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In der Ortenau glühen die Telefone

Welche Folgen hat die Einstufung des Elsass als Corona-Risikogebiet?

Die Ortenau und das Elsass waren im Frühjahr von der Grenzschließung wegen Corona hart betroffen. Jetzt will man alles besser machen - doch das gelingt längst nicht immer.

Erinnerungen an das Frühjahr: Toilettenpapier ist auch in er zweiten Corona-Wele, die zumindest Frankreich mittlerweile durchlebt, weiter ein begehrtes Gut. Gekauft wird beim deutschen Nachbarn, so lange es noch geht. Foto: Annette Lipowsky/Stadt Kehl

An diesem Samstag wird die Region Grand Est und damit auch das Elsass zum Corona-Risikogebiet . Welche Einschränkungen bringt dies für das grenzüberschreitende Leben in der Region? Das war am Freitag noch weithin unklar.

„Wir haben noch keine schriftliche Anweisung, wie wir uns am Samstag ab 12 Uhr verhalten sollen“, sagte eine Sprecherin der Bundespolizei. Ob diese überhaupt kontrollieren wird – oder ob diese Aufgabe den kommunalen Ordnungsämtern zufällt - das war eine der großen Fragen, mit denen man sich am Freitag auch in den Rathäusern der Region befasste.

Insgesamt herrschte angesichts einer Fülle nicht abgestimmter Informationen und Reaktionen, gelinde gesagt, Verwirrung: „Wir fühlen uns zurückversetzt in die Anfangszeiten der Pandemie“, so ein Behördenvertreter. „Es herrscht gerade völliges Chaos, wir werden irre hier.“

24 Stunden-Regelung für die Grenze zwischen Elsass und Ortenau ist wohl auf dem Weg

Gleichzeitig mehrten sich die Stimmen, die eine 24-Stunden-Regelung wie in anderen Bundesländern fordern, wie sie am Freitagnachmittag dann letztlich auch avisiert wurde. Unabhängig von den bereits bekannten Ausnahmen solle jedem der Grenzübertritt nach Deutschland für eine Zeitdauer von bis zu 24 Stunden ohne Quarantäne oder Corona-Test möglich sein.

In der Summe allerdings bliebe dann, nach der für viele traumatisierenden Grenzschließung vom Frühjahr, von den Corona-Beschränkungen praktisch nichts mehr übrig, der Grenzverkehr würde ungehindert weiter fließen.

Schlange stehen im Einkaufszentrum: Französische Kunden vor einem Kehler Kiosk. Foto: Annette Lipowsky/Stadt Kehl

Der Kehler Oberbürgermeister Toni Vetrano forderte eine entsprechende Erleichterung am Freitag noch einmal gemeinsam mit seiner Straßburger Kollegin Jeanne Barseghian und Pia Imbs, der Präsidentin der Eurométropole de Strasbourg. „Unser gemeinsamer Lebensraum muss weiterleben können“, so der CDU-Politiker.

Eine entsprechende Veröffentlichung auf der Internetseite des Landes lasse erwarten, dass man sich auf eine solche Regelung einige werde. Allerdings sei noch keine entsprechende Änderung der Corona-Verordnung zur Einreise hinterlegt.

Grenzschließungen wegen des Coronavirus haben im Frühjahr viele hart getroffen

Die Grenzschließung im Frühjahr sei für die Menschen sehr hart gewesen, dies erkläre zumindest teilweise die Hamsterkäufe französischer Staatsbürger am vergangenen Donnerstag in Kehl oder auch Rheinau. Vetrano forderte die Bürger auf, die Vorgaben zum Infektionsschutz sehr ernst zu nehmen.

Ich habe nicht verstanden, warum es bei uns im Grenzgebiet nicht längst eine solche Quarantäne-Ausnahmeregelung gibt.
Frank Scherer / Landrat

Als einzige Kommune im Ortenaukreis greift die Stadt Kehl bei Verstößen hart durch – und kommuniziert dies auch entsprechend. Erst am Freitag hatte die Stadt bekannt gegeben, dass man nach mehrfachen Kontrollen, Mahnungen und Bußgeldbescheiden vier Gaststätten die Sperrzeiten verlängert hatte, weil es immer wieder zu Verstößen gegen die Corona-Verordnung gekommen war.

Landrat Scherer hätte sich Regelung früher gewünscht

Auch Landrat Frank Scherer hatte in einer Presseerklärung eine 24-Stunden-Regelung für Einreisende nach Deutschland gefordert und die entsprechende Absichtserklärung am Freitagnachmittag begrüßt: „Ich habe nicht verstanden, warum es bei uns im Grenzgebiet nicht längst eine solche Quarantäne-Ausnahmeregelung gibt. Ich hätte mir das schon viel früher gewünscht“.

Während die Zahl der Corona-Neuinfektionen im Elsass inzwischen wieder durch die Decke geht, verharrt sie im Ortenaukreis auf einem hohen Niveau, erreicht aber nicht die Sieben-Tages-Inzidenz von 50, bei der weitere Einschränkungen des öffentlichen Lebens zu erwarten sind.

Von Donnerstag auf Freitag kam es im Ortenaukreis zu 42 Neu-Infektionen. Die neuen Covid-19-Fälle stammen aus Offenburg (8), Mahlberg (2), Lahr (8), Kehl (10), Oberkirch (2), Appenweier (2), Willstätt (2); Meißenheim (2), Ottenhöfen, Achern, Friesenheim, Kappel-Grafenhausen, Hausach und Rheinau. Die Sieben-Tages-Inzidenz liegt bei 44,5.

Lahr mit höchsten Infektionszahlen

Ausgelöst hatten den Anstieg der Zahlen nicht etwa die Nähe zum Elsass, sondern eine Hochzeit in Lahr. Dies führte inzwischen auch dazu, dass Lahr mehr Covid-19-Infizierte aufweist als jede andere Stadt im Kreis. Eine zweifelhafte Spitzenposition, die über Monate hinweg Kehl innehatte.

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