich.

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