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Bundeszuschüsse retten Klinik

Ortenau Klinikum verzeichnet wegen Corona drastisch sinkende Patientenzahlen

Drastisch sinkende Patientenzahlen und dennoch ein Rekordumsatz - im Corona-Jahr 2020 gab es beim Ortenau Klinikum keine Gewissheiten mehr. Letztlich haben die Zuschüsse des Bundes den Konzern vor dem Absturz bewahrt.

Massiver Rückgang der Patientenzahlen: Die Corona-Pandemie hat im Klinikum tiefe Spuren hinterlassen. Teilweise sind die Zahlen der stationären Aufenthalte ebenso abgestürzt wie die der ambulanten Eingriffe. Foto: Peter Kneffel/dpa

Das Ortenau Klinikum ist besser durch das Corona-Jahr 2020 gekommen als befürchtet. Die Aussichten bleiben aber getrübt. Mit einem Bilanzverlust von 16,9 Millionen Euro stellt sich das Haus ein wenig besser als 2019, wo man mit 18,4 Millionen Euro den höchsten Verlust in der Geschichte des Verbunds ausgewiesen hatte. Doch die Lage war, ist und bleibt angespannt.

Das zeigt zum Beispiel die Patientenzahl, die im stationären Bereich 2020 auf 63.942 gesunken ist – und damit unter das Niveau des Jahres 2008. Dies bedeutet gegenüber dem Vorjahr ein Minus von rund 12.500 Patienten.

Auch bei den ambulanten Operationen gab es einen (weiteren) empfindlichen Rückgang. Ob sich diese Delle je wieder ausbügeln lässt, daran wachsen im Klinikum offenbar Zweifel.

Es bleibt abzuwarten, ob sich die Nachfrage wieder erholen wird.
Christian Keller, Klinik-Geschäftsführer

Dass man den vor allem coronabedingten Aderlass bisher „mit einem blauen Auge“, so Klinik-Geschäftsführer Christian Keller, überstanden hat, liegt an Finanzhilfen des Bundes.

Das zeigt eine weitere Zahl. Mit 432,2 Millionen Euro erklimmt der Umsatz Rekordhöhe und landet fast 30 Millionen über dem Wert des Jahres 2019. Der Konzern ist weiter größter Arbeitgeber im Kreis. Im Klinikum sind 5.929 Menschen beschäftigt, sie teilen sich 3.768 Vollzeitstellen.

Überdurchschnittlich viele Corona-Patienten im Ortenau Klinikum

Das Corona-Virus und seine Auswirkungen hat das Ortenau Klinikum schwer getroffen. Das zeigt vor allem ein Wert: Bei der Zahl der zu behandelnden Covid-19-Patienten liegt das Ortenau Klinikum bundesweit unter 1.000 Krankenhäusern an achter Stelle.

Das hat in mehrfacher Hinsicht finanzielle Folgen. Wegen der unmittelbaren Kosten der Behandlung der teilweise über Wochen hinweg intensivpflichtigen Menschen, wegen des erhöhten Aufwands, der dadurch entsteht, dass man eine Verbreitung des Erregers im Klinikum verhindern muss. Auch wegen des vorsorglichen Verzichts auf die in der Regel lukrativen „planbaren“ Operationen, die je nach Standort teilweise über mehrere Wochen ausgesetzt waren, klingelten die Kassen seltener.

Ob und wann das Klinikum aus diesem Tal wieder herauskommt, ist laut Christian Keller offen. „Es bleibt abzuwarten, ob sich die Nachfrage nach stationären Leistungen wieder auf das Niveau vor der Pandemie erholen wird“, so der Geschäftsführer. Er schließt nicht aus, dass es hier langfristig bei einer Delle bleibt – was auch Auswirkungen auf die Planungen für die Agenda 2030 haben würde. Mit anderen Worten: Die ohnedies schon abgespeckten Bettenzahlen kämen nochmals auf den Prüfstand.

Eher gedämpft sind die Erwartungen an das laufende Jahr. Es werde wesentlich von den Finanzhilfen für die Häuser abhängen, wie sie Ende 2021 dastehen, so Keller weiter. Aktuell würden sich aber geringere Ausgleichszahlungen abzeichnen, „so, dass die wirtschaftliche Entwicklung mit Sorge betrachtet wird“.

Heftiger Aderlass am Acherner Krankenhaus und seinem Standort in Oberkich

Strukturell zur Ader gelassen wurde im vergangenen Jahr vor allem das Acherner Krankenhaus mit seiner Betriebsstelle in Oberkirch. Die Zahl der Mitarbeiter, gemessen an Vollzeitstellen, sank von 466 auf 455, die der Betten von 269 auf 262, die Patientenzahl brach regelrecht ein - von 12.577 auf 9.862.

Gründe nennt die Klinikverwaltung in ihrem Geschäftsbericht nicht, ein Zusammenhang mit dem Niedergang des Oberkircher Hauses, das 2021 vom Netz geht, liegt aber auf der Hand. Drastisch gesunken ist die Zahl der Geburten, von 996 auf 670.

In Lahr/Ettenheim stieg die Zahl der Mitarbeiter leicht auf 982 an, die Bettenzahl blieb stabil, die Zahl der ambulanten Operationen schmierte regelrecht ab – von 2.011 auf 1.258 im vergangenen Jahr. Hier dürfte sich die Situation in Ettenheim ausgewirkt haben. Offenburg bleibt das größte Haus mit einer leicht angewachsenen Zahl der Vollzeitstellen (auf 1.976 mit den Standorten Kehl und St. Josefsklinik).

Die Verschuldung des Klinikums stiegt leicht an auf 61,9 Millionen Euro.

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