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Seltene Pflanzen

Den Pflanzendieben auf der Spur: Wildschweine fressen Orchideen im Taubergießen

Endlich ist die Suche nach den Orchideen-Dieben im Naturschutzgebiet Taubergießen in der Ortenau geklärt: Die Sauerei geht auf die Kappe der Wildschweine. Auf die Spur der Tiere kam ein junger Student aus Oberkirch...

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Wildschweine fressen im Naturschutzgebiet Taubergießen die wilden Orchideen. Foto: Michaela Gabriel

Von Hagen Späth

Die Ökologiestation Taubergießen in der Ortenau hat in den vergangenen Monaten die Frage untersucht, ob es tatsächlich Wildschweine waren, die die Vielzahl an Orchideen in diesem Jahr ausgegraben haben. Vieles deutete schon darauf hin. Doch jetzt gibt es handfeste Beweise in Form von Bildern von Kameras, die die Täter auf frischer Tat ertappt haben.

„Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit waren es Wildschweine. Wir haben keine Zweifel mehr daran“, lautet das zusammenfassende Urteil von Bettina Saier, der Leiterin der Ökologiestation, zu den Ergebnissen der Untersuchung. Die hatte das Regierungspräsidium Freiburg als Trägerin der Ökologiestation schon im vergangenen Jahr in Auftrag gegeben. Speziell dafür hatte David Hennegriff, ein 26-jähriger Geographiestudent aus Oberkirch, einen einjährigen Vertrag erhalten, um die Ökologiestation zu unterstützen. Sein Auftrag: Dokumentation und Beweissicherung.

David Hennegriff, Ökologiestation Taubergießen
David Hennegriff, Ökologiestation Taubergießen Foto: Hagen Späth

Zunächst stellte Hennegriff dafür überhaupt erst einmal fest, wo im Gebiet vor allem die Kalkmagerrasen mit den Orchideenvorkommen zu finden sind. Zehn Flächen wurden ausgewählt und mit einer Kamera bestückt, die einen Radius von etwa 20 mal 20 Meter erfasst. Auf dieser Fläche wurden auch ganz genau die Anzahl und die verschiedenen Orchideenarten dokumentiert.

Hennegriff: „Die Kameras laufen seit Februar. Sie haben einen Bewegungsmelder, der Fotos auslöst und die können dann direkt auf unsere Handys geschickt werden.“ So kamen sechs Fotos zustande, auf denen eindeutig Wildschweine zu erkennen sind. „Die Tiere fressen nicht immer Orchideen. Aber immer, wenn Orchideen gefehlt haben, waren auch Wildschweine da“, sagt Hennegriff.

Der Sauerei auf der Spur

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Die Tiere sind nicht gezielt auf bestimmte Orchideenarten aus. Und sie beschränken sich nicht nur auf die Blütezeit, wie anfangs auch vermutet wurde: „Das hat sich nicht bestätigt. Die Tiere fressen die Knollen in verschiedenen Vegetationsstadien. Und die Löcher haben wir bevorzugt nach Regenfällen gefunden.“

Hennegriff hat auch Überreste von Orchideen gesammelt - die Wildschweine fressen meistens nur die Knollen und lassen Stängel und Blüten liegen. Die eingefrorenen Pflanzenreste sollen im Labor noch auf die DNA der Wildschweine getestet werden.

Zwei weitere Herangehensweisen haben leider zu keinen Beweisen geführt: Mit seiner Kollegin Cosima Zeller, die ebenfalls für ein Jahr die Ökologiestation unterstützt und neben Wissenschaftlerin auch Jägerin ist, saß er eine Nacht auf einem Ansitz, um die Schwarzkittel „in flagranti“ zu erwischen. Leider ohne Erfolg. Und die Untersuchung des Magens von einem geschossenen Wildschwein hat leider auch nichts gebracht: Keine Orchideenknollen im Magen des Tiers.

Insgesamt gesehen habe es in diesem Jahr bisher nicht die großen, flächenhaften Schäden wie im vergangenen Jahr gegeben. Es sei zu Ausgrabungen auf mehreren kleineren Flächen gekommen. Den größten Schaden schätzt Hennegriff auf 40 bis 50 Orchideen. Bettina Saier ordnet die Schäden durch die Wildschweine so ein, dass es das wohl schon sehr lange gibt, mal mehr, mal weniger. „Trotz der Verluste sind die Orchideenbestände durchaus noch als gut bis sehr gut zu bezeichnen.“

Der beste Schutz dieser Bestände sei es, die Zahl der Wildschweine in Grenzen zu halten. „Und hier leisten die Jäger richtig gute Arbeit“, lobt Saier. Cosima Zeller berichtet von einem erfahrenen Jäger, der das Gebiet gut kenne: „Er schätzt, dass etwa 250 Wildschweine ständig im Taubergießen leben.“ Sie ist auch im Archiv fündig geworden und hat einen Bericht aus dem Jahr 1976 ausgegraben, in dem ein aufmerksamer Beobachter dem Regierungspräsidium von Orchideendiebstählen und Ausgrabungen meldete: „Mit genau den gleichen Schadensbildern wie heute.“



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