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Skepsis vor der Impfkampagne gegen Corona

Leiterin des Ortenauer Gesundheitsamts fürchtet schwierigen Start ins neue Jahr

Der Ortenaukreis war im Frühjahr ein Corona-Brennpunkt im Südwesten. Im Herbst steht er etwas besser da - doch das macht nicht wirklich einen großen Unterschied. Und der Start ins neue Jahr könnte besonders schwierig werden.

Noch ist Platz in den Kliniken: Trotz hoher Infektionszahlen mit dem Coronavirus liegen vergleichsweise wenige Patienten auf den Intensivstationen im Kreis. Doch die Situation bleibt angespannt. Foto: Marijan Murat/dpa

Unmittelbar vor dem zweiten Lockdown wegen der Corona-Pandemie richten sich die Blicke vor allem auf die bevorstehende Impfkampagne. Doch es könnte ein zähes Rennen gegen das Virus werden, befürchtet Evelyn Bressau, Leiterin des Offenburger Gesundheitsamts.

Im Ortenaukreis werden drei Impfzentren entstehen, zwei mit unterschiedlicher Funktion an der Messe Offenburg und eines in Lahr. Damit aber ist das Thema Corona nicht durch: „Es wird ziemlich lange dauern, bis wir an den Punkt kommen, uns zu entspannen“, sagt Bressau, die seit fast einem Jahr versucht, die Pandemie im Kreis zumindest zu kanalisieren.

Die Ärztin fürchtet einen schwierigen Start in das kommende Jahr: „Wir werden 2021 an einen Punkt kommen, wo ein Teil der Bevölkerung geimpft ist und ein anderer nicht. Dann wird die Akzeptanz für Schutzmaßnahmen schwinden“.

Die Politik werde möglicherweise auf die Maßnahmen zur Eindämmung der Erkrankung früher verzichten müssen als den Medizinern lieb ist, so dass der Erreger vor allem bei der jüngeren, ungeimpften, Bevölkerungsgruppe wieder um sich greift. „Wir werden“, so fürchtet Bressau, „noch das ganze Jahr mit dem Virus zu tun haben“.

Der Lockdown light hat nicht die erhofften Ergebnisse gebracht, das gilt inzwischen als Binsenweisheit. Und es stimmt auch für den Ortenaukreis, der gemessen an anderen Landkreisen in diesem Herbst ein wenig besser dasteht als im Frühjahr. Doch was ist schon gewiss in diesen Pandemiezeiten, wie sehr kann man den Zahlen trauen? Bressau selbst gibt sich ausgesprochen vorsichtig, spricht von einer großen Dunkelziffer im Frühling. Nun gebe es halt deutlich mehr Tests.

Mehr als 300 Neuinfektionen am Wochenende

Doch die Zahlen drohen, durch die Decke zu gehen: 371 Neuinfektionen meldete der Kreis am Montag für das zurückliegende Wochenende. Zwar sind die Daten durch schwankende Meldungen der Gesundheitsämter nicht unbedingt zuverlässig und variieren gerade um die Wochenenden herum stark, doch der Trend ist klar: „Die Zahlen gehen definitiv nach oben“.

Dabei hat der Kreis mit einer Inzidenz um 190 am Montag noch vergleichsweise Glück – und auch die Zahl der an oder mit Corona Gestorbenen liegt, gemessen an der der Neuinfektionen, deutlich niedriger als im Frühjahr. Ob dies so bleiben wird, auch das gehört zu den Fragen, die man im Offenburger Gesundheitsamt mit der Pandemie verbindet.

Eine Antwort gibt es nicht, aber einen Indikator. Nur jedes fünfte Intensivbett im Kreis war gestern mit einem Corona-Patienten belegt, insgesamt gab es 18 Covid-19-Fälle in intensivmedizinischer Behandlung, sechs davon wurden invasiv beatmet. Im Frühjahr waren zeitweise bis zu 50 Betten mit Covid-19-Patienten belegt. Wie beruhigend diese Feststellung ist und wie abschließend, das steht dahin. Oft dauert es bei schweren Verläufen von Covid-19 viele Wochen vor der Erkrankung bis zum Tod eines Patienten.

Coronafälle in drei Pflegeheimen

Da vor allem ältere Menschen zur Risikogruppe gehören, blickt der Kreis gerade besonders auf die Pflegeheime. In drei Einrichtungen habe man derzeit Fälle, sagt Bressau, nennt aber keine Zahlen oder Details. Doch so alarmierend wie im Frühjahr, mit gleichzeitigen Ausbrüchen in zahlreichen Pflegeheimen, sieht es derzeit nicht aus.

Die Fälle verteilen sich gleichmäßig, und das ist nun auch keine gute Nachricht: „Mal ist es hier eine Schule, dann da ein Pflegeheim, ein Kindergarten, ein Betrieb“. Das Virus hat sich in der Bevölkerung etabliert – ein Befund, den Bressau vor einem Vierteljahr noch gehofft hatte, nie feststellen zu müssen. Denn so wird es für die mittlerweile 200 Mitarbeiter des Gesundheitsamts immer schwieriger, Infektionsherde einzugrenzen.

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