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Geimpfte Gäste abgelehnt

Ferienwohnung nur für Nicht-Geimpfte? Inhaberin aus dem Ortenaukreis verteidigt ihr Vorgehen

Plötzlich gerät der Ferienhof Lenzlisberg im Ortenaukreis zwischen die Fronten von Impfgegner und Impfbefürwortern. Gastgeberin Barbara Willmann möchte nicht-geimpfte Touristen bevorzugen und verteidigt ihr Vorgehen.

Kein Zutritt für Geimpfte: Die Betreiberin des Ferienhofs Lenzlisberg im Ortenaukreis möchte nach eigenen Angaben Nicht-Geimpfte bevorzugen und hat daher schon geimpfte Gäste abgelehnt. Foto: Christoph Breithaupt

Bislang gab es für den Ferienhof Lenzlisberg auf seiner Facebook-Seite nichts Negatives zu vermelden. Die Gastgeber aus dem Ortenaukreis kündigten mal ein 1. Mai-Fest an, zeigten eine fast entlaufene Ziege oder Pferdereiten für Kinder.

Drei Jahre lang gab es dann gar nichts mehr zu melden. In den vergangenen Tagen aber haben plötzlich über 130 Nutzer Bewertungen für den Ferienhof in der 5.000-Einwohner-Gemeinde abgegeben.

„Schlechtes Hotel. Nicht empfehlenswert!“, schreibt ein Nutzer. Eine Frau schreibt von „verantwortungslosen Gastgebern“. Andere Nutzer betonen dagegen: „Beste Ferienhof Forever.“ Die Gastgeberin ist jüngst zwischen die Fronten von Impfbefürwortern und Impfgegnern geraten.

Urlaub nur ohne Impfung? Bild-Zeitung berichtet über Ferienhof im Ortenaukreis

Ein kleiner Ferienhof, der auf seiner Webseite drei Ferienwohnungen und sechs Zimmer anbietet. Es gibt demnach Pferde, Hühner und Wanderungen mit Ziegen. „Ein Paradies für Kinder“, heißt es.

Doch die Geschichte beginnt nicht bei Gastgeberin Barbara Willmann, die, so heißt es im Ort, zwar eine markante Persönlichkeit habe, aber in den vergangenen Jahren nicht negativ aufgefallen sei. Ausgangspunkt ist eine Berichterstattung der „Bild“-Zeitung, die titelte: „In diesen Ferienhof dürfen nur Urlauber ohne Impfung.“

Darin wird Willmann damit zitiert, sie sage Buchungen von Stammgästen ab, wenn diese geimpft seien. Dabei habe sie auch davon gesprochen, dass Geimpfte „Nanopartikel“ auf ihre Tiere übertragen könnten. Zu erkennen sind Geimpfte für Gastgeber daran, dass sie keinen negativen Test vorweisen müssen.

Willmann vom Ferienhof Lenzlisberg fühlt sich in „Bild“-Artikel falsch dargestellt

Nach dem Artikel kommentierten die Nutzer auf Facebook, Medien riefen Willmann an. Die Inhaberin reagiert am Telefon genervt. Sie habe schnell gelernt, nichts mehr zu sagen, meint sie dann. Nur noch über ihre Anwältin. Diese beantwortet Fragen der BNN per E-Mail, in ihrem Impressum führt ein Link zu „Corona-Infos“ des Arztes Wolfgang Wodarg, der die Pandemie für Panikmache hält.

Im Artikel der „Bild“-Zeitung fühlt sich Gastgeberin Willmann falsch dargestellt, wie ihre Anwältin schreibt: „Dort sind Zitate genannt, die Frau Willmann so nicht getätigt hat und die auch nicht autorisiert wurden.“ Generell lehne Willmann Impfungen im Allgemeinen nicht ab. „Nur bezüglich der Covid-19-Impfung ist sie skeptisch, diese Impfung hat nicht umsonst nur eine vorläufige Zulassung und wird im Übrigen von vielen namhaften Fachleuten sehr kritisch gesehen. Sie hält sich da vorsichtshalber zurück.“

Und ja, es treffe zu, dass Willmann Nicht-Geimpfte bevorzugen wolle und geimpfte Interessenten schon mal abgelehnt hat. Warum die Gastgeberin Nicht-Geimpfte im Alltag für benachteiligt hält, beantwortet ihre Anwältin nicht. „Das ergibt sich doch aus den Medien“, schreibt sie nur.

Nicht-Geimpfte in Ferienhof bevorzugt? So reagiert die Gemeinde Seelbach

Mit dem Ferienhof Lenzlisberg hat auch Seelbach kurzzeitig Bekanntheit erlangt. Hauptamtsleiter Siegfried Kohlmann spricht von einem Einzelfall. „Wir als Tourismusgemeinde werden nicht auf die Idee kommen, diesen Weg zu gehen“, sagt er. „Das ist ihre eigene Sache.“ Kontrollen der Gemeinde sind nicht geplant. „Ich habe überhaupt keinen Hinweis, dass sie die Testpflicht nicht erfüllt.“

An diese Regeln müsse sich Willmann halten, sagt auch Caroline Luschky, Sprecherin des Landratsamts. „Der Landrat hat auch betont, dass wir mit der gewonnen Freiheit achtsam umgehen müssen, damit wir sie behalten. Impfen ist ein wichtiger Teil zur Bekämpfung der Pandemie“, betont Luschky. „Daher können wir dieses Vorgehen nicht nachvollziehen.“

Das ist nicht schön, aber ihr gutes Recht.
Wolfgang Weiler, Sprecher der Schwarzwald Tourismus GmbH

Laut Wolfgang Weiler von der Schwarzwald Tourismus GmbH handelt es sich um den ersten Fall, in dem eine Gastgeberin nicht-geimpfte Gäste bevorzugen möchte. „Das ist nicht schön, aber ihr gutes Recht“, sagt Weiler. Es handle sich aber nur um einen Fall bei rund 11.000 Gastgebern im Schwarzwald. „Der Schwarzwald-Tourismus hat solche Fälle immer überstanden – das wird er auch dieses Mal.“

Café in Stuttgart verwehrte Zutritt mit Jogginghose

Auch Daniel Ohl vom Hotel- und Gaststättenverband Baden-Württemberg ist nur ein solcher Fall bekannt. Gastgeber hätten in diesem Fall aufgrund des Hausrechts und der Vertragsfreiheit viel Spielraum. „So wie sich ein Gast das Hotel aussuchen kann, kann sich das Hotel den Gast aussuchen.“ Grenzen seien dann aber etwa bei der Diskriminierung wegen Religions- oder Nationalitätszugehörigkeiten gesetzt.

Eine Gastgeberin vom Bodensee etwa bestehe darauf, Gäste erst ab 14 Jahren aufzunehmen. „Sie meint, ihre Gäste schätzen es sehr, wenn es ruhig zugeht.“ Erlaubt sei das. Das Café „Le Theatre“ in Stuttgart erregte im Jahr 2017 viel Aufmerksamkeit im Internet, als es Trägern von Jogginghosen den Zutritt verbot.

Die Gastgeberin des Ferienhofs Lenzlisberg jedenfalls hätte auf die Aufmerksamkeit gerne verzichtet, wie ihre Anwältin schreibt: „Das war nie die Absicht von Frau Willmann.“

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