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Personal in Gesundheitsamt wurde verdoppelt

Corona-Kontaktverfolgung im Ortenaukreis wird immer schwieriger

Von 60 auf 150 Mitarbeiter in wenigen Monaten: Das Gesundheitsamt im Offenburger Landratsamt hat sein Personal mehr als verdoppelt. Das ist nicht das Ende der Fahnenstange, es sind zahlreiche Neueinstellungen geplant.

Ein Intensivbett am Offenburger Klinikum: Zwölf Menschen werden derzeit auf de Intensivstationen im Kreis invasiv beatmet, weitere werden wohl folgen. Foto: Frank Löhnig

Die Konzepte scheinen zu greifen. Pflegeheime und Krankenhäuser im Ortenaukreis vermelden in diesem Herbst, mit einer Ausnahme, bisher nur vereinzelte Corona-Infektionen. Anders als im Frühjahr, als mehr ein Dutzend Heime betroffen war, was zu zahlreichen Todesfällen geführt hat.

Dies ist möglicherweise auch darauf zurückzuführen, dass man inzwischen mehr über die Infektionswege weiß – und diese wirkungsvoller unterbinden kann. Die bange Frage ist, ob der Lockdown light die erhoffte Wirkung zeigt. „Ich hoffe, wir gehen bei den Fallzahlen ein bisschen runter, aber ich bin mir nicht sicher“, sagt Evelyn Bressau, Chefin des Gesundheitsamts in Offenburg. Optimismus sieht anders aus.

„Im Laufe des Frühjahrs und des Sommers hat die Medizin sehr viel über das Virus gelernt. Wir sind ein ganzes Stückchen weiter“, so Bressau. Sie leitet die am schnellsten wachsenden Behörde weit und breit. Das wiederum ist den rasant steigenden Infektionszahlen geschuldet – in den vergangenen Tagen meldete der Ortenaukreis durchschnittlich um die 90 Fälle täglich.

Ein mühsames Geschäft

Die Kontaktverfolgung von Corona-Infizierten aber ist ein mühsames Geschäft und enorm personalaufwendig. Das Gesundheitsamt, in diesem Frühjahr noch 60 Mitarbeiter stark, ist inzwischen auf 150 Beschäftigte angewachsen, weitere werden folgen. Der Kreis reagiert damit konsequent auf den exponentiellen Anstieg der Corona-Infektionszahlen in den vergangenen Wochen.

Ein Kraftakt für das Landratsamt, in jeder Hinsicht. Selbst die Zimmer der Kreistagsfraktionen wurden inzwischen zu Büros umgewidmet, um die Arbeit mit dem nötigen Corona-Abstand zu bewältigen. Wie viele Mitarbeiter am Ende benötigt werden, steht dahin: „Unser Ziel ist viel mehr, es zieht an“, sagt Bressau, das Personal werde je nach Lage angepasst. Das hilft: Während andere Gesundheitsämter inzwischen an den Grenzen ihrer Möglichkeiten angekommen sind, klappt es in Offenburg noch mit der Kontaktverfolgung.

Schrittweise Integration neuer Mitarbeiter

Die Ergebnisse sind allerdings nicht unbedingt beruhigend: „Es kommt inzwischen wirklich aus allen Ecken, wird haben mittlerweile auch Fälle in Familien und Betrieben, bei denen man überhaupt keinen Zusammenhang mehr erkennen kann“. Das heißt, mehrere Personen könnten sich unabhängig voneinander angesteckt haben.

Immerhin, mehr als die Hälfte der in Offenburg aufschlagenden Neuinfektionen stammen von Menschen, die bereits als Kontaktpersonen anderer Infizierter bekannt waren. Noch hat das Gesundheitsamt also halbwegs den Überblick über das Infektionsgeschehen: „Das ist ein Signal, dass unsere Arbeit gut ist“ sagt Bressau.

Denn damit beweise sich auch, dass die verhängte Quarantäne die richtige Entscheidung gewesen sei.

Damit das Gesundheitsamt die Kontakte möglichst lange nachverfolgen kann, wird personell aufgerüstet. So schnell es eben geht. „Wir haben innerhalb einer Woche 70 neue Mitarbeiter integriert“, sagt Bressau, die Mehrzahl der intern versetzten 100 Helfer sei damit bereits an Bord.

54 Neueinstellungen sind ebenfalls geplant, außerdem hilft die Bundeswehr. Doch die Integration der Neuen muss schrittweise geschehen, mit Multiplikatoren, die erklären, wie die Arbeit geht: „Wir können ein solches System nicht von einem auf den anderen Tag aufblähen“.

Hohe Dunkelziffer im Frühjahr

Die Zahl der Neuinfektionen hat inzwischen längst die Höchstwerte des Frühjahrs durchbrochen. Ob dies auch die Dynamik der zweiten Welle realistisch abbildet, ist eine ganz andere Frage. „Das ist schwer zu vergleichen, ich gehe davon aus, dass wir im März und April eine hohe Dunkelziffer hatten“.

Doch, auch dies gehört zur Wahrheit: Wie groß die war und wie lange das Virus schon unbemerkt in der Bevölkerung kursierte, bevor man darauf aufmerksam wurde, das wird sich wohl auf Kreisebene nicht herausfinden lassen.

Viele Menschen seien seinerzeit ohne Test krankgeschrieben gewesen, wie viele davon an Covid-19 litten, das kann man nur raten. 126 Menschen starben im Frühjahr an oder mit dem Virus, vier bisher in diesem Herbst. Allerdings dauert es seine Zeit, bis sich nach einer Infektion ein schwerer Krankheitsverlauf herausbildet – die Kliniken richten sich daher auf steigende Patientenzahlen ein.

Ein Drittel der Intensivbetten noch frei

120 Intensivbetten hatte das Ortenau Klinikum im Frühjahr für Covid-19-Erkrankte vorgehalten, derzeit stehen, das Herzzentrum Lahr mitgerechnet, 98 bereit. 13 Menschen lagen am Donnerstag mit einer Covid-19-Erkrankung auf den Intensivstationen im Kreis, zwölf werden invasiv beatmet. Ein Drittel der Intensivbetten ist noch frei.

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