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Vom Postboten in Lauf zum Landwirt in Prinzbach

Auf dem Romanhof ist die Welt noch in Ordnung

Mehr als 200 Jahre alt ist der Romanhof im idyllischen Prinzbachtal. Bewirtschaftet wird er von Veronika und Frank Ams, die dafür vor einigen Jahren ihre Jobs bei der Post aufgegeben haben.

Der Nachwuchs ist gesichert: Frank Ams bringt frisches Futter für die Kälber. Foto: Michael Moos

Vom Briefträger zum Vollerwerbslandwirt: Die Geschichte von Frank Ams ist nicht alltäglich. Vor 13 Jahren wagte er zusammen mit seiner Frau Veronika den Neuanfang und betreibt seitdem den Romanhof im idyllischen Prinzbach. Mit großem Erfolg: Die Familie mit den vier Kindern kann von den Erträgen gut leben – und sogar die Nachfolge ist gesichert.

Bereut hat Frank Ams den außergewöhnlichen Schritt nie. Auch wenn ihm der Kontakt und die Gespräche mit seinen Kunden bisweilen fehlen: „In Lauf kam ich in jedes Haus.“

Ams, Jahrgang 1971, war beliebt in seinem Heimatort: So beliebt, dass ihn die Laufer 1994 in den Gemeinderat wählten, in dem er bis zu seinem Umzug nach Prinzbach mitarbeitete.

Er wirkte als Ministrant in der Laufer Kirche, engagierte sich in der Feuerwehr, im Kirchenchor und in der Sasbachwaldener Narrenzunft. Noch heute beteiligt er sich regelmäßig am Bau eines Wagens für das Erntedank- und Weinfest im Blumendorf: „Das ist für ihn, wie wenn Weihnachten und Ostern zusammenfällt“, lacht seine Frau Veronika.

Unweit der Quelle des Prinzbachs in dem romantischen Seitental der Kinzig hat die Familie 2007 den stattlichen Romanhof übernommen. Schon in Lauf betrieben Veronika und Frank Ams im elterlichen Anwesen am Mühlberg eine kleine Landwirtschaft mit Obstbau, 200 Hühnern und ein paar Kühen.

Auch Veronika Ams, die ihren Frank bei der Post in Achern kennenlernte, ist vom Fach: Sie kommt aus einem Vollerwerbsbetrieb mit Obst- und Weinbau aus Waldulm. So stand eines Tages fest: Trotz der Liebe zur Post wagte das Paar den Schritt in die hauptberuflich betriebenen Landwirtschaft.

Einstieg auf Rentenbasis

Mit dem Romanhof erfüllte sich die Familie Ams einen Traum. Der Eigentümer, Ludwig Krämer, hatte das Anwesen zum Verkauf ausgeschrieben. Mit ihm vereinbarte die Familie Ams einen Einstieg auf Rentenbasis: Auf diese Weise konnte der bisherige Eigentümer auf dem Hof bleiben, für die Käufer wurde auf diese Weise der Erwerb überhaupt erst möglich. Ludwig Krämer ist vor zwei Jahren im Alter von 76 Jahren verstorben: „Er war wie ein Opa für unsere Familie“, sagt Frank Ams, „und wenn wir Hilfe gebraucht haben, war er für uns da.“

Natürlich ist die Bewirtschaftung des Hofs kein Zuckerschlecken. Früh aufstehen ist angesagt – für die ganze Familie. Zu dem Betrieb gehören 18,5 Hektar Fläche im Eigentum, davon fünfeinhalb Hektar Wald. Zusammen mit den gepachteten Flächen verfügt die Familie Ams über 25 Hektar Grünland als Grundlage für die Viehhaltung.

Unter das riesige Dach des Romanhofs kommt das Futter für die Tiere im Winter. Mit Ausnahme des besonders trockenen Jahrs 2018 immer in ausreichender Menge, so dass Frank Ams kein Futter zukaufen musste.

Traum erfüllt: Frank und Veronika Ams setzen mit ihren Erzeugnissen aus dem Romanhof ganz auf die Eigenvermarktung. Als sichtbares Zeichen ihres christlichen Glaubens und der Dankbarkeit für den erfolgreichen Betrieb ließ die Familie eine Kapelle errichten. Foto: privat

Zum Hof gehören knapp 20 Kühe, die zwischen März und November auf den eigenen Weideflächen unterwegs sind. Die älteste heißt „Zottel“ und ist gut zwölf Jahre alt. Vier Kälber, gerade mal ein halbes Jahr alt, machen gerade ihre ersten Ausflüge auf der Wiese, weitere werden bald geboren. Zwölf Schweine, rund 100 Hühner und natürlich der Hofhund „Mira“ leben ebenfalls auf dem Romanhof.

Selbstvermarktung als Schlüssel zum Erfolg

Als Schlüssel zum Erfolg setzt die Familie Ams ganz auf die Selbstvermarktung: „So können wir gut vom Hof leben“, stellt Frank Ams mit Stolz fest. Andere klagen über den lächerlich niedrigen Milchpreis – er kennt dessen aktuelle Höhe gar nicht. Denn die auf seinem Hof – natürlich gentechnikfrei – erzeugte Milch geht komplett in die Produktion von Käse.

Dafür ist Ehefrau Veronika zuständig. Zweimal in der Woche stellt sie Rahmkäse her. Zu ihrem weiteren Angebot gehören „Bibbeleskäs“ verschiedene Schnittkäsesorten, aber auch „Obertäler Stinkerle“, Camembert und Raclettekäse. Das nötige Rüstzeug hat sie sich in verschiedenen Kursen angeeignet.

Die Vermarktung erfolgt im eigenen Hofladen – und in der vor zwei Jahren errichteten heimeligen Vesperstube, in der bis zu 60 Personen mit Käse, Wurst und Brot aus eigener Herstellung bewirtet werden können.

Käse vom Romanhof gibt es außerdem auf den Wochenmärkten in Achern und Oberkirch, außerdem beliefert Frank Ams verschiedene Hofläden in der Region. Und er bringt seine Ware regelmäßig persönlich nach Lauf – dort sind schließlich seine ältesten Kunden.

Reife Leistung: Veronika Ams im Käse-Lager. Sie hat verschiedene Sorten im Angebot, die im eigenen Betrieb sowie auf Märkten und in Hofläden verkauft werden. Foto: Michael Moos

Kapelle als Zeichen der Dankbarkeit errichtet

„Es läuft gut, und wir können zufrieden sein.“ Als sichtbares Zeichen ihres christlichen Glaubens und der Dankbarkeit für den erfolgreichen Betrieb auf ihrem Hof ließen Veronika und Frank Ams 2018 eine Kapelle errichten. Geweiht vom ehemaligen Freiburger Weihbischof Michael Gerber, heute Bischof von Fulda, können hier Hausmessen und auch Maiandachten stattfinden.

Ganz besonders am Herzen liegt Franz Ams die Muttergottes-Figur, die den kleinen Altar schmückt: Sie ist eine Kopie der Statue in der Laufer Leonharduskirche, und kam auf Vermittlung des ehemaligen Laufer Ratsschreibers Paul Hund in den Besitz der Familie Ams: Im Zusammenhang mit der 1988 erfolgten Renovierung der Laufer Kirche entstand ein Gipsabdruck der Figur, die Frank Ams von einem Kunstmaler in Bad Krozingen bemalen ließ: „Sie strahlt wie das Original in der Laufer Kirche.“

Die geht der Sage nach zurück auf das 17. Jahrhundert und konnte bei einem verheerenden Brand der Laufer Kirche im Jahr 1750 zusammen mit dem Allerheiligsten und der Figur des Kirchenpatrons St. Leonhard gerade noch gerettet werden. Flankiert wird die Muttergottes in der Romanhof-Kapelle von Figuren von St. Franziskus und – wie könnte es anders sein – St. Leonhard.

Zeichen des Glaubens und der Dankbarkeit: Die ganz aus Holz bestehende Kapelle mit der Figur der Muttergottes. Foto: Michael Moos

Die Nachfolge ist bereits geklärt

Eines von ihnen, der 19-jährige Sohn Andreas, wird eines Tages auch in dieser Hinsicht in die Fußstapfen seiner Eltern treten. Er hat sich bereit erklärt, den Hof zu übernehmen. Andreas Ams absolviert eine Ausbildung als Landmaschinenmechaniker und will auch eine landwirtschaftliche Lehre machen. Den Umweg über die Post, wie ihn sein Vater eingeschlagen hatte, möchte der junge Mann offenbar nicht gehen.

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