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Fragen und Antworten

Das wissen wir über das Coronavirus in Baden

Noch sind Coronavirus-Infektionen in der Region Einzelfälle. Doch Ärzte und Gesundheitsbehörden bereiten sich auch in Baden auf stark steigende Fallzahlen vor. Eine weitere Verbreitung des Virus sei kaum aufzuhalten, sagen sie. Es gehe nun darum, sie zu verlangsamen. Wir fassen die wichtigsten Informationen zusammen.

Mit Desinfektionsmitteln soll die Ausbreitung des Coronavirus bekämpft werden. Foto: dpa

Wie viele Infizierte gibt es in der Region?

In der Region Karlsruhe sind bis Freitagnachmittag insgesamt vier Fälle bekannt geworden, bei denen die Gesundheitsbehörden eine Coronavirus-Infektion bestätigt haben. Der erste Patient, ein Pastor, liegt derzeit im städtischen Klinikum. Der zweite, ein junger Mann aus Ettlingen, befindet sich in häuslicher Isolation.

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Beim dritten Fall handelt es sich um einen Elsässer, der für einen technischen Dienstleiter arbeitet und im St.-Vincentius-Krankenhaus im Einsatz war. Er liegt nun auf einer Isolierstation. In Bretten wurde Patient Nummer vier entdeckt. Er war mit einer Reisegruppe in Südtirol, wurde nun positiv auf den neuartigen Virus getestet, darf aber bisher zu Hause bleiben.

Weitere Infektionen wurden aus dem Kreis Calw (ein junger Mann) und dem Ortenaukreis gemeldet: Mutter und Tochter haben sich wohl bei einem Familienurlaub in Südtirol angesteckt.

Wie hoch ist die Gefahr, sich anzustecken?

Behörden, Ärztevertreter und Klinikchefs gehen davon aus, dass sich der Virus auch in Baden weiter verbreiten wird. Sie sprechen von einem „sehr dynamischen“ Geschehen und bereiten sich auf steigende Patientenzahlen vor. „Aktuell registrieren wir in und um Karlsruhe noch wenige Krankheitsfälle“, sagte Ulrich Wagner, Abteilungsleiter für Gesundheitsschutz im Karlsruher Gesundheitsamt. Aber es sei absehbar, dass sich die Fallzahlen erhöhen.

Der Karlsruher Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD) appellierte an die „Eigenverantwortlichkeit der Bürger“, sich vor einer Infektion mit dem Corona-Virus zu schützen und dessen weitere Verbreitung einzudämmen. „Es wird irgendwann der Punkt kommen, an dem wir in eine neue Phase dieser Krankheitswelle kommen“, sagte Mentrup, der selbst Mediziner ist. „Dann ist es wegen der hohen Fallzahlen nicht mehr möglich, jede Infektionskette zu unterbrechen.“

Durch Hygienemaßnahmen und das persönliche Verhalten könne aber jeder selbst dazu beitragen, das Risiko einer Ansteckung zu minimieren.

Werden bald Schulen und Kindergärten geschlossen?

Das baden-württembergische Kultusministerium verlangt, dass Schüler oder Lehrer, die in den vergangenen 14 Tagen aus einem Risikogebiet zurückgekehrt sind, vorsorglich zwei Wochen zuhause bleiben. Da das Robert Koch-Institut am Donnerstagabend auch Südtirol zum Risikogebiet erklärt hat, sind davon nun einige betroffen, die dort in den Faschingsferien waren.

Am Gymnasium Karlsbad etwa rechnet Schulleiter Christian Wehrle mit einer „mittleren zweistelligen Zahl“. Er schätze, „dass pro Klasse etwa ein bis zwei Schüler betroffen sind.“

In Oberderdingen hat die Schulleitung der Leopold-Feigenbutz-Realschule strikter reagiert. Dort wurden am Freitag alle Schüler nachhause geschickt. „Heute Morgen haben wir erfahren, dass Schüler mit ihren Familien in den Faschingsferien in Südtrirol Urlaub gemacht haben, daraufhin haben wir den Unterricht nach der ersten Stunde beendet“, erklärte Schulleiter Gregor Swoboda gestern. Dies sei eine reine Präventionsmaßnahme gewesen, betonte er.

Das Max-Planck-Gymnasium in Lahr bleibt wegen des Coronavirus für 14 Tage geschlossen. Foto: Spether

Auch in Lahr hat eine Schule am Freitag komplett dichtgemacht: das Max-Planck-Gymnasium. Denn eine Schülerin ist die infizierte Tochter aus dem Ortenaukreis.

Was sollen Erkrankte beim Verdacht auf eine Cornoavirus-Infektion tun?

Wer Husten oder Fieber hat und befürchtet, sich mit dem Coronavirus infiziert zu haben, soll auf keinen Fall eigenmächtig eine Arztpraxis oder ein Krankenhaus aufsuchen. „Bleiben Sie zu Hause und kontaktieren Sie Ihren Hausarzt telefonisch“, rät Ulrich Wagner, Abteilungsleiter für Gesundheitsschutz im Karlsruher Gesundheitsamt. Der Hausarzt werde dann alle weiteren notwendigen Schritte einleiten.

Auch Susanne Colopi-Glage, Sprecherin der Ärzteschaft Karlsruhe Stadt und Land, appelliert an die Bevölkerung auf unnötige Besuche der Hausarzt- und Notfallpraxen zu verzichten. „Wir können strukturiert arbeiten, solange unsere Praxen nicht voll sind von Patienten, die sich rein vorsorglich auf den Coronavirus testen lassen wollen.“

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Wohin können sich Personen wenden, die keine Beschwerden haben, aber in einem der Risikogebiete waren?

„Wir raten Rückkehrern, für 14 Tage Kontakte zu minimieren und nach Möglichkeit zuhause zu bleiben“, sagt Eberhard Kniehl, Leiter der Abteilung für Mikrobiologie und Krankenhaushygiene am Klinikum Karlsruhe. Wer Rat sucht, kann sich rund um die Uhr an die Telefon-Hotline der Kassenärztlichen Vereinigung unter 116 117 wenden. Die Coronavirus-Hotline des Landesgesundheitsamts ist von 9 bis 18 Uhr (auch sonntags) unter 0711/90439555 erreichbar.

Wie bereiten sich Behörden, Ärzte und Kliniken auf steigende Zahlen von Corona-Patienten vor?

Unter anderem in Karlsruhe und Bruchsal sollen zentrale Stellen geschaffen werden, an denen Personen mit Corona-Verdacht untersucht werden. Auch Ärzte im Ruhestand sollen für die Arbeit in diesen Einrichtungen gewonnen werden. Wo die „Zentrale Abklärung COViD19 Karlsruhe (ZACK)“ eingerichtet wird, stehe noch nicht fest, hieß es am Freitag auf einer Pressekonferenz der niedergelassenen Ärzteschaft, des staatlichen Gesundheitsamts und der Karlsruher Krankenhäuser.

Man tausche sich regelmäßig über die aktuelle Situation aus und arbeite an Strukturen, die den adäquaten Umgang mit dem neuartigen Virus und der Erkrankung COViD19 ermöglichen, betonten die Vertreter der beteiligten Institutionen. „Wir bündeln unsere Kräfte in einer Task Force“, sagte Michael Kästel, Ärztlicher Leiter der Notfallpraxis Karlsruhe.

Werden Lebensmittel und Hygieneartikel knapp?

In manchen Supermärkten sind bestimmte Produkte wie Nudeln, Mehl, Reis oder Konserven zeitweise ausverkauft. Einzelhandelsketten und Lebensmittelhersteller betonen jedoch, dass zügiger Nachschub garantiert sei.

Aufgrund der aktuellen Lage in und um Bretten besteht laut Oberbürgermeister Martin Wolff kein Grund für Hamsterkäufe. Foto: Oliver Berg/dpa

Die Karlsruher Drogeriemarktkette dm rationiert inzwischen Produkte wie Toilettenpapier und Hygieneartikel, die bei Vorratskäufern begehrt sind. „Wir bei dm möchten, dass alle unsere Kunden die jeweils gewünschten Produkten erhalten“, teilte dm-Geschäftsführer Sebastian Bayer mit. „Daher haben wir die Kolleginnen und Kollegen in den dm-Märkten darüber informiert, bei derzeit sehr nachgefragten Artikeln darauf zu achten, diese nur in haushaltsüblichen Mengen herauszugeben.“

Wo gibt es noch Desinfektionsmittel zu kaufen?

Einen Engpass gibt es bei der Versorgung mit Desinfektionsmitteln. Sie sind in Drogeriemärkten sehr schnell wieder ausverkauft, sobald eine neue Lieferung kommt. Deshalb haben Apotheken nun die Erlaubnis bekommen, Produkte zur hygienischen Händedesinfektion selbst herzustellen und in den Verkehr zu bringen. Bis Anfang der Woche gab es dagegen rechtliche Hürden.

Von den im Internet kursierenden Anleitungen für selbstgemachte Desinfektionsmittel raten Apotheker und Ärzte hingegen ab.

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