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Kehl und Rheinau

Bundespolizei verstärkt Präsenz an der französischen Grenze wegen Coronavirus

Die Bundespolizei ist wegen der Ausbreitung des Coronavirus seit Donnerstagnachmittag verstärkt an den Grenzübergangen nach Frankreich präsent; in der Ortenau betrifft das Rheinau, Kehl und Altenheim. Man achte im Zusammenhang mit den "verstärkten Fahndungsmaßnahmen", bei denen es wie üblich unter anderem um unerlaubte Migration geht, nun auf grippeähnliche Symptome bei den Menschen, sagt Dieter Hutt, Sprecher der Bundespolizeiinspektion in Offenburg.

Autofahrer aus Straßburg werden am Donnerstagabend an der Grenze in Kehl überprüft. Foto: B. Spether

Die Bundespolizei ist wegen der Ausbreitung des Coronavirus seit Donnerstagnachmittag verstärkt an den Grenzübergangen nach Frankreich präsent; in der Ortenau betrifft das Rheinau, Kehl und Altenheim. Auf französischer Seite sorgt das unterdessen für Verstimmungen.

Von Bärbel Nückles und Stefanie Prinz

Der Verkehr wird verengt und die Autofahrer stichprobenartig nach ihrem Gesundheitszustand befragt – eine Maßnahme, die viele Autofahrer als Kontrolle im Zusammenhang mit der Einstufung der Region Grand Est als Corona-Risikogebiet verstanden haben.

Im Zuge der „verstärkten Fahndungsmaßnahmen“, bei denen es, wie seit November immer wieder üblich, unter anderem um unerlaubte Migration gehe, achte man nun auf grippeähnliche Symptome bei den Menschen, sagt Dieter Hutt, Spreche der Bundespolizeiinspektion in Offenburg auf Anfrage. In dem Fall würde sofort das Gesundheitsamt informiert. Stand Freitagmittag habe man bisher aber keine Auffälligkeiten bemerkt.

Polizeisprecher: keine "Grenzkontrollen" wegen Coronavirus

„Wir waren am Donnerstag lediglich personell verstärkt und warten jetzt auf Anweisung von oben, wie es weitergeht“, so Hutt. Wie lange und wie intensiv die Aktion fortgesetzt wird, sei völlig offen und hänge von den Entscheidungen der Bundesministerien ab.

„Bislang handelt es sich nicht um medizinische Kontrollen“, sagt Hutt, diese würden ausschließlich vom Gesundheitsamt vorgenommen, dann aber mit Unterstützung der Bundespolizei. „Die Planungen sind aber so weit fortgeschritten“, sagte Hutt, „dass diese möglich wären“.

Kritische Stimmen von französischer Seite

In Straßburg beklagt unterdessen die Präfektin Josiane Chevalier, dass im Vorfeld keine Absprache mit Frankreich gegeben habe. Der Präsident der Eurometropole Straßburg, Robert Herrmann, fordert die Elsässer auf, unnötige Fahrten nach Deutschland zu vermeiden und lieber in Frankreich einzukaufen, um die Deutschen nicht zu beunruhigen. Beide sind bei einer Pressekonferenz am Freitagmorgen zum aktuellen Krisenmanagement auf die Kontrollen angesprochen worden.

Zu Staus ist es am Donnerstagabend wegen der Polizeimaßnahmen auf der Europabrücke zwischen Straßburg und Kehl gekommen. Foto: Stadt Kehl

In Rheinau fällt die Fahndungsmaßnahme, die, wie Hutt betonte, keine „Grenzkonktrolle“ sei, am Freitagvormittag entspannt aus: Drei Bundespolizisten stehen vor dem Rheinübergang Richtung Gambsheim auf Höhe der Tankstelle und beobachten die Fahrzeuge. Der Verkehr vom und ins zum Risikogebiet erklärten Elsass habe weder zu- noch abgenommen, sagen sie. Fast ausschließlich Fahrzeuge mit französischen Kennzeichen sieht man hier an diesem Morgen.

Zwei Mitarbeiter der blaubejackten französischen Gendarmerie schauen auf ihren Motorrädern kurz bei den deutschen Kollegen vorbei, und ein paar Besucher der Tabakshops vor der Grenze bleiben einen Moment länger stehen, immerhin blinkt da ein auffälliges Polizei-Blaulicht. Staus bilden sich hier an der Grenze aber nicht – höchstens an der Tankstelle, wo zahlreiche französische Autofahrer noch eben die niedrigen Benzinpreise ausnutzen.

Sie sei schon ein paar Mal auf die Kontrolle auf deutscher Seite angesprochen worden, erzählt unterdessen eine elsässische Mitarbeiterin des „Alten Zollhaus“ – von den Gästen, die noch kommen, denn das seien tatsächlich immer weniger geworden, und das sei ein Problem für den Laden.

Insgesamt 549 Infizierte im nördlichen und südlichen Elsass

Die Zahl der Infizierten in den beiden elsässischen Départements hat sich weiter erhöht. Im nördlichen Elsass (Bas-Rhin) wurden bislang 157 Personen positiv getestet. Vier Menschen starben. Im südlichen Elsass (Haut-Rhin) ist die Zahl der nachgewiesenen Infektionen auf 392 gestiegen. Dort hat das Virus bislang sechs Todesopfer gefordert.

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